Sieben Fragen an Ben Nicholas

Interview: Im Gespräch mit dem Regisseur und Drehbuchschreiber Ben Nicholas konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „Tic“, u.a. zu sehen im ‚Shock Block‘ des 21. Landshuter Kurzfilmfestivals und online, erfahren, was ihm bei der Inszenierung wichtig war und warum er die wahre Geschichte aus verschiedenen Perspektiven erzählt. 

The original english language interview is also available.

Wie bist Du auf die wahre Geschichte gestoßen?

Es war eine Geschichte, auf die mich ein Freund aufmerksam machte. Eine wahre Geschichte. Todd Kohlhepp ist sein Name und er bekannte sich 2017 in sieben Fällen des Mordes schuldig. Es war sein sardonischer Schreibstil und die totale Unverfrorenheit, diese Kritiken so öffentlich zu veröffentlichen, die mich auf die Geschichte aufmerksam machten. 

Du wählst für Deinen Film mehrere Perspektiven – warum hast Du Dich dafür entschieden?

Ned Van Zandt

Ich habe aus mehreren Gründen die Perspektive gewechselt. Ein Teil der Spannung beruhte darauf, dass wir Alans (den Mörder in „Tic“) ‚Hand‘ nicht sehen. Wir wissen, dass er diese dunklen und verdrehten Online-Rezensionen schreibt. Aber es fühlte sich wie die richtige Entscheidung an, den Zuschauer in die Perspektive der Detektive einzubetten, zumindest für eine Weile. Außerdem wollte ich ein Gefühl des Unbehagens erzeugen, indem ich uns, das Publikum, in die Sichtweise von Alan, dem Mörder, versetzte. Wie fühlt es sich an, diese Kritiken zu schreiben, seine Verabredungen zu begutachten, im Grunde zu stalken. 

Kannst Du mir zu Deinem visuellen Ansatz erzählen? Mir ist u.a. eine starke Farbdramaturgie aufgefallen.

Brian Miskell

Alans Kontrolle über seine Wohnung durch den Einsatz von RGB-Beleuchtung – die Steuerung von Ton oder Stimmung – passt genau zu seinem Charakter. Interessant ist, dass es eine deutliche Lichtverschiebung gibt, die rein emotional ist, wenn Alan sein ‚wahres Gesicht‘ zu zeigen beginnt. Wir brechen also eine Regel und der Film wird für einen Moment impressionistisch. Das Polizeirevier hingegen wurde mit Brauntönen und staubigen Oberflächen gealtert – alles an ihm sagt, dass es in der Vergangenheit feststeckt. Und in Wirklichkeit ist Kommissar Backman, der alternde Polizeidetektiv, über seine besten Jahre hinaus, während er versucht, einen sehr modernen, schrecklichen Mordfall aufzuklären. 

Auch der Musikeinsatz fällt auf – warum hast Du Dich u.a. für Metal entschieden?

Brian Miskell

Metall fühlte sich wie die richtige Wahl an, um diese sehr dunkle, sehr echte Seite von Alan zu vermitteln. Als ob er alles getan hätte, um seinen Charakter zu verändern oder die Wut, die tief in ihm lebt, herunterzuschlucken. Wie die rote Beleuchtung, die sich mit dieser Szene paart, ist die Metal-Musik ein impressionistischer Touch. 

Kannst Du mir mehr zur Wahl der DarstellerInnen erzählen – hast Du sie über ein Casting gefunden?

Ich habe mit Ned Van Zandt (Detective Backman) an einem früheren Film gearbeitet. Brian Miskell (Alan) und Nicole Rodenburg (Reb) habe ich kennengelernt, als ich ein Stück von Annie Baker am Broadway gesehen habe. Annie ist eine unglaubliche Dramatikerin und es gab zufällig einige Überschneidungen in Bezug auf den Ton und den Humor, den ich auch anstrebte. 

Kannst Du mir zum Schluss noch ein bisschen mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?

Kate Middleton

Ich bin schon früh zum Film gekommen. Eine Gruppe von uns hat in der High School Filme gedreht, und das hat sich bis zur Filmschule und darüber hinaus entwickelt. Ich denke, mein musikalischer Hintergrund und meine Liebe zum Schnitt hängen irgendwie zusammen. Das Schneiden fühlt sich an wie ein musikalisches Arrangement. Das und das Schreiben sind die fließendsten – ich wage zu sagen, die reinsten – Momente des Filmprozesses. 

Sind bereits neue Projekte geplant?

Ich arbeite gerade an einem Film mit dem Titel „Mute“, der eine dunkle, komödiantische Satire ist. Er spricht über Paranoia und Isolation in einer Zeit der Fehlinformation. 

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Tic


Interview: In a conversation with director and screenwriter Ben Nicholas, we were able to learn more about his short film “Tic,” which was screened in the ‘Shock Block’ of the 21st Landshut Short Film Festival and online, among others, what was important to him in the production and why he tells the true story from different perspectives. 

How did you come across the true story?

It was a story brought to my attention by a friend. A true story. Todd Kohlhepp is his name and he pleaded guilty to seven counts of murder in 2017. Really, it was his sardonic style of writing and total bravado in publishing these reviews in such public fashion that attracted me to the story. 

You choose multiple perspectives for your film – why did you make that choice?

I jumped perspectives for several reasons. Part of the tension relied upon us avoiding seeing Alan’s (the killer in “Tic“) ‘hand.’ We know he writes these dark and twisted online reviews. But it felt like the right decision to embed the audience in the perspective of the detectives, at least for a little while. Additionally, I wanted to create a feeling of unease by putting us, the audience, into Alan the killer’s POV. What does it feel like to write these reviews, to review his dates, to stalk essentially. 

Can you tell me about your visual approach? One of the things I noticed is a strong color dramaturgy.

Alan’s control over his apartment via the use of rgb lighting – controlling tone or mood – fits right into his character. What’s interesting is that there is a marked lighting shift that is purely emotional when Alan’s ‘true colors’ start to show. So, we break a rule and the film turns for a moment impressionistic. The police station on the other hand was aged with brown shades and dusty surfaces – everything about it says stuck in the past. And in reality, Detective Backman, the aging police detective, is past his prime while trying to unpack a very modern, horrific, murder case. 

The use of music is also striking – why did you choose metal, among other things?

Metal felt like the right choice in conveying this very dark, very real side of Alan. Like, he’s done everything in his will to transform his character or swallow whatever rage lives deep inside him. Like the red lighting that couples with this scene, the metal music is an impressionistic touch. 

Can you tell me more about the choice of actors – did you find them through casting?

I worked with Ned Van Zandt (Detective Backman) on a previous film. I found Brian Miskell (Alan) and Nicole Rodenburg (Reb) from watching an Annie Baker play off-broadway. Annie’s an incredible playwright and there happened to be some overlap in terms of the tone and humor I was going for as well. 

Finally, can you tell me a bit more about yourself and how you came to the film?

I came to film early on. A group of us made films in high school and that developed into film school and beyond. I think my background in music and my love for editing are somehow related. Editing feels like a musical arrangement. That and writing are the most fluid – dare I say purest – moments of the film process. 

Are there already new projects planned?

I’m working on a film titled MUTE, which is a dark, comedic satire. It speaks about paranoia and isolation in a time of misinformation. 

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the short film “Tic

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.