„Grace and Frankie“ (Staffel 1, 2015)

Serienkritik: Filme und Serie über das Leben im Alter besitzen öfters zu viel Schwere oder in die andere Richtung gehend zu viele Momente des Fremdschämens. Doch die amerikanische Serie „Grace and Frankie“ (seit 2015) schafft es sich ihren Protagonisten ehrlich und humorvoll zu nähern, so dass man nie das Gefühl hat, dass es zu aufgesetzt ist, auch wenn alle Weichen für eine gute Sitcom gestellt sind. 

Die beiden Anwälte und Geschäftspartner Robert (Martin Sheen) und Sol (Sam Waterston) treffen sich mit ihren beiden Frauen Grace (Jane Fonda) und Frankie (Lily Tomlin) zu einem scheinbaren normalen Mittagessen. Doch die beiden langjährigen Ehemänner geben bekannt, dass sie seit 20 Jahren eine Affäre miteinander haben und nun endlich heiraten wollen. Überrascht und überwältigt fliehen Grace und Frankie, ohne es voneinander zu wissen, in das gemeinsame Strandhaus. Beide können sich nicht ausstehen, da sie grundverschieden sind und so kommt die Frage auf, wie es nun weitergehen sollen. Doch mit der Zeit nähern sich die beiden an. Wer könnte es auch besser verstehen, wie es ihnen geht, als sie beide.

Martin Sheen, Sam Waterson, Lily Tomlin und Jane Fonda

Die amerikanische Netflix-Serie „Grace and Frankie“ aus der Hand von Marta Kauffman und Howard J. Morris besticht mit einer gelungenen Mischung aus klassischer Sitcom-Unterhaltung und realen Themen. Im Zentrum stehen hier Personen, alle um die 70 Jahre alt, deren Leben noch einmal auf den Kopf gestellt wurde. Die Dynamik, die dabei entsteht, die Beziehungsgeflechte und Dialoge sind wunderbar austariert und überzeugen mit Ehrlichkeit und Humor. Die unterschiedlichen Konstellationen funktionieren wunderbar und das Zusammenspiel der Charaktere fesselt den Zuschauer an die Serie. Das liegt natürlich auch an dem hervorragenden Ensemble. Grace und Frankie werden wunderbar von Jane Fonda (bekannt für „Barbarella“ (1968)) und Lily Tomlin („Short Cuts“ (1993) und „I heart Huckabees“ (2004)) dargestellt. Dass sie bei der Produktion und vielleicht sogar bei der Charakterentwicklung mitgewirkt haben, merkt man auch an der einen oder anderen Spitze u.a. gegen den Schönheitswahn, für den Jane Fonda viele Jahre bekannt war. Auch die anderen Figuren sind großartig besetzt, besonders sticht Martin Sheen als spießiger Anwalt hervor, der jetzt sein Coming-Out erlebt, und June Diane Raphael als zynische Tochter, die wunderbar die Ereignisse kommentiert. Gestaltungstechnisch spielt die Serie vor allem in den Häusern der Protagonisten, wie es für Sitcoms üblich ist. Doch das Strandhaus ist ein wunderbarer Ort, um den beiden exzentrischen Frauen beim Neuanfang zuzusehen. Im Gesamten sind die 13 Folgen der ersten Staffel, auf die noch vier weitere folgen, wunderbare Unterhaltung für zwischendurch. Sie entfaltet dabei keine Sogwirkung, aber man schaltet sie immer wieder gern für die Zwischendurch-Bespaßung an.

Lily Tomlin und Jane Fonda

Fazit: Die erste Staffel der Serie „Grace and Frankie“ ist gelungene, kurzweilige Unterhaltung. Dabei besticht sie mit ihrer souveränen Umsetzung als Sitcom, dem Spiel der Darsteller und dem locker-flockigen Aufgreifen vieler Themen wie Homosexualität, Altern, Kindererziehung, Sexualität und Selbstfindung.

Bewertung: 4/5

Trailer zur Staffel 1 der Serie „Grace and Frankie“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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