„Gabi, Between Ages 8 and 13“ (2021)

Filmkritik: Die schwedische Dokumentation „Gabi, Between Ages 8 and 13“ (OT: „Gabi, mellan åren 8 till 13“ / Schweden / 2021), die auf dem 64. DOK Leipzig lief, begleitet über sechs Jahre hinweg die junge Gabi und wie sie sich über die Zeit mit ihrer eigenen Identität und irgendwann auch Sexualität beschäftigt.

Die achtjährige Gabi interessiert sich nicht für klassischen Mädchenkram. Lieber spielt sie mit ihrem besten Freund Henry Fußball oder mit Lego. Über die Jahre und einem Umzug von Stockholm nach Mora hinweg, wird ihr immer mehr klar, dass sie kein Mädchen sein will. Die Frisur wird immer kürzer und in der Pubertät folgt dann die erste Verliebtheit.

„Gabi, Between Ages 8 and 13“ ist ein Langzeit-Dokumentation eines bemerkenswerten Kindes. Bereits mit acht Jahren setzt es sich mit Gender-Themen, Geschlechter-Zugehörigkeit und diesen Themenfeldern auf eine ganz unverkrampfte Weise auseinander. Als die Regisseurin Engeli Broberg die junge Gabi kennenlernt, wollte sie anfänglich eine Kurz-Dokumentation über sie drehen, beschloss jedoch schnell, dass sie die Entwicklung dieses Kindes länger verfolgen möchte. So besuchte sie Gabi über sechs Jahre hinweg, baute ein Vertrauensverhältnis zu ihr auf, so dass sich Gabi ganz natürlich gegenüber der Kamera und Broberg verhält und sich ihr öffnet. Wir als ZuschauerInnen haben das Vergnügen ihre Entwicklung mitzuerleben. Es ist wunderbar zu sehen, wie sich ihre Meinungen immer mehr festigen und sie über die Jahre immer mehr dafür einsteht, wer sie wirklich ist. Wir erleben ihre Rebellion gegen lange Haare genauso mit, wie eine langjährige Freundschaft zwischen ihr und Henry sowie die erste Verliebtheit in der Pubertät. Mit viel Sympathie und Empathie begleitet man Gabi auf ihren Weg, der auf erfreuliche Weise zeigt, wie solch eine Entwicklung auch ohne viele Steine, die normalerweise solchen Menschen in den Weg gelegt werden, ganz natürlich funktionieren kann. Aus der teilweise noch unschuldigen Sicht des Kindes heraus werden hier große Themen aufgemacht und auf wunderbare Weise beantwortet. Genau dieser selbstverständliche Umgang, wie Gabi erkennt, dass sie sich nicht als Mädchen fühlt, brauchen wir mit diesem Thema. So ist Gabi ein kleines Leuchtfeuer für eine bessere Zukunft. Dieser Film eignet sich auch über die Maßen für den aufklärerischen Gebrauch in Schulen, aber auch erwachsene ZuschauerInnen können hier viel mitnehmen. So bleibt der Film lange im Gedächtnis und im Herz und man wünscht sich, Gabi in ein paar Jahren wieder zu begegnen. 

Fazit: „Gabi, Between Ages 8 and 13“ ist eine Langzeit-Dokumentation der Regisseurin Engeli Broberg. Sie begleitet darin die junge Gabi, welche schon in frühen Jahren erkennt, dass das Mädchensein nicht zu ihr passt. Mit viel Ehrlichkeit und auch einer gewissen, aber guten, Naivität beschäftigt sie sich mit diesen Themen. Wir als ZuschauerInnen haben die Möglichkeit ihrer Entwicklung beizuwohnen und schließen Gabi schnell ins Herz. So entstand eine didaktisch wertvolle und berührend schöne Dokumentation, die eine absolute Empfehlung ist.

Bewertung: 9/10

Trailer zum Film „Gabi, Between Ages 8 and 13“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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