Sechs Fragen an Carlos Abascal Peiró

Interview: Im Gespräch mit dem Filmemacher Carlos Abascal Peiró konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „Extra-würzig“ (OT: „L’Empote“), der im Rahmen des ‚Ateliers Ludwigsburg-Paris‘ entstand und u.a. auf dem 42. Filmfestival Max Ophüls Preis zu sehen war, erfahren, wie die Geschichte über Gurken zu ihm fand, was ihm bei der Umsetzung wichtig war und warum er unbedingt eine Riesengurke brauchte.

The original english language interview is also available.

Kannst Du mir zu dem Ursprung deines Films erzählen? Liebst Du selber saure Gurken? 

Hakim Atoui und Nuria Palenzuela, die Produzenten, schickten mir das sehr einzigartige Drehbuch von Guillaume Scaillet und ich hatte sofort das Gefühl, dass ich dieses Universum mit meinen eigenen Obsessionen ausstatten könnte. Guillaume war sehr offen für die Ideen, die ich einbrachte, und wir hatten die gleiche Vision für den Tenor der Geschichte. Ich liebe tollpatschige Helden wie unseren Gurkentyp, und ich wollte den erotischen Subtext mit einer Reflexion über das Zugehörigkeitsgefühl und die Einsamkeit im Stadtleben umgeben. Und ja, vor allem bin ich natürlich ein Gurken-Fan.

Wie ging es nach der ersten Idee weiter – in welchem Rahmen hast Du Deinen Kurzfilm realisieren können?

Olivier Broche

Der Film wurde im Rahmen des Ateliers Ludwigsburg-Paris produziert, einem Trainingsprogramm zur europäischen Filmproduktion, das vom Fernsehsender ARTE unterstützt wird und jungen ProduzentInnen, RegisseurInnen und DrehbuchautorInnen die Möglichkeit gibt, gemeinsam an einem Kurzfilmprojekt zu arbeiten. Es war eine wirklich schöne Erfahrung.

Wie groß war euer Team und wie lange hattet ihr Zeit das Projekt umzusetzen?

Wir hatten eine kleine, aber wunderbare Crew, natürlich wegen des geringen Budgets und der COVID-Situation. Ich würde sagen, nicht mehr als zwanzig Leute am Set, einschließlich des technischen und künstlerischen Personals. Wir haben zwei Tage lang in Paris gedreht.

Was lag Dir visuell am Herzen?

Als ich über die Form des Films nachdachte, dachte ich schnell an die Ästhetik von Bigas Luna (dessen Filme mir so wichtig sind) und Russ Meyers, ihre ganz eigene Erkundung des Camp, voller kitschiger Metaphern und schelmischer und meist erotischer Symbolik. Ich wollte wirklich etwas mediterrane Stimmung (meine spanische Seele hat mich wohl verraten) in Pariser Wohnvierteln finden.

Teilweise sind deine Bilder wunderbar skurril. Hast Du Vorbilder im Sinn gehabt, welche dich inspiriert haben?

Olivier Broche

Ich liebe den Begriff ‚skurril‘! Ich habe es immer gemocht, wenn die Fantasie in einer ganz gewöhnlichen Umgebung ausbricht. Pierre Etaix oder Blake Edwards haben das so gut gemacht, ihre Filme stehen in meinem cinephilen Pantheon ganz oben. Und ich konnte nicht anders, als unsere begnadete Kulissen-Crew um eine Riesen-Gurke zu bitten: Die ‚Gurkenrakete‘ ist eindeutig inspiriert von der Raketenszene in Kubricks „Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“!

Kannst Du mir am Schluss noch ein bisschen mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist? Wie geht es weiter? Sind bereits neue Projekte geplant?

Ich habe Filmregie an der nationalen französischen Filmschule La Fémis studiert, wo ich vor „Extra-würzig“ drei weitere Kurzfilme gedreht habe. Ich habe das ganze letzte Jahr an meinem ersten Spielfilm gearbeitet und als COVID alles verlangsamte, fand ich es lustig, wieder einen Kurzfilm zu drehen und einige neue Ideen für die Inszenierung auszuprobieren. Als ich das Drehbuch bekam, fühlte ich mich mit dem Geist des Films verbunden und ich beschloss (glücklicherweise), mich auf das Abenteuer einzulassen!

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Extra-würzig


Interview: In a conversation with filmmaker Carlos Abascal Peiró, we were able to learn more about his short film “Extra Flavour” (OT: “L’Empote”), which was made as part of the ‘Atelier Ludwigsburg-Paris’ and was screened at the 42nd Max Ophüls Preis Film Festival, among others: how the story about cucumbers found its way to him, what was important to him in its realization and why he absolutely needed a giant cucumber.

Can you tell me about the origin of your film? Do you love pickles yourself? 

Hakim Atoui and Nuria Palenzuela, the producers, sent me Guillaume Scaillet’s very unique script and I immediately felt that I could invest that universe with my own obsessions. Guillaume was very open to the ideas I brought in and we shared the same vision on the tone of the story. I love clumsy heroes like our pickle guy, and I wanted to surround the erotic subtext with a reflection about sense of belonging and loneliness in urban life. And yes, above all, of course, I’m a pickles fan.

How did it go on after the first idea – in what framework were you able to realize your short film?

The movie was produced in the frame of Atelier Ludwisburg Paris, a training program devoted to European film production and supported by the TV channel ARTE that allows young producers, directors and screenwriters to collaborate on a short film project. It was a really nice experience.

How big was your team and how long did you have to realize the project?

We had a little but wonderful crew, because of the low budget and the COVID situation, of course. No more than twenty people on set I will say, including technical and artistic staff. We shoot during two days in Paris.

What was visually close to your heart?

When considering the movie’s form, I thought quickly about Bigas Luna’s (whose movies are so important to me) and Russ Meyers’s aesthetics, their very own exploration of camp, full of tacky metaphors and roguish and usually erotic symbolism. I really wanted to find some mediterranean mood (I guess my spaniard soul betrayed me) in Paris residential quarters.

Some of your images are wonderfully whimsical. Did you have any role models in mind that inspired you?

Love the term whimsical ! I have always liked when fantasy erupts in a very ordinary setting. Pierre Etaix or Blake Edwards did that so well, their movies rank high in my own cinephile pantheon. And I couldn’t help asking our gifted scenery crew for a giant pickle: The “pickle rocket” is clearly inspired by the missile scene in Kubrick’s Dr Strangelove!

Can you tell me a bit more about yourself at the end and how you came to make the film?What are the next steps? Are there already new projects planned?

I’ve studied Film Direction in the national french film school La Fémis, where I made three other short films before “Extra Flavour“. I’ve been working on my first feature movie for the whole last year and, as covid slowed everything down, I found it would be funny to shoot again a short movie and try some new mise-en-scène ideas. When I got the script, I felt linked to the spirit of the movie and I decided (happily) to join the adventure!

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm “Extra Flavour

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.