„Der Nachtzug“ (2019)

Filmkritik: Der iranische Spielfilm „Der Nachtzug“ (ET: „That Night’s Train“, OT: „Ghatare An Shab“, Iran, 2019) von Hamidreza Ghotbi, gesehen im Zuge des 25. Schlingel Festivals, vermischt Erzählebenen sowie Erlebtes mit historischen Stoffen und bringt Kindern die Kraft der Imagination näher.

Die fünfjährige Banafsheh (Ailin Rashidian) lernt auf einer Zugfahrt die junge Lehrerin (Behnaz Naderi) kennen. Die Halbwaise, welche bei ihrem Vater (Afshin Hashemi) und Großmutter (Maryam Boubani) lebt, hat die Lehrerin mit ihrer pinken Handpuppe sofort ins Herz geschlossen und möchte sie unbedingt wiedersehen. Doch der versprochene Besuch verzögert sich immer wieder. 

Der Regisseur Hamidreza Ghotbi (*1961) erzählt mit seinem 85-minütigen Spielfilm eine verzwirbelte Geschichte. Zum einem handelt sie von der jungen Banafsheh, welche auf den Tag der Ankunft der Lehrerin hin fiebert und zeigt sie gleichzeitig in ihrer Welt, in der sie ohne Mutter aufwächst. Zum anderen arbeitet die Lehrerin mit ihren SchülerInnen Geschichten über genau jenes fünfjährige Mädchen aus, so dass hier immer wieder Fiktion und Realität verschwimmen. So entsteht ein Spiel mit Erdachtem und Wirklichkeit, welches gerade internationale ZuschauerInnen manchmal auf der Strecke lässt, da dies nicht immer erkennbar ist und durch die iranische Sprache und das notwendige Untertitellesen erschwert wird. Doch trotzdem schafft es der Film ein Gefühl für seine Figuren zu transportieren und zeigt Iran in einem warmen, sommerlichen Licht. Zudem beleuchtet er gesellschaftlich geprägte Familienstrukturen sowie das dortige Schulsystem und vermittelt einen guten Eindruck des täglichen Alltags. Der Spielfilm „Der Nachtzug“, der vermutlich wenig in deutschen Kinos zu sehen sein wird, ist ein anspruchsvoller Kinderfilm, der aber ein Bild des Irans, dessen Schulbildung und Kindererziehung angenehm vermittelt und mit seiner gelungenen Geschichte überzeugt. 

Fazit: „Der Nachtzug“ ist ein Film aus der Hand des iranischen Filmemachers Hamidreza Ghotbi, der es schafft mit Perspektiv- und Erzählerwechseln eine einfühlsame Kinder- und Familiengeschichte zu erzählen, welche eine Fünfjährige in das Zentrum stellt und die Welt aus ihren Augen einfängt.

Bewertung: 6,5/10

Trailer zum Film „Der Nachtzug“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

  • 25. Schlingel Chemnitz 2020 – Katalog (Programm ‚-‘)  
  • Eintrag des Films „Der Nachtzug“ beim Filmfestival Schlingel

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