„Orange is the New Black“ (Staffel 6, 2018)

© Netflix

Serienkritik: In der letzten Staffel der amerikanischen Serie „Orange is the New Black“ ging es turbulent zu, so dass man sich fragte, wie es von diesem Punkt aus weitergehen könnte. Die nachfolgende sechste Staffel findet dafür die richtige Lösung, verlegt die Handlung in den Hochsicherheitstrakt und schafft so einen Neuanfang. So macht es umso trauriger, dass es nach diesen 13 fulminanten Folgen nur noch eine finale Staffel geben soll.

Nachdem der Aufstand im Litchfield-Gefängnis im Keim erstickt wurde, ohne dass die Forderungen erfüllt wurden und zudem auch noch zwei Wärter gestorben sind, werden die Gefangenen auf die Gefängnisse verteilt und eine kleine Gruppe landet im Hochsicherheitstrakt von Litchfield. Nach einer zermürbenden Einzelhaft, in der Taystee (Danielle Brooks) und Red (Kate Mulgrew) zu den Rädelsführern und potentiellen Mörderinnen stilisiert werden, werden sie in verschiedene Blocks gesteckt. Während Frieda (Dale Soules) und Suzanne (Uzo Aduba) in den friedlichen F-Block gepackt werden, landet der Rest in zwei verfeindeten Blocks, die jeweils unter der Leitung der Geschwister Barb (Mackenzie Phillips) und Carol (Henny Russell) sich das Leben schwer machen. Doch Piper (Taylor Schilling) hat genug von diesen Kämpfen, möchte nur Zeit mit Alex verbringen und gleichzeitig, um mal wieder den Himmel zu sehen, ein Kickball-Spiel organisieren. Doch den Wärtern ist jede Auseinandersetzung recht und so befeuern sie jedes Gefahrenpotential.

In den letzten Jahrzehnten gab es immer mehr Serien, welche eine starke Entwicklung besitzen. Waren Serien früher meist Variationen ähnlicher Inhalte und mit wenig Figurenentwicklung, tendieren die modernen Serien dazu eine richtige Entwicklung meist mit unerwartetem Ausgang zu erzählen. Während „Orange is the New Black“  in den ersten vier Staffeln ihr Augenmerk eher auf die persönliche Entwicklung der Figuren gelegt hat, entwirft die Serie mit der fünften Staffel ein Aufstandsszenerario, das alle Strukturen durcheinanderbringt und zudem andere Aspekte der Charaktere offenbart. Nach der Niederringung des Aufstands stellt sich die Frage, wie kann es von da aus weitergehen? So kommt es zu einem Schauplatzwechsel und zur Reduzierung einiger Charaktere. Das gibt der Serie auch Luft neue Figuren und Strukturen einzubauen. Der Hochsicherheitstrakt folgt einem neuen Rhythmus und anderen Gesetzen, das wird nicht nur den Figuren selbst, sondern auch den Zuschauern eindringlich vermittelt. Auch der Twist, sie erst in Einzelhaft zu lassen und dann nach und nach das Spektrum an Figuren zu erweitern, ist gelungen. In dieser Staffel laufen die kritischen Untertöne zur Hochform auf. Gesellschaftliche, politische und juristische Themen werden hier aufs Tapet gebracht. Gerade das Ende ist ein klares Statement zur amerikanischen Justiz, was dabei schief läuft und welche Rolle Rassendiskriminierung darin spielt. So hat sich die Serie mittlerweile weit von der Romanvorlage „Orange Is the New Black: Mein Jahr im Frauenknast“ (2015) von Piper Kerman entfernt und zu einem eigenständigen Kosmos entwickelt, dessen Verlauf einen mit Spannung und Emotionen stets packt und fesselt.

Auch formal passt sich die sechste Staffel der veränderten Geschichte an. Die Räume des Hochsicherheitstraktes sind authentisch eingefangen und kälter und unwirtlicher. Vor allem die Einzelhaftzellen, der Hof und die Sanitäranlagen zeigen eine größere Härte und bestärken das Unwohlsein der Protagonisten. Diese werden wieder wunderbar von den bereits ins Herz geschlossenen Darstellern gespielt. Leider hat sich die Serie ganz unauffällig von Charakteren wie Boo (Lea DeLaria), Maritza (Diane Guerro, auch zu sehen in „Jane the Virgin“) und einigen anderen mehr getrennt. Diese Entscheidung war in vielen Fällen gut, da die Geschichten der Charaktere auserzählt waren und so Platz für neue geschaffen wurden. Hier überzeugen vor allem die beiden Schauspielerinnen Mackenzie Phillips und Henny Russell als verfeindetes Schwesternpaar. Hinzu kommt in dieser Staffel noch eine stärkere Farbdramaturgie, da die Blocks sich auch in ihrer Kleidung unterscheiden. Abgerundet wird das ganze wieder von einer stimmigen Musikuntermalung. So bleibt sich die Serie auch im formalen Konzept treu und überzeugt mit hoher Qualität und starkem Realismusanspruch.

Fazit: Die amerikanische Serie „Orange is the New Black“, welche von Anfang an international viel Aufmerksamkeit bekam und sich mit der fünften Staffel schon unerwartet entwickelt hatte, bleibt ihrer Linie treu. In der sechsten Staffel gibt es nicht nur ein neues Setting, es werden auch neue Charaktere eingeführt und die Etablierten konsequent weiterentwickelt. Dabei schafft die Serie es nicht nur wunderbar zu unterhalten und spannend zu sein, sondern auch gesellschaftliche Probleme offen anzusprechen und zu kritisieren. Das macht die sechste und leider vorletzte Staffel von „Orange is the New Black“ mit ihren 13 Folgen zu einem wundervollen Gesamtpaket und leistet alles, was eine Serie schaffen sollte.

Bewertung: 5/5

Trailer der sechsten Staffel der Serie „Orange is the New Black“

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

Die bisherigen Staffeln von “Orange is the New Black” in der Testkammer:

5 Gedanken zu “„Orange is the New Black“ (Staffel 6, 2018)

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