„Lindenberg! Mach Dein Ding“ (2019)

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Filmkritik: Musikerportraits sind zur Zeit sehr beliebt. Man denke da nur an die Elton John Biographie „Rocketman“ (2019) und den Film „Bohemian Rhapsody“ (2018), der sich mit dem Leben Freddy Mercurys beschäftigte. Auf diesen Zug springt die Regisseurin Hermine Huntgeburth auf, erzählt vom jungen Udo Lindenberg und liefert damit einen Film, der nicht nur für Fans gut funktioniert. 

Udo Lindenberg (Jan Bülow, als Kind gespielt von Jesse Hansen) hat schon in frühen Jahren sein Talent für die Musik entdeckt. Unter seinem repressiven, alkoholkranken Vater (Charly Hübner) lernte er das Schlagzeugspielen, was ihm später viele Türen öffnen wird. Als er dann Ende der 60er Jahre nach Hamburg kommt, will er groß Karriere machen. Doch so lange es noch nicht so weit ist, vergnügt er sich mit Paula (Ruby O. Fee), betrinkt sich mit Steffi (Max von der Groeben) und verliebt sich in die ostdeutsche Staatsbürgerin Petra (Saskia Rosenthal). Gleichzeitig arbeitet er daran von Mattheisen (Detlev Buck) unter Vertrag genommen zu werden, doch bis zu seiner ersten Platte ist es noch ein weiter Weg. 

Jan Bülow und Max von der Groeben

Der Musiker Udo Lindenberg (*1946) gehört bis heute zu den beliebtesten deutschen Musikern und kann immer noch die Arenen füllen. Dabei spricht er vor allem eine ältere Zielgruppe an, welche bestimmt jeden Song mitsummen kann. Durch seine Neuauflage von „Cello“ zusammen mit Clueso im Jahr 2014 ist er auch bei Jüngeren bekannt und „Sonderzug nach Pankow“ hat wohl jeder schon mal gehört. Doch wie hat bei ihm alles angefangen? Diese Frage ergründet die Regisseurin Hermine Huntgeburth (*1957), die bereits viele Filme (vor allem fürs Fernsehen) realisiert hat, aber auch u.a. „Die weiße Massai“ (2005), in ihrem Spielfilm „Lindenberg! Mach Dein Ding“. Dabei konzentriert sich die Geschichte, geschrieben von den drei Autoren Alexander M. Rümelin, Christian Lyra und Sebastian Wehlings auf die Anfangsjahre bis zu seinem ersten Erfolg. In Rückblicken erzählt der Film zudem von seiner Gronauer Kindheit und Jugend Udos. Der junge Udo, der sich Anfang der 70er Jahre schnell im Hamburger Kiez zuhause fühlt, ist dabei sehr engagiert, wenn auch nicht immer fokussiert auf seine Karriere. Gleichzeitig erzählt der Film die Ursprünge mancher Songs und zusammen mit Udo lässt man sich durchs Leben treiben. im Gesamten wird der Sänger sehr wohlwollend dargestellt. Er gab ja auch seinen uneingeschränkte Zustimmung zu dem Projekt und er ist auch im Abspann zu sehen. Dadurch fehlt es dem Film etwas an kritischer Tiefe, so werden seine Fehltritte selten negativ ausgewertet. Doch schön ist es, hier den Sänger vor seiner Zeit als Star zu sehen und er besitzt viel Menschlichkeit, die man bei dem Udo, den man so kennt mit seiner Sonnenbrille und Hut, etwas vermisst.

Charly Hübner

Dass der Film trotz seines sehr milden Blicks unterhaltsam ist, liegt vor allem an der Inszenierung und den DarstellerInnen. Denn das Zeitkolorit ist wunderbar stimmig. Zwar betont es nicht das Dreckige wie „Der Goldene Handschuh“ (2019) von Fatih Akin, sondern zeigt ein etwas geschöntes Hamburg der 70er Jahre, wo Prostituierte, Drogen und Krawall nichts Ungewöhnliches sind. In dieser Umgebung bewegen sich die SchauspielerInnen wunderbar lässig. Nebenfiguren wie Ruby O. Fee als Prostituierte und Detlev Buck als gerissener Musikmanager sind gelungene Abziehbilder, aber trotzdem nicht platt. Allen voran überzeugt aber der unbekannte Jan Bülow mit seiner Mischung aus Energie und Laxheit, welche er dem jungen Udo schenkt. Auch wenn man nicht immer auf seiner Seite steht, bei dem wie er sich verhält, tourt man gern mit ihm durch die Nacht. Auch die Songs von Udo Lindenberg wurden gut eingebaut, dominieren aber nie den Raum. Der Künstler selbst ist noch am Entstehen, ebenso wie seine Musik. Das funktioniert gut und verschafft am Ende garantiert einen Ohrwurm. So wurde Udo Lindenbergs Anfangsjahre auch für nicht Udo-Fans gut aufgearbeitet. Der Film schafft es zwar nicht mit den großen Künstler-Biopics mitzuhalten, denn hier ist alles etwas netter und glatter, aber gut unterhalten kann der Film allemal. 

Jan Bülow und Saskia Rosendahl

Fazit: Das Biopic „Lindenberg! Mach Dein Ding“ berichtet von den Anfangsjahren des jungen, aufsässigen Udo im Hamburger Kiez der 70er Jahre. Dabei folgt die Geschichte, inszeniert von Hermine Huntgeburth, ihrem Helden auf seinen Abenteuern, Begegnungen und Karriereanstrengungen. Die Musik ist dabei explizit noch zurückhaltend, denn wie die Musikerlegende Udo, ist diese noch im Entstehen. Trotzdem bekommt man genug davon mit und erlebt durch Jan Bülows überzeugendes Spiel gerne die Anfänge eines langen Musikerlebens mit. Der Film ist dabei widerstandslos, glatt und vor allem nett, bietet aber trotzdem gute Unterhaltung und Fans werden ihn mit Sicherheit lieben.

Bewertung: 6/10

Kinostart: 16. Januar 2020 / DVD-Start: 21. August 2020

Trailer zum Film „Lindenberg! Mach Dein Ding“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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