„Une Sœur“ (2018)

Kurzfilm / Belgien / Fiktion / 2018

Filmkritik: Der belgische Kurzfilm „Une Sœur“ war einer der fünf nominierten Filme für den Oscar ‚Bester Kurzfilm‘ auf der 92. Oscarverleihung 2020. Der dritte Kurzfilm der Regisseurin Delphine Girard konnte zwar nicht die Trophäe gewinnen, war aber ein gut ausgesuchter Kandidat, da er Spannung und Drama gekonnt vereinte.

Eines Nachts geht ein Notfallanruf bei der diensthabenden Telefonistin (Veerle Baetens) ein. Am anderen Ende ist eine scheinbar verwirrte Frau (Selma Alaoui), die glaubt mit ihrer Schwester zu sprechen. Doch schnell wird klar, dass es hier nicht um eine Verwechslung geht, sondern darum Hilfe zu bekommen.

Basierend auf einen echten amerikanischen Notfallanruf entwickelte die belgische Regisseurin Delphine Girard die Geschichte für ihren Kurzfilm. Der damalige Anruf ging ihr dabei über eine längere Zeit nicht aus dem Kopf und sie wollte die Situation (auch aus einem anderen Blickwinkel) aufarbeiten. Dabei beginnt der Film mit der nächtlichen Fahrt eines auf den ersten Blick normalen Paares an. Durch die statische Platzierung der Kamera auf dem Rücksitz, wird schnell ein Bedrohungsszenario geschaffen. Anfänglich mysteriös, zeichnet sich, für die Zuschauer wie für die Frau am anderen Ende der Leitung, immer mehr ein Bild ab. Zur

Veerle Baetens

Unterstützung der Wirkung des Films, der sich mit dem wichtigen Themen von häuslicher Gewalt beschäftigt, wurde ein sehr realistischer Ansatz gewählt. Gerade die Situation in solchen Notrufzentralen wurde vorher recherchiert und auch die Art, wie der Anrufer mit dem Opfer reden würde, folgte einem offiziellen Leitfaden. Umgesetzt wurde es in einem realen Setting mit hervorragenden DarstellerInnen. So bietet der Film gute Unterhaltung, vor allem durch die Spannung und das Hineinversetzen in die Personen. Auch genug Emotionen brachte der Film mit sich, aber es reichte leider nicht aus, um sich gegen den ebenfalls guten Kurzfilm „The Neighbors‘ Window“ von Marshall Curry durchzusetzen.

Fazit: Die Regisseurin Delphine Girard schuf mit ihrem 16-minütigen Kurzfilm spannende Unterhaltung, die den Zuschauer gleich in das Geschehen hineinwirft, und mit ihrer sehr realitätsnahen Auflösung packen kann. Dabei achtete sie auf Authentizität, echte Dialoge und verwendete eine eindringliche Kameraperspektive. Rundherum ist „Une Sœur“ ein äußerst spannender Film, der zu den stärksten Beiträgen in der Kurzfilmkategorie der diesjährigen Oscars zählte.

Bewertung: 7,5/10

Trailer zum Kurzfilm „Une Sœur“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.