Drei Fragen an Jerry Hoffmann

Interview: Im Gespräch mit dem Schauspieler und Regisseur Jerry Hoffmann konnten wir mehr über seinen Abschlussfilm „I am“, der auf dem 42. Filmfestival Max Ophüls Preis seine Premiere feierte, warum er sich für einen Genrestoff entschied und was ihm bei der Besetzung und Umsetzung am Herzen lag. 

Wie kam es zu der Geschichte Deines Kurzfilms „I am“? 

I am“ ist mein Abschlussfilm an der Hamburg Media School. Wir hatten bereits ein Drehbuch, das uns sehr gefiel, und mussten dann aufgrund der Pandemie leider einen neuen Stoff suchen, da wir ehemals Risikogruppen und Clubszenen drin hatten. Wir sind dann recht schnell auf ein Thema gestoßen, das uns alle sehr begeistert: Künstliche Intelligenz. Sowohl die Zukunft Deutschlands als auch Androiden haben uns begeistert. Wir leben ja heute schon mit verschiedenen teilweise intelligenten Sprachcomputern wie Siri und Alexa. Dass diese bald einen Körper bekommen, ist völlig klar. Und es gibt bereits Androiden, also menschenähnliche Roboter auf der Welt. Ein Kerngedanken der Geschichte war: Wie könnte der Traum einer Androidin aussehen, und wovon träumt sie?

Kannst Du mir mehr zur Ausgestaltung erzählen – wunderbar fällt mir hier die Mischung von gedämpften Waldaufnahmen und Science-Fiction-Elementen auf? In dem Sinne würde mich auch interessieren, welche Vorbilder Dich inspiriert haben. 

Vielen Dank. Natürlich habe ich mir zur Recherche bestehende Klassiker wie „Ex machina” [Anm. d. Red. 2014, Regie: Alex Garland] oder „Das Morgan Projekt“ [Anm. d. Red. 2016, Regie: Luke Scott] angesehen. Ich bin großer Science-Fiction-Fan. Besonders inspiriert war ich aber von Jordan Peele Filmen wie „Wir” [Anm. d. Red. 2019] und „Get Out“ [Anm. d. Red. 2017]. Die Modernisierung des Horrorgenres fasziniert mich hier. Ebenso die Verbindung von Genre und politischen Gedanken. Wir wollten Bilder schaffen, die es hierzulande noch nicht gibt, und Sehgewohnheiten brechen. Es war außerdem unser Anspruch stilvolle Science-Fiction-Bilder zu kreieren, was in einem studentischen Rahmen und Budget gar nicht so leicht ist, vor allem was die VFXen anging. Das Projekt war mit viel Arbeit verbunden, und wir sind so dankbar, dass der Film jetzt in die Welt geht.

Die Wahl Deiner beiden Darstellerinnen ist großartig – kannst Du mir mehr zum Casting erzählen? 

Wir haben intensiv gesucht. Früh stand fest, das wir zwei Schwarze weibliche Hauptrollen haben wollen. Viele Menschen haben das Drehbuch gelesen, und angezweifelt, dass wir diese starken Schauspielerinnen finden. Gemeinsam mit der Casterin, Lisa Stutzky, haben wir dann einen großen Aufruf gemacht und hatten letztlich 160 Bewerbungen von großartigen Schauspielerinnen. Wir haben dann eine enge Auswahl zum Livecasting nach Berlin geladen, unter strengen Hygiene-Maßnahmen, und uns am Ende für unsere tollen Darstellerinnen entschieden. Die Energie war von Anfang an besonders zwischen den beiden, und wir sind sehr dankbar, dass sie Lust hatten mit uns diese Geschichte zu erzählen. 

Die Fragen stellte Doreen Matthei

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „I am

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