Vier Fragen an Julia Orlik

Interview: Im Gespräch mit der polnischen Filmemacherin sprachen wir über ihren Kurzfilm „I’m here“, gesehen auf dem 63. DOK Leipzig, wie die Geschichte zu ihrem Stop-Motion entstand, wie der Film umgesetzt wurde und was ihr bei der Entwicklung der Puppen am Herzen lag.  

The original english language interview is also available.

Dein Stop-Motion-Film ist sehr bewegend und realistisch. Kannst Du mir bitte mehr zur Entstehung erzählen? 

Stop-Motion, insbesondere die Puppenanimation, ist meine Lieblingstechnik, vielleicht weil ich nicht sehr gut zeichnen kann. Ich animiere immer im Keller meiner Eltern. Alle meine Filme wurden in diesem kleinen Heimstudio gedreht.

I’m here“ ist meine vierter Animationsfilm als Studentin. Lange Zeit wusste ich nicht, worüber ich den Film machen wollte. Ich schrieb das Drehbuch, änderte dann aber in letzter Minute die Idee. Glücklicherweise waren meine künstlerischen Betreuer sehr verständnisvoll und halfen mir sehr.

Kannst Du mir mehr zur Umsetzung erzählen?

Als das Skript fertig war, nahm ich die Dialoge auf. Es war das erste Mal, dass ich mit professionellen Schauspielern arbeitete. Sie halfen mir, die Figuren und die ganze Situation glaubwürdiger zu machen. Dann habe ich zwei Monate lang animiert. Es ist ein Animationsfilm, der als Studienarbeit erstellt wurde, also animiere ich selbst, mache eine Szenographie und Puppen.

Was lag Dir bei der Entwicklung der Puppen am Herzen?

Ich dachte, es wäre einfach, ein Gesicht zu animieren, das sich kaum bewegt. Aber es war gar nicht so einfach. Das Gesicht der Puppe war sieben Zentimeter lang, daher erforderte die Animation von Mikroausdrücken Präzision und nahm mehr Zeit in Anspruch als bei den Standardaufnahmen.

Wir sehen keine Familienmitglieder, weil ich mich auf die Hauptheldin konzentrieren wollte, diese alte Frau, die im Bett bleiben muss. Sie ist die Wichtigste. Deshalb benutze ich eine statische Kameraeinstellung. Auf diese Weise wollte ich, dass der Zuschauer ihr Leiden betrachtet und nicht den ganzen Film hindurch wegschauen kann.

Zu den Puppen: Ich habe viele Referenzfotos gesucht und versucht, ein realistisches, altes Gesicht zu modellieren. Ich benutzte ‚Super Sculpey‘, das ist ein Polymer-Ton. Er wird nicht trocken und bleibt lange weich. Das ist wichtig, denn Animation ist ein zeitraubender Prozess. Als ich mit der Skulptur fertig war, bemalte ich das Gesicht sanft, um ihm natürliche Farben zu geben. Nach jeder Aufnahme musste ich das Gesicht der Puppe fixieren, weil es schmutzig und verzerrt wurde. Aber es war gut für mich, denn ich animierte Szene für Szene, eine nach der anderen. Die erste Aufnahme im Film war die erste, die ich animiert habe. Deshalb sieht die Puppe immer schlechter aus, wie eine wirklich kranke Person.

Welche zukünftigen Projekte können wir erwarten?

Nun werde ich versuchen, den Abschluss-Animationsfilm meines Studiums abzuschließen. Er wird optimistischer sein. Natürlich Puppenanimation, denn das ist definitiv meine Technik. 

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „I’m here


Interview: In conversation with the Polish filmmaker, we talked about her short film “I’m here“, seen at the 63rd DOK Leipzig, how the story of her stop-motion came about, how the film was realized and what was close to her heart when developing the puppets.  

Your stop-motion film is very moving and realistic. Can you please tell me more about the making of it?

Stop motion, especially puppet animation, is my favorite technique, maybe because I can’t draw very well. I always animate in my parents’ basement. All of my films were made in this small home studio.

The fixed camera position and with it the focused view of the dying person is very successful. Please tell me more about your artistic decisions.

I’m here” is my fourth student animation. For a long time I didn’t know what I wanted to make the film about. I wrote the script, but then changed the idea last minute. Fortunately, my artistic supervisors were very understanding and helped me a lot.

How long did the realization take? Did you have a team?

When the script was ready I recorded the dialogues. It was my first time working with professional actors. They helped me make the characters and the whole situation more credible.  Then I was animating for two months. It’s a student animation so animating, making a scenography and puppets, I do myself.

What was important to you in the development of the dolls?

I thought it would be easy to animate a face that barely moves. But it wasn’t that easy at all. Face of the doll was 7 centimeters long, so animating microexpressions required precision and took more time than during the standard shots.

We don’t see family members because I wanted to focus on the main heroine, this old woman who must stay in bed. She is the most important. So that I use a static camera setting. This way I wanted the viewer to look at her suffering and don’t be able to look away throughout the whole movie.

Dolls:

I was looking for a lot of reference photos and tried to sculpt a realistic, old face. I used super sculpey, it is a polymer clay. It doesn’t get dry and remains soft for a long time. It is important because animation is a time consuming process. When I finished sculpting I softly painted the face to give it natural colors. After each shot I had to fix the doll’s face because it was getting dirty and distorted. But it was good for me, because I animated shot by shot, one by one. First shot in the film was the first shot which I animated. Thanks to this, the doll looks worse and worse like a real sick person.

What future projects can we expect?

Now I will try to finish my graduation school animation. It will be more optimistic. Of course puppet animation because it is definitely my technique. 

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm “I’m here

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