Neun Fragen an Torfinn Iversen

Interview: Im Gespräch mit dem norwegischen Regisseur Torfinn Iversen konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „The Kicksled Choir“ erfahren, den wir im Kinderprogramm des 33. Filmfest Dresden 2021 gesehen hatten. Er erzählt, wie er Rassismus mit den traditionellen Tretschlitten in seiner Geschichte zusammenbringt, was ihm visuell am Herzen lag und wie das Casting verlief.

The original english language interview is also available.

Wie ist die Geschichte Deines Kurzfilms entstanden? Mit welchen Story-Elementen hat alles angefangen? 

Meine Produzentin Julia und ich verbrachten einen Sommer mit Brainstorming für ein neues Projekt in Potsdam und fingen an, über Kindheitserinnerungen zu sprechen, wie z. B. das Fahren mit dem Tretschlitten. Wir stießen auch auf einen Artikel über einige Kinder, die Kleidung an Flüchtlinge in Norwegen verschenken wollten, was ihnen aber von ihren Eltern nicht erlaubt wurde. 

Nachdem Du die Idee für das Drehbuch hattest, wie ging es weiter? In welchem Kontext wurde der Kurzfilm realisiert?

Benoni Brox Krane and Nicholai Evans

Die Idee entstand im Juli 2018, und nach einigen Skizzen begann ich mit dem Schreiben. Im Januar 2019 sicherten wir uns die Finanzierung durch das Norwegische Filminstitut und begannen zwei Monate später mit den Dreharbeiten zum Film. 

Wo und wie lange hast Du gefilmt? 

Der Film wurde an sechs Tagen im April 2019 gedreht. Danach haben wir eine ganze Weile damit verbracht, ihn zu schneiden, da wir mehrere verschiedene Versionen ausprobiert haben. 

Erzähl mir mehr von der Idee mit den Schlitten – war es schwierig, das auf diese Weise zu choreografieren? 

Die Idee mit den Schlitten war von meiner Kindheit inspiriert. An den ersten beiden Drehtagen war es etwas schwierig, weil es stark schneite und es schwer war, mit den Schlitten schnell genug voranzukommen. Aber am 4. und 5. Drehtag lief es viel besser, weil es aufgehört hatte zu schneien und es in der Nacht sehr kalt gewesen war, was das Eis härter machte, so dass sie gut mit den Tretschlitten fahren konnten. 

Was war Dir visuell wichtig?

Ich wollte einen unverwechselbaren Look mit einem bewussten Einsatz von Farben finden, die gut zu der Stimmung passen, die ich erreichen wollte, wie zum Beispiel sanfte Farben. Ich wollte, dass die Farben der Kostüme die Farben und Töne der Umgebung widerspiegeln.

Benoni Brox Krane

Ich wollte, dass die Hauptfigur Gabriel in vielen Einstellungen die Welt durch verschiedene Fenster beobachtet, um das Gefühl der physischen und mentalen Distanz zu verstärken. Als Gabriel den Chor durch ein gefrorenes Fenster beobachtet, wird sein Wunsch deutlich, daran teilzuhaben. Als Gabriel mit seinem Vater zu Abend isst, bleibt der Chor vor dem Küchenfenster stehen und singt. Der verlängerte Küchentisch mit dem Holzherz, das zwischen den beiden Fenstern an der Wand hängt, und die unausgesprochenen Worte zwischen Vater und Sohn sagen viel über ihre Beziehung aus. 

Kannst Du mir ein wenig mehr über die Auswahl der Schauspieler erzählen? 

Ich hatte Stig Henrik Hoff im Kopf, als ich das Drehbuch schrieb, und ich war sehr glücklich, als er zusagte, den Vater zu spielen. Wir haben beim Vorsprechen etwa 70 Jungen gesehen, aber als ich Benoni Brox Krane traf, wusste ich sofort, dass er ein guter Kandidat für die Rolle des Gabriel sein könnte. Benoni kam zu mehreren Proben und schon bald war mir klar, dass er der richtige Junge für die Rolle war.

Wie war es, mit dem jungen Schauspieler zu arbeiten? Wie gut konnte er sich in die schwierige Vater-Sohn-Beziehung einfühlen?

Die Arbeit mit Benoni war wie ein Traum. Er war sehr konzentriert, geduldig und stellte mir sehr gute Fragen zu seinem Charakter.

Kannst Du mir am Schluss noch ein bisschen mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?

Stig Henrik Hoff and Benoni Brox Krane

Ich habe im Alter von elf Jahren begonnen, Kurzfilme zu drehen, und habe seither mehrere Kurzfilme geschrieben und gedreht, die auf verschiedenen internationalen Filmfestivals gezeigt wurden.

Sind bereits neue Projekte geplant? 

Derzeit entwickle ich einen neuen Spielfilm, „ Uncle Egg – Searching for a dad“. Das Projekt nahm am Cinekid Script Lab (Amsterdam 2019) und an der Berlinale (2020) teil. Es wurde für den Cinekid Co-Production Market im Oktober 2021 ausgewählt.  

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „The Kicksled Choir


Interview: In our conversation with Norwegian director Torfinn Iversen, we were able to learn more about his short film “The Kicksled Choir“, which we had seen in the children’s program of the 33rd Filmfest Dresden 2021. He talks about how he connects racism with the traditional kick sleds in his story, what was close to his heart visually and how the casting went.

How did the story of your short film come about? With which story elements did it all start? 

My producer Julia and I spent a summer brainstorming about a new project in Potsdam, and began to talk about childhood memories, like riding kicksleds. We also came across an article about some kids who wanted to give away clothes to the refugees in Norway, but they were not allowed by their parents. 

Once you had the idea for the script, what happened next? In what context was the short film realized?

The idea came in July 2018, and after some outlining I began to write. We secured funding from The Norwegian Film Institute in January 2019 and started to shoot the film two months later. 

Where and how long did you film? 

The film was shot during six days in April 2019. After that we spent quite a while editing it, as we tested out several different versions. 

Tell me about the idea with the sledges – was it difficult to choreograph it that way? 

The idea with the sledges was inspired by my childhood. It was a bit difficult the first two shooting days, because it was snowing a lot, and it was hard to get fast enough speed on the sledges. But on the 4th and 5th shooting day, it went much better, because it had stopped snowing, and it had been very cold in the night, which made the ice harder, so they could drive well with the kicksleds. 

What was visually important to you?

I wanted to find a distinctive look with a conscious use of colors that would play well with the vibes I wanted to achieve, like soft colors. I wanted the colors of the costumes to reflect the colors and tones of the environment.

I wanted to let the main character, Gabriel, observe the world through different windows in many of the shots, to increase the feeling of physical and mental distances. As Gabriel is watching the choir through a frozen window, his desire to be a part of it is clear. When Gabriel is having dinner with his father, the choir stops in front of their kitchen window to sing. The extended kitchen table, with the wooden heart hanging on the wall between each of their windows, and the unspoken words between father and son, says a lot about their relationship. 

Can you tell me a little bit more about the choice of actors? 

 I had Stig Henrik Hoff in mind when I wrote the script and I was very happy when he said yes to play the father. We saw about 70 boys during the audition, but when I met Benoni Brox Krane, I knew right away that he could be a good candidate for the role as Gabriel. Benoni came to several rehearsals and quite soon I realized he was the right boy for the role.

How was it to work with the young actor ? How well did he empathize with the difficult father-son relationship?

Working with Benoni was like a dream. He was very focused, patient and asked me very good questions regarding his character.

Can you tell us a little bit more about yourself and how you came to the film?

I started to make short films at the age of 11. Since then I have written and directed several short films that have been screened at various international film festivals.

Are there already new projects planned?

Currently, I’m developing a new feature film, “Uncle Egg – Searching for a dad”. The project participated at the Cinekid Script Lab (Amsterdam 2019) and Berlinale (2020). It has been selected to the Cinekid Co-Production Market in October 2021.  

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm “The Kicksled Choir

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