„Tesla“ (2020)

Filmkritik: Nachdem bereits „Edison – Ein Leben voller Licht“ den sogenannten Stromkrieg zwischen Thomas Edison und George Westinghouse unter die Lupe genommen hat, beschäftigt sich auch der Regisseur Michael Almereyda mit diesem Thema, wendet sich in seinem Film „Tesla“ (OT: „Tesla“, USA, 2020) aber einem dritten Protagonisten in dieser Geschichte zu – Nikola Tesla.   

Der aus dem heutigen Kroatien stammende Wissenschaftler Nikola Tesla (Ethan Hawke) beginnt in New York seine Arbeit unter Thomas Edison (Kyle MacLachlan). Doch dieser ist nicht offen für seine Ideen. So versucht Tesla seinen eigenen Weg zu finden und dabei helfen ihm der Geldgeber J.P. Morgan (Donnie Keshawarz) und dessen Tochter Anne (Eve Hewson) genauso wie ein früherer Kollege. Er vergräbt sich mehr und mehr in seine Ideen und Experimenten und versucht dabei die Welt zu revolutionieren.

Ethan Hawke

Der Wissenschaftler Nikola Tesla (1856-1943) ist eine der exzentrischsten Persönlichkeiten der Wissenschaft. Seine Ideen waren brillant, aber gleichzeitig konnte er schwer aus dem Schatten seiner Zeitgenossen u.a. von Edison treten. Doch Schauspieler wie David Bowie („Prestige – Die Meister der Magie“ (2007)) und auch Nicholas Hoult („Edison – Ein Leben voller Licht“ (2017)) haben ihn durch ihre Darstellung aus dem scheinbaren Schatten geholt. Tesla besitzt eine Modernität, die den anderen Wissenschaftlern dieser Zeit fehlt. Kein Wunder also, dass sich der Regisseur Michael Almereyda, der auch „Marjorie Prime“ (2017) gemacht hat und sich bereits früh für einen Film über Tesla interessierte (erste Drehbuchideen sind vor 40 Jahren entstanden), hier immer wieder moderne Elemente einfließen lässt. So sehen wir technische Errungenschaften wie das Mikrofon und den Laptop in historischen Szenen. Almereyda drückt damit seine Anerkennung aus. ‚Was wären wir heutzutage ohne Teslas Erfindungsgeist‘ lautet die Botschaft, welche im Film die ganze Zeit mitschwingt.

Kyle MacLachlan

Doch dafür wählt der Regisseur einen ungewöhnlichen, teilweise auch sperrigen Ansatz. Zum einen verlangt er vom Zuschauer gewisse Vorkenntnisse, ohne die sich die Ereignisse um Tesla und Edison nur schwer erschließen lassen. Immer wieder wird die Filmhandlung dabei von träumerischen Sequenzen unterbrochen und auch die Erzähllinie wird nicht kontinuierlich fortgeführt. Das mag daran liegen, dass Almereyda nicht unbedingt ein historisch korrektes Portrait eines Wissenschaftlers im Sinn hatte, sondern dessen Charakter und vor allem seine Melancholie erforschen wollte. Dafür fand er mit Ethan Hawke („Reality Bites“ (1994), „The Purge“ (2013), „Maudie“ (2016)) den richtigen Darsteller, welcher den Tesla stur und traumwandlerisch gibt. Als sein Konkurrent Edison wurde Kyle McLachlan („Dune“ (1984), „Twin Peaks“ (1990-91)) wunderbar ausgewählt und gibt den Wissenschaftler mit wenig Glamour, sondern vor allem mit viel Bärbeißigkeit. Auch der restliche Cast ist stimmig ausgesucht und passt sich wunderbar der historischen Szenerie an, welche aber stets etwas Künstlerisches besitzt. Auch das Verhalten der Figuren selbst wirkt so, als ob sie sich bei ihrem Tun historisch reflektieren. So hinterlässt der Film einen melancholischen Eindruck bei den ZuschauerInnen, der aufgrund seiner ungewöhnlichen, vielleicht etwas zu übertrieben künstlerischen Inszenierung mit einen genauen Blick auf eine innewohnende Schwermut im Gedächtnis bleibt.

Ethan Hawke und Eve Hewson

Fazit: Der Spielfilm „Tesla“ aus der Hand des amerikanischen Regisseurs Michael Almereyda, der schon lange ein Drehbuch zu dem Wissenschaftler im Sinne hatte, überträgt die unsichere Faktenlage und seine technische Errungenschaften auch auf die erzählerische Ebene und ist so kein gewöhnliches Biopic. Wenn man sich auf die ungewöhnliche, etwas sperrige Inszenierung und eine große Dosis Melancholie einlassen kann, bietet der Film interessante Ansätze und Bilder voller schöner Schwermut, welche der historischen Persönlichkeit gerecht zu werden scheinen.  

Bewertung: 6,5/10

Kinostart: 20. August 2020 / DVD-Start: noch unbekannt

Trailer zum Film „Tesla“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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