„Unbelievable“ (2019)

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Serienkritik: Die amerikanische Miniserie „Unbelievable“ (2019) ist mit ihren acht Folgen kaum zu ertragende Kost, doch auch eine starke Serie über das Thema Missbrauch und stellt das Opfer und nicht die Tat, zudem einige starken Frauenfiguren in das Zentrum seiner Geschichte. 

Nachdem Marie Adler (Kaitlyn Dever) eines Nachts vergewaltigt wurde, geht sie zur Polizei. Doch diese scheint ihr nicht zu glauben und klagt sie sogar schlussendlich wegen Falschaussage an. Danach zieht sie sich zurück und verstummt. Einige Jahre später treffen die beiden Ermittlerinnen Grace Rasmussen (Toni Collette) und Karen Duvall (Merrit Wever) aufeinander. Nur durch einen Zufall erfahren die beiden Polizistinnen aus verschiedenen Counties davon, dass ihre Fälle sich ähneln. So gehen sie zusammen gegen diese Verbrechen vor und machen sich auf die Suche nach dem Täter, der auch der Vergewaltiger von Marie sein könnte, von der sie aber noch nichts wissen.

Im Jahr 2015 erschien die Reportage „An Unbelievable Story of Rape“ der beiden Journalisten T. Christian Miller und Ken Armstrong. Sie berichteten von der unglaublich schockierenden Geschichte einer Vergewaltigung, die sich in Lynwood (Washington) ereignet und kein Gehör gefunden hat. Mit ihrem schockierenden Bericht gewannen sie den Pulitzer Preis. Adaptiert wurde die Geschichte als Miniserie von Susannah Grant („Erin Brokovich“ (2000)) als Hauptautorin und Lisa Cholodenko („The Kids Are Alright“ (2010)) als eine der RegisseurInnen. Dabei bleiben sie der Reportage treu, so dass alles, was man zu sehen bekommt, auf den wahren Ereignissen beruht. So bleibt einem als ZuschauerIn vor lauter Ungerechtigkeit schnell die Luft weg. Doch nicht nur die Behandlung Marie Adlers, welche wirklich unglaublich ist, auch von Menschen denen sie vertraut, sondern auch die Ermittlungen der beiden Polizistinnen in einer Männerwelt sind voll von Unrecht, Missbrauch und dem falschen Umgang mit Frauen. Umso berührender ist die Stärke der beiden Ermittlerinnen, welche nicht aufgeben und sich jede auf ihre Art wissen gegen diese Patriarchat zu wehren. 

Danielle-Macdonald und Merritt-Wever

So verbindet die Serie auch zwei Genre miteinander – zum einem das Drama um Marie Adler, angesiedelt im abgehängten Teil der amerikanischen Gesellschaft. Marie aufgewachsen in Heimen und Pflegefamilien schlägt sich mit einem Supermarkt-Job durchs Leben. Auf der anderen Seite die Geschichte der beiden unterschiedlichen Polizistinnen mit ihrem gefestigten Lebensstilen. Hier wird eine klassische Whodunit-Geschichte mit echter Polizeiarbeit untermalt. So sind in dieser insgesamt 385 Minuten langen Serie gesellschaftsrelevante Themen, Systemkritik und die authentische Abbildung von Staatsorganen gleichermaßen vorhanden. Diese Mischung plus viel Mitgefühl und auch Spannung bei der Jagd nach dem Täter, bannen die Zuschauer ab der ersten Folge, so dass man kaum vor dem Ende aufhören kann, auch wenn die Ungerechtigkeit einen wütend und ohnmächtig zurücklässt und nicht mal das Ende mit einem wahren Happy End aufgelöst werden wird. Diese Miniserie ist klug, sagt das Richtige und macht die Fassungslosigkeit und Ungerechtigkeit greifbar. Das verdankt sie auch ihrer souveränen Inszenierung – mit absolut authentischen Orten und Szenerien bevölkert von echten Menschen mit vielen Schwächen. 

Merritt Wever und Toni Collette

Dabei finden die SerienmacherInnen die richtige Besetzung. Marie Adler wird dabei zerbrechlich und scheu von Kaitlyn Dever dargestellt, die man u.a. in „Booksmart“ (2019) an der Seite Beanie Feldstein sah. Die beiden Ermittlerinnen werden mit der richtigen Verve von Toni Collette („About a Boy“ (2002), „Hereditary – Das Vermächtnis“ (2018)) und Merrit Wever („The Walking Dead“ Staffel 6, „Marriage Story“ (2019)) dargestellt. Die Szenen mit den beiden Frauen und ihren unterschiedlichen Charakteren bringen zudem eine kleine Prise Humor mit sich und lassen von Zeit zu Zeit die Schwere der Taten kurz in den Hintergrund treten. Die Stärke dieser Figuren ist der wichtigste Punkt und fordert auf, mehr von dem gegebenen Patriarchat abzuweichen und die Augen für viele Themen zu öffnen, bei denen immer noch ein großer Unterschied zwischen Männern und Frauen gemacht wird. Die gesamte Miniserie ist ein starkes Plädoyer und trotzdem gelungene Unterhaltung, vor allem für ZuschauerInnen, die ein Faible für True-Crime-Stories haben.

Kaitlyn Dever

Fazit: Die amerikanische, achtteilige Serie „Unbelievable“ erzählt von einem wahren Fall, welcher durch eine Reportage publik gemacht wurde. Diese diente als Vorlage für eine starken Serienverfilmung, welche sich auf ihre drei weiblichen Hauptcharaktere konzentriert. Anfänglich beginnt sie dabei als Drama und berichtet von dem ersten Opfer, wird dann aber als ein spannender Whodunit-Fall weitererzählt. Stark besetzt und realistisch inszeniert spricht die Serie viele wichtige, ungesagte Themen an und fordert ein anderes System. Die Miniserie ist bis in die kleinsten Details gelungen und reißt den Zuschauer mit, so dass man diese Serie bestimmt in einem Rutsch durchschaut.

Bewertung: 5/5

Trailer zur Staffel 1 der Serie „Unbelievable“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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