„Oasis“ (2020)

Filmkritik: Der Spielfilm „Oasis“ (OT: „Oaza“, Serbien, Slowenien, Niederlande, Frankreich, BA, 2020), der auf dem 30. Filmfestival Cottbus den ‚Preis für eine herausragende darstellerische Einzelleistung‘ für alle drei DarstellerInnen gewinnen konnte, besticht mit seiner Inszenierung zwischen Realität und cineastischer Fiktion und überzeugte vor allem mit seiner Entscheidung den Film mit behinderten SchauspielerInnen zu besetzen.

Marija (Marijana Novakov) ist neu in dem Behinderten-Wohnheim vor den Toren Belgrads. Dank Dragana (Tijana Markovic) und auch den einfühlsamen Pflegern gewöhnt sie sich schnell ein und findet besonders Interesse in dem schweigsamen Robert (Valentino Zenuni). Doch auch Dragana ist an dem jungen Mann interessiert und so entsteht ein explosives Liebesdreieck.

Der serbische Regisseur Ivan Ikić (*1982) setzte mit seinem zweiten Spielfilm ein Projekt um, in dem er behinderte SchauspielerInnen die Hauptrollen in seinem Film, für den er auch das Drehbuch schrieb, über ein Leben im Behindertenheim selbst spielen ließ. Immer mehr werden die Stimmen laut, dass es in der Filmbranche mehr Angebote für behinderte DarstellerInnen geben soll. Ikić lebt dies nun mit seinem Film vor und schuf ein authentisches Drama in dem eine Ménage à Trois ungeahnte Konsequenzen nach sich zieht. Doch nicht nur das, er fängt auch das Leben im Heim, die Gefühle seiner BewohnerInnen und die Arbeit der PflegerInnen und Ärzte ein. In drei Akte geteilt übernimmt je eine der Figuren die Führung im Geschehen. So sehen wir die Ereignisse teilweise mehrmals aus verschiedenen Perspektiven und die Geschichte entwickelt sich über drei Akte immer weiter. Das Spiel der drei DarstellerInnen, die hier alle ihre ersten Rollen spielen und für ihre Leistung auf dem 30. Filmfestival Cottbus mit dem ‚Preis für eine herausragende darstellerische Einzelleistung‘ ausgezeichnet wurden, erwecken die Personen sehr lebensecht zum Leben. Die ganze Heimrealität ist dabei sehr authentisch eingefangen und wurde durch die Besetzung mit realen BewohnerInnen und PflegerInnen sowie dem Dreh in einem echten Heim unterstützt. So entstand durch und durch ein eindringlicher Film, der einen neuen Ansatz bei der Besetzung wählt und doch eine klassische Geschichte eines Dreiecksverhältnis in einer ungewohnten Umgebung erzählt und damit überraschend gut unterhalten kann.

Fazit: „Oasis“ ist ein Spielfilm von Ivan Ikić, der größten Wert auf Authentizität legt. Die Ménage à Trois ist dabei in realer Umgebung in einem Behindertenheim angesiedelt und wurde hervorragend mit selbst behinderten DarstellerInnen besetzt. Mit Perspektivverschiebungen, einem spannungsgeladenen Handlungsstrang und der hervorragenden Besetzung ist der Film nicht nur wegweisend, sondern auch gute Unterhaltung. 

Bewertung: 6,5/10

Trailer zum Film „Oasis“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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