„Wir wollten alle Fiesen killen“ (2020)

Filmkritik: Der deutsche Dokumentarfilm „Wir wollten alle Fiesen killen“ (ET: „We Wanted to Kill All Nasty Ones“, Deutschland, 2020) des Filmemachergespanns Bettina Ellerkamp und Jörg Heitmann, der auf dem 63. DOK Leipzig seine Weltpremiere feierte, entstand aus der Mischung von versagter Filmförderung und einer ungewöhnlichen Gelegenheit heraus. 

Der Trompeterfelsen steht in Thüringen bei Rothenstein nahe Jena und beherbergt in unterirdischen Stollen insgesamt 40 Betontunnel mit 300.000 m² Fläche. Ellerkamp und Heitmann entschieden sich, als sie den Berg günstig kaufen konnten, gemeinsam mit einigen Geschäftspartnern zuzuschlagen und hofften ihn schnell wieder zu einem höheren Preis verkaufen zu können. Doch das stellte sich als schwieriger heraus als gedacht und so behielten sie ihren Berg weiterhin, erkundeten dessen Geschichte und erhielten immer wieder Angebote für die Übernahme. 

Nachdem die beiden Regisseure Bettina Ellerkamp und Jörg Heitmann bereits mit ihrem Erstlingswerk „Killer.berlin.doc“ (1999), der eine besondere Mischung aus Dokumentarfilm und Fiktion besitzt, große Erfolge feierten, wollten sie sich einem rein fiktionalen Stoff zuwenden. In Ihrem Interesse stand die Verfilmung des Romans „Wir werden alle Fiesen killen“ (OT: „Et on tuera tous les affreux“) von Boris Vian (1920-1959). Doch die Filmförderung ließ keine Mittel springen und gab ihnen den Tipp, doch weiterhin Dokumentarfilme zu drehen. Als sie dann zufällig diesen Berg als Investitionsmöglichkeit erhielten, erkannten sie schnell dessen Potential und begannen in ihrem Dokumentarfilm darüber zu erzählen. In der ersten Hälfte des Film geht es viel um die Geschichre des Berges, welcher in der Nazi-Zeit ein Kaolinbergwerk war und in der DDR als Bunkeranlage und Munitionsdepot für die NVA genutzt wurde. Zeitzeugen berichten davon und bei einer Wanderung mit dem Bürgermeister des Ortes auf den Berg, werden alte Kriegszeugnisse gesucht. Auch in diesem ersten Teil schleichen sich schon immer wieder merkwürdige Zwischentöne ein. Doch so richtig abgedreht wird es erst in der zweiten Hälfte des Films, wo es darum geht, wer ihnen diesen Berg wieder abkauft. Hier liegt die wahre Stärke des Films. Der Berg zieht Esoteriker, Survival-Hardliner wie Bauriesen gleichermaßen an. So entfaltet sich ein Panoptikum der seltsamen Offerten, welche bisher alle noch ins Leere liefen. Mit vielen Interviews fangen die beide FilmemacherInnen nicht nur die historischen Ereignisse wunderbar ein, sondern auch die aktuellen Kaufverhandlungen. Hinzu kommen stimmungsvolle Aufnahmen des Berges selbst und so entstand ein leichtgängiger, amüsanter Dokumentarfilm über einen Berg, welcher gleichzeitig auch viel über die menschliche Natur offenbart.

Fazit: „Wir wollten alle Fiesen killen“ von Bettina Ellerkamp und Jörg Heitmann entstand durch eine verhinderte sowie eine genutzte Gelegenheit und erzählt die Geschichte eines Berges in Thüringen. Zum einen wird seine Vergangenheit beleuchtet, der Berg wurde von vielen Staatsorganen genutzt, aber zugleich wirft das FilmemacherInnen-Gespann einen Blick auf dessen möglichen Zukunft. Sehr unterhaltsam und leichtfüßig inszeniert, erzählt die 91-minütige Dokumentation von Geschichte, vielen kuriosen Einfällen und wie schwierig es sein kann einen gekauften Berg wieder loszuwerden. 

Bewertung: 7,5/10

Trailer zum Film „Wir wollten alle Fiesen killen“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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