„80.000 Schnitzel“ (2020)

Filmkritik: In dem Film „80.000 Schnitzel“, der auf dem 63. DOK Leipzig mit dem ver.di Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness sowie auf dem Zürich Film Festival mit dem critic’s choice award ausgezeichnet wurde, wollte die Filmemacherin Hannah Schweier mit Hilfe der Dokumentation ergründen, warum ihre Schwester sich dazu entschied, zum Familienhof zurückzukehren. Zu diesem Zeitpunkt war ihr noch nicht klar, welche Dimensionen der Film schlussendlich annehmen würde.

Das Zollhaus, ein ehemaliges Restaurant und Gasthaus an der Grenze zwischen Bayern und Tschechien, wird von der resoluten Berta betrieben. Das Haus steht kurz vor dem Ruin, als ihre Enkelin Monika beschließt, in das Familienunternehmen einzusteigen und den Hof und das Gut zu retten. Ein Jahr lang wird sie bei ihren täglichen Arbeiten und den stetigen Bestrebungen, die Situation zu verbessern, von ihrer Schwester als Filmemacherin begleitet, welche so das Leben auf dem Hof dokumentiert und gleichzeitig einige tiefgreifenden Veränderungen in der Familie miterlebt und festhält.

Die Regisseurin Hannah Schweier hat sich in ihrer Karriere eigentlich auf Spielfilme konzentriert, als sie erfährt, dass ihre Schwester zu dem Hof aus Kindheitstagen zurückkehren und diesen führen will, obwohl sie das beide immer abgelehnt haben, wird sie neugierig. So entstand die Idee für eine sehr persönliche Dokumentation. Sie erzählt in den 102 Minuten nicht nur von dem Leben und der Arbeit auf dem Hof, welche sehr viel Tribut und natürlich auch Geld fordert, sondern es wird mehr und mehr zu einer Familiengeschichte. Mit dem plötzlichen Tod der Mutter, die eigentlich in dem Film gar nicht vorkommen sollte, und dem späteren Tod der Oma verändert sich selbstverständlich die Tonart und die Stimmung des Films. Anfänglich ist der Film vor allem getrieben von Neugierde. Wie funktioniert das Leben vor Ort? Wie gut hat sich Monika eingewöhnt und wird sie es wirklich durchziehen? Doch mit der fortschreitenden Zeit – es wurde über den Zeitraum von einem Jahr gedreht – passiert so viel, dass andere Punkte in den Vordergrund rücken. Mit dem Blick eines Familienmitglieds bekommt das Publikum einen unverfälschten Einblick und wird von dem Off-Kommentar der Filmemacherin selbst geleitet. Das scheinbar alltägliche Leben mit all seinen Belastungen und Hürden steht hier im Zentrum der Geschichte, welche trotzdem ein paar humorvolle Momente parat hält. Die sensible Schilderung der Figuren und das unmittelbare Dabeisein der Filmemacherin schaffen eine unglaubliche Nähe zu den Figuren und erzählen doch etwas Universelles. Denn Fragen wie, was man mit dem Leben anstellt und wie man dieses am besten leben möchte, beschäftigen jeden. Der Film bringt einen dazu, über Begriffe wie Familie und Heimat sowie deren Stellenwert nachzudenken. Zudem wird von der Unberechenbarkeit des Lebens erzählt, was einem die schönsten Pläne immer wieder zunichte macht. Dabei wird der Film aber nie rührselig oder sentimental und schafft es trotzdem die ZuschauerInnen zu Tränen rühren. „80.000 Schnitzel“ gehört zu den herausragendsten Film des letztjährigen DOKs, konnte mittlerweile mehrere Preise gewinnen und ist auch für den ZETT (Bayrischer Filmpreis) nominiert und das absolut verdient.

Fazit: „80.000 Schnitzel“ ist eine persönliche Dokumentation der Filmemacherin Hannah Schweier, welche von ihrer Familie, sich selbst und dem Leben auf einem Hof erzählt. Dabei geht es in dem Film um Lebensentscheidungen, Verluste und was man aus seinem Leben macht. Mit einem Voice Over wird das Publikum durch die Geschichte geführt, wird zum Schmunzeln gebracht und erlebt viele Höhen und Tiefen zusammen mit der Familie. Herausgekommen ist ein berührender Film, der einen nicht mehr loslässt und somit zu den stärksten Beiträgen des 63. DOK 2020 zählt, den man unbedingt gesehen haben sollte.

Bewertung: 9/10

Fernsehstart: 16. März 2021 / Mediathek-Start: ab 8. März 2021

Trailer zum Film „80.000 Schnitzel“:

Den kompletten Film gibt es zum Weltfrauentag 2021 in der Mediathek des ZDF:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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