Sechs Fragen an Tom de Ville

Interview: Im Gespräch mit dem britischen Filmemacher Tom De Ville erzählt er uns mehr von seinem ersten Kurzfilm „Corvidae“, gesehen auf dem 20. Landshuter Kurzfilmfestival, wie er seine Geschichte dafür fand und wie er es schaffte Maisie Williams für sein Projekt zu gewinnen.

The original english language interview is also available.

Wie hast Du die Geschichte für den Kurzfilm „Corvidae“ entwickelt? Und warum hast Du Dich für Krähen entschieden?

Die Idee zu „Corvidae“ kam mir zum ersten Mal, als ich mit dem Hund in einem Wald in der Nähe des Hauses meiner Mutter spazieren ging, und ich auf ein weites Feld kam, in dem eine große Anzahl von Krähen saß. Ich begann mir ein Szenario vorzustellen, in dem ich aus dem Wald gejagt wurde und wie die Krähen mir helfen würden, und von da an entwickelte sich die Geschichte. Während ich sie schrieb, las ich auch einen Artikel online, in dem es darum ging, wie intelligent Krähen sind und dass sie ein sehr gutes Gedächtnis haben – zum Beispiel greifen sie Menschen an, die sie in der Vergangenheit angegriffen haben. Das gab mir mehr Ideen, die ich in die Geschichte einbringen konnte. 

Erzähl mir mehr über die Dreharbeiten selbst und wie viel Nacharbeit es in der Postproduktion gab. Die visuelle Effekte sind sehr gut gelungen. 

Maisie Williams

Nun, zuerst einmal, vielen Dank! Ich war sehr nervös, den Film zu machen, weil ich wusste, dass viel davon abhängen würde, wie gut die visuellen Effekte funktionieren, also war ich sehr erleichtert, als sich alles zusammenfügte.

Wir drehten den Film drei Tage lang vor Ort mitten im Winter, was sehr stressig war, weil es viel regnete, und gegen 16.30 Uhr das Tageslicht verschwand, also mussten wir etwas mehr hetzen, als ich wollte. Aber ich war mit vielen Erfahrungen sehr zufrieden. Wir haben einen Großteil des Films im Haus meiner Mutter gedreht (das Mädchenzimmer ist mein altes Schlafzimmer) und tatsächlich kamen Maisie und ihre Mutter dorthin, während wir drehten, was sehr schön war. Ich war auch erfreut, weil wir die Szene, in der Maisies Figur Jay von den Krähen unterstützt wird, genau dort gedreht haben, wo ich die vielen Krähen zum ersten Mal sah und auf die Idee gekommen bin.

Es gab eine Menge Postproduktion, tatsächlich dauerte es lange, bis der Film fertig war, nachdem wir ihn gedreht hatten, denn ich wollte sicherstellen, dass die Effekte so gut wie möglich funktionieren. Glücklicherweise fanden wir ein ausgezeichnetes Postproduktionshaus namens Munkie, das uns bei vielen der kniffligeren Effekte half und sie wirklich zum Leben erweckte.

Was lag Dir visuell am Herzen? Hattest Du große Vorbilder, auf die Du vielleicht bewusst oder unterbewusst referenzierst?

Maisie Williams

Ich sehe „Corvidae“ wirklich als ein dunkles Märchen, aber eines, das sehr realitätsnah ist. Also wollte ich in einem Stil drehen, der das so weit wie möglich widerspiegelt. Das war einer der Gründe, warum wir den Film mitten im Winter gedreht haben – um das richtige graue Licht am Himmel zu bekommen, und damit die Bäume im Wald keine Blätter haben und eher wie Skelette sind. Ich dachte bei meinen Dreharbeiten an ein paar Filme, vor allem an „Kes“ [Ken Loach, 1969] und die dezente Art und Weise, wie dieser Film einen Jungen zeigt, der seinen Platz in der Natur findet, und an „Picnic At Hanging Rock“ [ „Picknick am Valentinstag“, Peter Weir, 1975], der einen seltsameren und traumhafteren Zugang zur Natur hat. 

Du konntest Maisie Williams, welche viele aus der Serie „Game of Thrones“ kennen, als Hauptdarstellerin gewinnen. Wie ist sie zu dem Projekt dazu gestoßen?  

Ich hatte das große Glück, Maisie zu besetzen, zumal sie meine absolute erste Wahl für die Rolle war, weil der Film keinen Dialog hat und ich wusste, dass sie so viel nur mit ihren Augen ausdrückt. Als wir mit der Vorproduktion begannen, näherten wir uns ihr über ihren Agenten an und schickten ihr das Drehbuch und ein Paket mit Artwork, das einige Freunde von mir gemacht hatten, um die großen Szenen im Film zu visualisieren. Glücklicherweise gefiel ihr alles, und so stimmte sie zu, sich dem Projekt anzuschließen. 

Ich könnte mir vorstellen, dass die Geschichte auch mehr für einen Langfilm hergeben würde. Hast Du selbst mit diesem Gedanken gespielt?

Ja, ich habe eine Idee für eine Spielfilm-Version der Geschichte, die eine größere, erwachsenere Version der Geschichte ist – eine Rachegeschichte gemischt mit dunkler Magie und alten Mythen. Ich würde mich gerne hinsetzen und es irgendwann schreiben, wenn ich Zeit habe.

Es war Dein erster Film als Regisseur. Wie war es neben dem Drehbuchschreiben auch die Regie zu übernehmen? Hast Du Gefallen daran gefunden? Wird es weitere Regie-Projekte geben?  

Dean (Jamie Davis), Mark (Archie Duffy) und Sam (Joe Wolstenholme)

Ehrlich gesagt, war es eine große Lernerfahrung, bis zum Ende. Manchmal war es extrem stressig, manchmal war es eine schöne, berauschende Erfahrung. Natürlich würde ich es gerne noch einmal machen, denn ich denke, jedes Mal, wenn man etwas dreht, lernt man ein wenig mehr daraus, und es ist sehr befriedigend, wenn man endlich einen kompletten Film in der Tasche hat. Mir wurde ein Spielfilm zum Regie führen angeboten, an dem ich im Moment am Drehbuch arbeite, aber ich möchte mindestens noch einen weiteren Kurzfilm machen, bevor ich anfange, den Film zu drehen, damit ich ein wenig mehr Übung bekommen und vielleicht etwas mit ein paar weniger Krähen machen kann. 

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Corvidae


Interview: In our conversation with the British filmmaker Tom De Ville we learn more about his first short film „Corvidae„, seen at the 20th Landshut Short Film Festival, how he found the story for it and how he managed to win Maisie Williams for his project.

How did you develop the story for the short film „Corvidae„? And why did you pick crows?

The idea for „Corvidae“ first came to me when I was walking the dog in some woods near my mum’s house, and I came out onto a wide field, that had a huge number of crows in it. I began imagining a scenario where I was being chased from the woods, and how the crows would help me, and from there the story grew. While I was writing it, I also read an article online which talked about how smart crows are, and how they have very good memories – for instance they attack people who have attacked them in the past. This gave me more ideas to put into the story. 

Tell me more about the shooting itself and how much post-production there was. The visual effects are very good.

Well firstly, thank you! I was very nervous making the film, because I knew a lot of it would rely on how well the visual effects worked, so I was very relieved when it all came together. 

We shot the film for three days on location in the middle of winter, which was very stressful because it rained a lot, and we would lose daylight by about 4.30 PM so we had to rush a bit more than I wanted to. But I was very happy with a lot of the experience. We shot a lot of the film at my mother’s house (the girl’s bedroom is my old bedroom) and in fact Maisie and her amother came to stay there while we were shooting, which was lovely. I was also pleased because we shot the scene where Maisie’s character Jay is helped by the crows in the exact field where I first saw them and thought of the idea. 

There was a lot of post production, in fact the film took a long time to complete after we shot it, because I wanted to make sure the effects work as well as possible. Luckily we found an excellent post-production house called Munkie that helped us with a lot of the trickier effects, and really brought them to life. 

What was visually important to you? Did you have big role models that you perhaps refer to consciously or subconsciously?

Really I think of „Corvidae“ as a dark fairy tale, but one that is very much based in reality, so I wanted to shoot in a style that would reflect that as much as possible. That was one of the reasons we shot the film in the middle of winter – to get the right grey light in the sky, and so that the trees in the woods would have no leaves and be more like skeletons. I thought of a few films when I was shooting, particularly „Kes“ [Ken Loach, 1969] and the understated way it addresses a boy finding his place in nature, and „Picnic at hanging rock“ [Peter Weir, 1975], which has a weirder and more dreamlike approach to nature. 

You cast Maisie Williams, who many know from the series Game of Thrones as the main character. How did she join the project?

I was very lucky to cast Maisie, particularly as she was my absolute first choice for the role, because the film is silent and I knew she express so much with just her eyes. When we were beginning pre-production we approached her through her agent and sent her the script and a pack of artwork that some friends of mine had done to help visualise the big scenes in the film. Fortunately she liked it all, and so she agreed to join the project. 

I could imagine that the story would also be suitable for a feature-length film. Did you yourself play with that idea?

Yes! I do have an idea for a feature version of the story, which is a bigger, more grown-up version of the story in the short – a revenge story mixed with dark magic and ancient myths. I’d love to sit down and write it at some point, when I have the time.

It was you first film as a director, What was it like to write the script and direct it? Did you like it? Will there be more directing projects?

Honestly, it was a big learning experience, right until the end of it.  At times it was extremely stressful, at others it was a beautiful, exhilarating experience. Of course I’d love to do it again, because I think each time you shoot something you learn a little more from it, and it is very satisfying when you finally have a complete film on your hands. I’ve been offered a feature film to direct, which I’m working on the script for at the moment, but I’d like to make at least one more short before I begin to shoot the feature, so I can get a bit more practice and maybe make something with a few less crows in it. 

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm „Corvidae“ 

2 Gedanken zu “Sechs Fragen an Tom de Ville

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