Sieben Fragen an Malaz Usta

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Interview: Im Gespräch mit dem aus Syrien stammenden Filmemacher Malaz Usta konnten wir mehr über seinen autobiographischen Dokumentarfilm „A Year in Exile“ (OT: „Sürgünde Bir Yil“) erfahren, der auf dem 31. Filmfestival Cottbus im Programm ‚Close Up TR‘ lief, wie er sein Gefühl des Fremdseins visuell aufbereitet hat und wie sich nicht nur andere Zugereiste mit dem Film identifizieren können.

The original english language interview is also available.

Dein Dokumentarfilm ist autobiographisch – warum hast Du Dich entschieden es auf diese Weise zu erzählen?

Der Film war eine Möglichkeit des Selbstausdrucks. Ein Weg, wie ich mit der Welt um mich herum kommuniziere. Ich bin ein Fremder in einem neuen Land, einer neuen Kultur, alles um mich herum ist mir fremd und ich bin fremd für alles um mich herum. Die Kamera war mein Werkzeug, meine einzige Möglichkeit zu kommunizieren war hinter der Kamera.

Kannst Du mir zu den Bildern erzählen – u.a. auf wieviel Material Du aufgenommen hast? Stammt es alles von Dir?

Alles wurde von mir gedreht, es ist eine Erweiterung meiner Vision und meiner Gefühle. Ich habe ein ganzes Jahr lang gedreht. Jeder einzelne Tag kommt in dem Film vor. Nach einem Jahr des Sammelns von Filmmaterial hatte ich am Ende einen riesigen Stapel von Videos, Hunderte von Stunden, was extrem ermüdend und frustrierend war, wenn man bedenkt, dass ich am Ende Monate mit dem Schnitt verbracht habe.

Du hast für einen sehr schnellen Schnitt entschieden – kannst Du mir noch etwas mehr über die visuelle Ausgestaltung erzählen?

Es war ein besonderer Moment für mich, und ich wollte die Dinge, die ich in diesem Augenblick fühlte, übertragen. Der schnelle Schnitt war nur ein Spiegelbild der Gefühle, die ich gerade erlebte. Ich war schockiert, verwirrt, überwältigt, durchstreifte die Stadt auf der Suche nach Identität, nach Freunden, nach Glück, nach Heimat.

Welche Botschaft liegt Dir am Herzen?

Millionen von Menschen sind gezwungen, ihre Heimatländer auf der Suche nach Frieden und Glück zu verlassen. Sie wollen ein besseres Leben, Bildung, Arbeit usw. und sind ständig mit Politik, Regierungen, kontrollierten Medien, ‚Andersartigkeit‘ und Gesellschaften konfrontiert. Es ist von großer Bedeutung, dass diese Menschen soziale Unterstützung erhalten, dass sie in das soziale Leben und die sozialen Aktivitäten ihrer neuen Gemeinschaften einbezogen werden. Die Kunst, und in meinem Fall der Film, ist ein großartiges Instrument, um das Bewusstsein zu schärfen, die Eingliederung zu fördern, Vorurteile zu ändern und Stereotypen zu vermeiden.

Wie haben andere, welche ebenfalls in einem neuen Land leben, den Film aufgenommen? Wie waren die Reaktionen vom Publikum?

Ich habe viele Nachrichten und Reaktionen von Menschen erhalten, die sich emotional mit dem Film verbunden fühlten. Viele von ihnen hatten das Gefühl, dass der Film an vielen Stellen sehr genau die gleichen Gefühle beschreibt, die sie selbst erlebt haben. Überraschenderweise fühlten sich viele türkische Einwohner Istanbuls durch den Film angesprochen und wussten, dass auch sie Ausländer in dieser riesigen Metropole sind.

Kannst Du mir am Schluss noch ein bisschen mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?

In jungen Jahren, in der Highschool, entdeckte ich meine Leidenschaft fürs Filmemachen. Ich habe damals mit meinem besten Freund kurze Sketche gemacht. Ich habe es geliebt und war völlig mit dem Schnitt und der grafischen Gestaltung beschäftigt. Ich wollte Film studieren, was es in meinem Heimatland leider nicht gab. Ich studierte Pharmazie, machte meinen Abschluss und kam in die Türkei. Dort konnte ich das studieren, was ich wirklich liebe. Zurzeit mache ich ein Doppelstudium in Filmdesign und in Radio, Fernsehen und Kino in Istanbul.

Sind bereits neue Projekte geplant?

Dies ist mein Abschlussjahr, und ich plane, mein Masterstudium in Filmemachen irgendwo in Europa fortzusetzen. Ich plane, in den nächsten Jahren meinen ersten Dokumentarspielfilm zu realisieren.

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „A Year in Exile


Interview: In our interview with the Syrian-born filmmaker Malaz Usta, we were able to learn more about his autobiographical documentary “A Year in Exile” (OT: “Sürgünde Bir Yil”), which was screened at the 31st Cottbus Film Festival in the ‘Close Up TR’ program, how he visually processed his feeling of being a stranger, and how not only other immigrants can identify with the film.

Your documentary is autobiographical – why did you decide to tell it this way?

The film was a way of self expression. A way of me communicating with the world around me. I am a foreigner in a new country, a new culture, everything around me is foreign to me and I am foreign to everything around me. The camera was my tool, my only way to communicate was behind the lens.

Can you tell me about the images – including how much material you shot? Is it all from you?

Everything is shot by me, it is an extension of my vision and my emotions. I shot for a whole year. Every single day appears in the film. After a year of collecting footage, I ended up with a huge pile of videos, hundreds of hours, which was extremely tiring and frustrating, considering the fact that I ended up spending months editing.

You decided on a very fast paced edit – can you tell me a bit more about the visuals?

It was a special moment in time for me and I wanted to transfer the things that I was feeling in this moment. The fast paced edit was only a reflection of what emotions I was experiencing. I was shocked, confused, overwhelmed, roaming the city in search of identity, of friends, of happiness, of home.

What message do you have at heart?

Millions of people are forced to leave their home countries in search of peace and happiness. They want to have better lives, education, jobs,..etc. and they are constantly faced by politics, governments, controlled media, “othering”, and societies. It is of great importance that these people are provided with social support, that they are included in the social life and the social activities of their new communities. Art, and in my case film, is a great tool to raise awareness, promote inclusion, change prepositions, and limit stereotyping.

How have others who also live in a new country received the film? What were the reactions from the audience?

I received many messages and reactions from people who were emotionally connected with the film. Many of which felt that at many points the film described very accurately the exact same feelings that they experienced. Quite surprisingly, many Turkish habitants of Istanbul felt, to a large extent, that the film spoke to them and that they also are foreigners in this huge metropolitan city.

Finally, can you tell me a bit more about yourself and how you came to make the film?

At a young age, in highschool, I discovered my passion for making movies. I made short sketches with my best friend then. I loved it and was completely occupied with editing and  graphic design. I wanted to study cinema, which unfortunately did not exist in my home country. I studied pharmacy, graduated, and came to Turkey. There, I was able to study what I truly love. I am currently doing a double major in Film Design and in Radio, Television, and Cinema in Istanbul.

Are there already new projects planned?

This is my graduation year, and I am planning to continue my master studies in filmmaking somewhere in Europe. I plan to realize my first feature documentary in the next few years.

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the short film “A Year in Exile

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