„Scream Queens“ (Staffel 1, 2015)

Serienkritik: Die Serienschöpfer Ryan Murphy, Brad Falchuk und Ian Brennan fühlen sich in vielen Genres zuhause. So schaffen sie es genauso gut ernsthaften Horror („American Horror Story“), Krimis („American Crime Story“) und Komödien („Hollywood“) auf die Beine zu stellen. Aber oft blitzt wie bei „Nip/Tuck“ oder „Glee“ ein Hauch Übertreibung durch. Hier nun in der zwei Staffeln umfassenden Serie „Scream Queens“ leben sie diese Neigung komplett aus und inszenieren eine bunte Horror-Farce.

Grace Gardner (Skyler Samuels) träumt seit ihrer Kindheit davon der Studentenbewegung ihrer Mutter – Kappa Kappa Tau – beizutreten. Diese wird mit strenger, arroganter Hand von Chanel Oberlin (Emma Roberts) und ihren Lakaien Libby Putney (Abigail Breslin) und Sadie Swenson (Billie Lourd) geführt. Doch die Dekanin Cathy Munsch (Jamie Lee Curtis) schlägt ihnen ein Schnippchen und erlaubt allen Anwärterinnen, darunter Grace und auch die toughe Zayday Williams (Keke Palmer), der Verbindung beizutreten. Doch zeitgleich tauchen Schatten aus der Vergangenheit wieder auf und ein als Teufel verkleideter Mörder macht den Campus unsicher und hat es speziell auf alle abgesehen, die eine Verbindung zu Kappa Kappa Tau haben.

Lea Michele, Billie Lourd, Abigail Breslin, Emma Roberts und Niecy Nash

Die erste Staffel, welche 2015 bei Fox erschien, umfasst 13 Folgen und stammt aus der Hand von Ryan Murphy (*1965), Brad Falchuk (*1971) und Ian Brennan (*1978). Hier toben sie sich richtig aus, indem sie einen Welt erschaffen, die voller Klischees und Stereotypen ist, und sich dabei schonungslos sowohl bei Horrorfilme, aber auch bei klassischen College-Komödien bedienen. Doch nicht genug, dass hier reichlich aus dieser Schublade zitiert wird, es wird zudem noch alles überspitzt. So ist jede böse Person noch böser, jeder schmierige Typ noch schmieriger, die Unberechenbarkeit des Mörders noch unberechenbarer und die fehlende Logik hinter allen sowieso noch undurchschaubarer. Mit einem ständig zwinkernden Auge wird hier feinster Slasher-Horror zelebriert, der es bei der Anzahl an Todesopfern und der Darstellung von Gewalt mit seinen Vorbildern aufnehmen kann. Oft wird hier gekreischt, gerannt und von Zeit zu Zeit sich auch gewehrt. Aber in diesem Slasher-Alptraum ist der eigentliche Alptraum die Boshaftigkeit der Studentenvereinigung selbst. Hier entsteht unter der strikten Führung der durch und durch unsympathischen Anführerin der eigentliche Terror, der dann wunderbar dem anderen in die Hand spielt und natürlich am Ende auch mit diesem zusammenhängt.

Jamie Lee Curtis, Emma Roberts und Skyler Samuels

All das wird in einem klassischen College-Verbindungshaus-Gewand inszeniert. Die Attitüde der Kappa-Kappa-Tau-Schwestern wird hier nicht nur in der protzigen Villa zum Ausdruck gebracht, sondern ganz wunderbar auch über ihre Mode. Mit vielen Rosa-Tönen, Glitzer und Flausch werden die Hierarchien und Persönlichkeiten definiert und auch die Eigenheiten der Ladies betont. Dazu im Kontrast stehen Grace und ihr dubioser Begleiter Pete, gespielt von Diego Martinez, die das Bodenständige repräsentieren. Murphy und sein Team leben hier nicht nur die Lust an kreativen Outfits aus, sondern spielen auch in der Inszenierung wunderbar mit Gegensätzen. Dass die Serie trotz dieser Überdosis von allem auch funktioniert, wenn auch vielleicht nicht über die erste Staffel hinaus, verdankt sie dem sehr gut besetzten Cast. Wobei weniger Skyler Samuels als Everybody Darling auffällt, als vielmehr die böse Kappa-Kappa-Tau-Gang mit Emma Roberts („Wir sind die Millers“ (2013)) als Anführerin und ihren Lakaien Abigail Breslin („Little Miss Sunshine“ (2006), „Zombieland“ (2009)), Billie Lourd („Star Wars: Die letzten Jedi“ (2017)) und Lea Michelle („Glee“ (2009-2015)). Auch herrlich ist die Besetzung der Direktorin mit der ehemaligen Scream-Queen Jamie Lee Curtis („Ein Fisch namens Wanda“ (1988), „Halloween“ (1978), „Knives Out – Mord ist Familiensache“ (2019)). Alle SchauspielerInnen fühlen sich gut in die klischee-beladenen Rollen ein und geben ihnen dadurch doch Persönlichkeit. Schrill, überdreht und vor allem mit modischen Highlights

Diego Boneta, Oliver Hudson, Skyler Samuels

bestückt ist den Serienmachern eine gesellschaftskritische Serie mit vielen popkulturellen Anspielungen gelungen, die aber zuweilen zu viel will und dadurch etwas anstrengt. Aber als serielles Experiment und (auch gerne in einem feuchtfröhlichen Rahmen) schafft sie es gut zu unterhalten.

Fazit: Die amerikanische Serie „Scream Queens“ von Ryan Murphy, Brad Falchuk und Ian Brennan ist solide Unterhaltung, welche sich mit viel Humor, Übertreibungen, fantastischen modischen Stilblüten und einem guten Ensemble des Slasher-Horror und des Collegefilm-Genres annimmt, sie verbindet und als schrille Mischung inszeniert. 

Bewertung: 3/5

Trailer zur Staffel 1 der Serie „Scream Queens“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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