„Der Erlkönig“ (1974)

Kurzfilm / Jugoslawien / Fiktion / 1974

Filmkritik: Zusammen mit dem Langfilm „Das letzte Kapitel“ von Nemanja Bečanović lief im Programm ‚Spotlight Montenegro‘ des 29. Filmfestivals Cottbus 2019 der 1974 erschienene Kurzfilm „Der Erlkönig“ (ET: „Boogeyman“, OT: „Bauk“), der mit seiner Skurrilität die Zuschauer nervös in die Sitze bannt.

Zwei Frauen erklimmen barfuß einen Berg. Schwer bepackt und ohne Kommunikation ist der Aufstieg mühevoll und es ist ungewiss, wo die Reise enden wird.

Der mittlerweile verstorbene Regisseur und Drehbuchschreiber Živko Nikolić (1941-2001), geboren in Ozrinići nahe Montenegros zweitgrößter Stadt Nikšić, schuf in seinem 27 Filme und zwei TV-Serien umfassenden Œuvre bevorzugt Filme, die Genre-Grenzen überschreiten. Auch hier beginnt der 16-minütige Kurzfilm „Der Erlkönig“ wie eine scheinbare Dokumentation, schlägt dann aber mit der Ankunft auf dem Hügel ins Genre um, sogar mit etwas Unappetitlichkeiten. Überraschend, fast verstörend ist dabei die Inszenierung. Ohne Worte und mit einer gewissen Gemächlichkeit, die Geschichte selbst voran zu treiben, erzählt Nikolić etwas Fantastisches, was seinen Ursprung in volkstümlichen Traditionen hat. Erklärungen gibt es von seiner Seite aus nicht und das lässt den Zuschauer mit einem Gefühl von Verunsicherung und Spannung zurück. Doch nicht jedem wird der, vor allem aus heutiger Sicht, anstrengende Inszenierungsstil gefallen. Aber als eine kleine Entdeckung aus einem Land, aus dem man bisher wenige Filme gesehen hat, funktioniert der Film allemal.

Fazit: Der montenegrinische Regisseur Živko Nikolić schuf mit „Der Erlkönig“ ein Genre-Hybrid, das langsam seine Wirkung entfaltet. Ohne Erklärungen und ohne Worte tritt der Zuschauer gemeinsam mit zwei Frauen die Reise auf einem Berg an, an deren Ende man nicht weiß, was einen erwartet. Wenn man sich drauf einlassen kann, bietet dieser Kurzfilm Überraschungen, eine wiedererkennbare Bildsprache und auf eine gewisse Art auch Spannung.

Bewertung: 6/10

Den Kurzfilm „Der Erlkönig“ gibt es auch online (montenegrisch):

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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