„The Wilds“ (Staffel 1, 2020)

Serienkritik: Die Geschichte von dem Überlebenskampf einer auf einer Insel gestrandeten Gruppe ist ein alter Schuh. Das kennt man bereits aus den Romanklassiker „Robinson Crusoe“ (1719) von Daniel Defoe und „Herr der Fliegen“ (1954) von William Golding. Auch in Serien wurde dieser Stoff aufgegriffen, wie beispielsweise in „Lost“ (2004-2010). Nun hat Amazon Prime seine eigene Version produziert und schickt in der zehn Folgen umfassenden Serie „The Wilds“ eine Gruppe junger Frauen auf eine einsame Insel.


Auf den Weg in ein feministisches Camp befinden sich acht jungen Frauen in einem Flugzeug. Nachdem dieses abgestürzt ist, müssen sie allein auf einer einsamen Insel überleben. Doch nicht nur die Fragen nach Wasser, Nahrung oder einem sicheren Schlafplatz treibt die Gruppe um, sondern auch viele persönliche Probleme. So beschäftigt sich Leah (Sarah Pidgeon) vor allem mit ihrem Liebeskummer, Martha (Jenna Clause) mit ihrer Wut und die engagierte Sportlerin Rachel (Reign Edwards) kann nicht aufhören daran zu denken, wie ihre Trainingszeit verloren geht. Während Dot (Shannon Berry) und Shelby (Mia Healey) dafür kämpfen, dass die Gruppe immer mehr zusammenwächst, ahnt keiner von ihnen, dass sie nicht so allein sind, wie sie gedacht haben.

Sarah Pidgeon

Es gibt wohl keinen Menschen, der sich nicht schon gefragt hätte, was er einerseits auf eine einsame Insel mitnehmen würde und andererseits, wie es sich anfühlt, dort zu stranden. Diese Grundidee hat schon die Fantasie vieler Autoren und Regisseure beflügelt. Trotzdem kann man diese Ausgangslage auch immer wieder für neue Geschichten aufgreifen. So handelt die erste Staffel von „The Wilds“, kreiert von Sarah Streicher, mit ihren zehn Folgen von der Dynamik von Frauen untereinander und der persönliche Entfaltung. Denn der gesamte Absturz wurde inszeniert, damit sich die Frauen auf sich und ihre Probleme fokussieren können. So steht hier auch nicht der Überlebenskampf im Vordergrund der Geschichte, sondern die Schicksale einzelner. Fast jede Folge handelt von einer Person im Speziellen und erzählt durch Vor- und Rückblenden ihre Geschichte, macht dadurch ihre Persönlichkeit greifbar und auch die nachfolgenden Entwicklungen verständlicher. Darüber hinaus wird der Spannungsbogen durch neue Ereignisse und Wendungen aufrecht erhalten, obwohl die Episoden, welche nach der Rettung von der Insel erzählen, etwas zu sehr die Ereignisse vorwegnehmen. Doch unabhängig davon gelingt der Serie eine gute Mischung aus Coming-of-Age-Geschichte mit interessanten Charakteren und Survival-Elementen. Einzig das Ende ist mehr als unbefriedigend, da gefühlt keiner der Fäden beendet wird und es einen bestimmten Cliffhanger gibt, welcher die Weiterführung der Serie eher unattraktiv macht.

Helena Howard, Mia Healey, Reign Edwards, Sarah Pidgeon, Shannon Berry

Dass die Serie, trotz bekannter Elemente, gut funktioniert, liegt auch an der guten Umsetzung und vor allem an der sehr guten Besetzung. Gedreht wurde die Serie in Neuseeland – die Insel, auf der sie stranden, ist auf ihre Weise sehr schön und kann trotzdem auch mit ihren schroffen Felsen und dem dunklen Sand das Bedrohungspotential vermitteln. Mit Effekten hält sich die Serie wohltuend zurück. Die Besetzung, eine bunte Truppe aus acht jungen Frauen, ist hervorragend gelungen. Jede schafft es, die Persönlichkeit ihrer Figur wunderbar einzufangen, Wandlungen im Charakter nachvollziehbar darzustellen und ihren Figuren auch die nötige Ambivalenz zu verleihen. Bis auf die Chefin, die hinter allem steckt, gespielt von Rachel Griffiths („Six Feet Under“ (2001-2005)) sind die Darstellerinnen recht unbekannt, aber es bleibt zu hoffen, dass sie durch diese Serie bekannter werden, denn ihr facettenreiches Spiel belebt die Geschichte enorm. So entstand eine durchgehend spannende Serie, welche zwar hier und da ein paar Logiklücken zeigt, aber bis zur letzten Folge gut unterhalten kann. Nur leider kommt es am Schluss zu unnötig vielen Cliffhangern, so dass man wenig Lust verspürt, weiter zu schauen.

Erana James, Jenna Clause

Fazit: Die Survival-Serie „The Wilds“ ist in ihrem Kern eine gelungene Coming-of-Age-Geschichte acht junger Frauen, kombiniert mit einem Überlebensszenario. Aus der Hand der Serienmacherin Sarah Streicher wurde hier eine spannende Geschichte in eine Serie umgesetzt, die erst zum Ende zu an Wirkung verliert. Doch bis dahin kann man sich aufgrund der gelungenen Figurenzeichnung und ihrer Besetzung mit viel Teilnahme an den einzelnen Storys erfreuen und bleibt gern bis zum Ende am Ball.

Bewertung: 4/5

Trailer zur Staffel 1 der Serie „The Wilds“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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