Sieben Fragen an Hanna Nordenswan

Interview: Im Gespräch mit der finnischen Dokumentarfilmerin und Journalistin Hanna Nrodenswan konnten wir mehr über ihren 24-minütigen Dokumentarfilm „Night Cleaners“, gesehen auf dem ‚Open Air‘ des 32. Filmfest Dresden, erfahren, wie sie ihre Protagonisten fand und was ihr bei der visuellen Umsetzung am Herzen lag.   

The original english language interview is also available.

Wie entstand die Idee zu Deinem Kurzfilm „Night Cleaners“?

Night Cleaners“ begann als mein Dissertationsfilm im Sozialdokumentarfilm-Programm an der School of Visual Arts in New York. Ich war daran interessiert, Menschen zu filmen, die arbeiten, während alle anderen schlafen, und in New York wurde die Idee durch die Tatsache beflügelt, dass die Stadt so viele interessante und überfüllte Orte hat, die Nachtreiniger für sich alleine haben. 

Wie hast Du deinen ProtagonistInnen gefunden und ausgewählt? Hattest Du noch mehr Night Cleaner interviewt? 

Es war schwierig, die Erlaubnis zu bekommen, an vielen Orten zu filmen, an denen ich gerne gewollt hätte, so dass ich schließlich nahm, was ich konnte, nachdem ich mit vielen, vielen Orten in Kontakt gekommen war. So fand ich zwei von ihnen, indem ich mich zuerst an die Gebäude wandte und ihr Reinigungspersonal kennenlernte, einen fand ich über eine Reinigungsfirma, über eine stolperte ich in einem Korridor einer Highschool, und eine ist die Mutter einer Freundin eines Freundes. Jeder hat eine Geschichte und ist auf seine Weise interessant, und in diesem Fall hatten die Leute, die ich zufällig gefilmt habe, alle eine Geschichte, die in irgendeiner Weise mit dem Raum, den sie gereinigt haben, zu tun hatten. Ich habe nur eine weitere Person interviewt, die nicht in dem Film gelandet ist, aber bei meinen Recherchen habe ich mehrere Andere getroffen.

Was war Dir wichtig im Film zu zeigen? Wie fandest Du die richtige Balance zwischen Interviews und Filmaufnahmen?

Ich wollte die meditative Ruhe dieser sich wiederholenden Art von Arbeit mit schönen Gebäuden als Kulisse zeigen. Aber ich wollte auch die physische, oft recht schwere Arbeit portraitieren, die damit verbunden ist, Räume, die wir alle bewohnen, sauber zu halten. Es erschien mir wichtig zu versuchen, diese Arbeiter auf eine schöne Art und Weise zu zeigen, da sie Arbeiten verrichten, die sich viele selbst nie vorstellen könnten. 

Mein Hintergrund ist der Radiojournalismus, und das Interview spielt bei meiner Arbeit oft die Hauptrolle, aber ich habe versucht, ein Gleichgewicht mit dem Visuellen herzustellen und so habe gelernt, sie auch für sich selbst sprechen zu lassen. Während der Dreharbeiten haben wir nicht miteinander gesprochen, sondern ich habe einfach die Reinigungskräfte ihre Arbeit machen lassen und versucht, ihnen aus dem Weg zu gehen.

Was lag Dir visuell am Herzen?

Die Symmetrie und Schönheit, die überall zu finden ist und die die Reinigungskräfte sozusagen zu einem Teil davon macht, wie ein Gemälde. Ich wollte die Leere und Stille zeigen, die es auch in New York selten gibt, und die Bewegung der Reinigungskräfte das Tempo der Bilder bestimmen lassen.

Kannst Du mir zu den Dreharbeiten erzählen: U.a. wie viele Tage Du gedreht hast?

Ich drehte nur während einer Schicht mit jeder Reinigungskraft und führte dann die Interviews separat durch. Ich habe allein gefilmt und vertont, um so wenig Platz wie möglich zu beanspruchen und nicht im Weg zu sein und um die ruhige und friedliche Atmosphäre der Nacht oder des frühen Morgens beizubehalten.

Wie haben die Portraitierten den fertigen Film aufgenommen?

Er hat ihnen allen gefallen, oder zumindest hat mir keiner von ihnen gesagt, dass es ihnen nicht gefällt. Tony Dancy, der in der Kathedrale St. John the Divine arbeitet, sagte, es sei „wahrheitsgetreu“, und das war für mich der wichtigste Kommentar.

Kannst Du mir am Schluss noch ein bisschen mehr von Dir erzählen und ob bereits neue Projekte geplant sind?

Ich bin eine finnische Journalistin und Dokumentarfilmerin und wohne derzeit in Helsinki! Im Moment arbeite ich freiberuflich und teile meine Zeit zwischen Podcasts und Dokumentarfilmen auf. Zur Zeit drehe ich eine finnische Kurzdokumentarfilmreihe, die auf „Night Cleaners“ basiert, für den finnischen Sender YLE, also filme ich wieder Reinigungskräfte. Außerdem arbeite ich an einem weiteren Kurzdokumentarfilm und versuche, für einen möglichen Spielfilm-Dokumentarfilm zu recherchieren. 

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Night Cleaners


Interview: In conversation with the Finnish documentary filmmaker and journalist Hanna Nordenswan, we were able to learn more about her 24-minute documentary „Night Cleaners„, seen at the ‚Open Air‘ of the 32nd Filmfest Dresden, how she found her protagonists and what was important to her in the visual realization.   

How did the idea for your short film „Night Cleaners“ come about?

Night Cleaners“ started as my thesis film at the Social Documentary program at the School of Visual Arts in New York. I had been interested in filming people who work when everyone else is sleeping before that, and in New York the idea was fueled by the fact that the city has so many interesting and crowded places that night cleaners have for themselves. 

How did you find and choose your protagonist? Did you interview more night cleaners? 

It was tricky getting permission to film in many of the places I would have liked, so I ended up getting what I could after having been in touch with many, many spaces. So I found two of them through first reaching out to the buildings and meeting their cleaning staff, one I found through a cleaning company, one I stumbled into in a high school corridor and one is the mother of a friend of a friend. Everyone has a story and is interesting in their own way, and in this case the people I happened to film all had a story that related in some way to the space they cleaned. I interviewed only one other person who didn’t end up in the film, but met with several more when I was doing research. 

What was important to you to show in the film? How did you find the right balance between the interviews and filming?

I wanted to show the meditative peacefulness of this repetitive kind of work with beautiful buildings as backdrops. But I also wanted to show the physical, oftentimes quite heavy work that goes into keeping spaces we all inhabit clean. It felt important to try to show these workers in a beautiful way as they do labour that many could never imagine doing themselves. 

My background is in radio journalism and the interview often gets the main role in my work, but I tried balancing it up with the visuals and learned to let them speak for themselves too. While filming we didn’t speak, I just let the cleaners do their work and tried to stay out of the way.

What was important to you visually?

The symmetry and beauty that can be found everywhere and making the cleaners sort of a part of that, like a painting. I wanted to show the emptiness and quietness that is rarely there in New York too and let the movement of the cleaners be the pace of the visuals.

Can you tell me a bit about the filming: How many days did you shoot?

I only shot during one shift with each cleaner and then did interviews separately. I filmed and did sound alone in order to take up as little space as possible and not be in the way, as well as to keep the calm and peaceful atmosphere of night time or early morning. 

How did the people you portrayed respond to the finished film? 

They have all liked it, or at least none of them told me they didn’t like it. Tony Dancy, who works at the Cathedral of St John the Divine, said it was „truthful“ and that was the most important comment to me.

Can you tell me a little bit more about yourself at the end and if there are already new projects planned?

I’m a Finnish journalist and documentary filmmaker and currently I am based in Helsinki! I am freelancing right now, balancing my time between podcasts and documentaries. I am actually shooting a Finnish short documentary series based on „Night Cleaners“ for the Finnish broadcasting company YLE at the moment, so I am filming cleaners again :) Besides that I am working on another short doc and trying to research a possible feature documentary. 

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm „Night Cleaners

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