„Uncle“ (1996)

Kurzfilm / Australien / Animation / 1996

Filmkritik: Der australische Filmemacher Adam Elliot begeisterte das internationale Publikum mit seinem Animationsfilm „Mary & Max – oder: Schrumpfen Schafe, wenn es regnet?“ (2009). Am Anfang seiner Karriere schuf er einige Kurzfilme in einem ähnlichen Stil, als erster entstand 1996 der Kurzfilm „Uncle“.

Sein Onkel ist ein seltsamer Kauz mit festen Routinen. Auch eine gewisse Traurigkeit haftet ihm an und als seine Frau stirbt, bleibt er zurück in einem Alltag, welcher vor allem durch die Liebe zu seinem Hund geprägt ist.

In seinem 16mm-Kurzfilm erzählt der Regisseur Adam Elliot nach einem eigenen Drehbuch aus dem Leben eines Verwandten. In fast jeder Familie gibt es ein Mitglied, das irgendwie anders ist: Hier ist es der Onkel, der selbst kein Wort sagt. Die aus dem Off gesprochene Stimme des Neffen beschreibt präzise den Alltag und die Vorlieben des Onkels, entdeckt Skurrilitäten und erzählt beinahe sachlich von den einschneidenden Erlebnissen in dessen Leben und wie es mit dem Onkel selbst zu Ende geht. Der ganze Film wird dominiert von einer großen Melancholie, welche auch alle späteren Werke des Regisseurs, u.a. auch „Harvey Krumpet“ (2003), auszeichnen. Auch für diese Geschichte wählt er bereits seinen unverkennbaren Stop-Motion-Stil. Die Knetfiguren sind dabei irgendwie zerknautscht, nicht schön, sondern werden durch durch das Unperfekte der Menschen selbst definiert. Die Stop-Motion-Animationen sind dabei mit 16mm-Film aufgenommen und in schwarz-weiß gehalten. Der Film braucht neben den Bildern aus dem Leben des Onkels, welche in einzelnen Tableaus angeordnet ist, keine Musik oder anderes Beiwerk, sondern entfaltet seine Wirkung durch das lakonische Voice Over und die gelungene Stop-Motion-Technik, welche hier nicht benutzt wird, um entzückende, kindgerechte Figuren zu schaffen, sondern Menschen, welche das Leben schwer zusetzt. 

Fazit: „Uncle“ ist der erste Kurzfilm des „Mary & Max“-Erfinders Adam Elliot. Auch hier schon begeistert er mit seiner gelungenen Stop-Motion-Technik, einer Geschichte nah an der Realität, lakonischem Humor und einer dominierenden, melancholischen Stimmung. 

Bewertung: 8/10

Den Film gibt es glücklicherweise auch online. Schaut ihn euch an (engl.):

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.