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Filmkritik: Die französische Dokumentation „Suzanne from Day to Day“ (OT: „Suzanne jour après jour“, Frankreich, 2023) von Stéphane Manchematin und Serge Steyer, die auf dem 66. DOK Leipzig 2023 ihre Weltpremiere feierte, begleitet eine ältere Dame in ihrem zurückgezogenen Leben über ein ganzes Jahr.
Suzanne hat sich mit ihrem Eintritt ins Rentenalter in ihr Geburtshaus in den Vogesen zurückgezogen. Dort lebt sie ein Leben im Rhythmus und Einklang mit den Jahreszeiten. Sie bepflanzt ihren Garten, kommt gut in der Kälte und mit wenigen Habseligkeiten aus. Sie liebt das Telefonieren und freut sich immer über Besuch und führt so ein Leben, das bescheiden, aber ausgeglichen und harmonisch ist.
Die beiden französischen Filmemacher Stéphane Manchematin und Serge Steyer haben Suzanne über ein Jahr lang immer wieder besucht und ihr Leben filmisch festgehalten. Bereits in ihren vorherigen Filmen, wie „The Salamander Complex“ (2015) und „In the Stillness of Sound“ (2018), waren sie in den Vogesen unterwegs, lernten dabei Suzanne kennen und waren verzaubert von ihrem einfachen Leben. Suzanne lebt jeden Tag mit dem natürlichen Tagesrhythmus und den Jahreszeiten, die ihr vorgeben, was sie anpflanzt oder worauf sie sich vorbereiten muss. Das Elternhaus ist dabei nur mit dem Nötigsten bestückt und birgt für Suzanne alles, was sie braucht. Sie hält dabei tiefe Temperaturen genauso aus wie gelegentliche Stromausfälle. Ihre Freude findet sie dabei jeden Tag im Kontakt mit Menschen, sei es am Telefon oder live. Jeden lädt sie zu einem Getränk und einem Gespräch ein. Ihre positive Energie ist ansteckend. So macht die Dokumentation deutlich, dass es nicht viel braucht, um Lebensfreude zu besitzen. Dass auch gerade ein bescheidenes, einfaches Leben viel dazu beitragen kann. Diese Langzeitdokumentation, die von den beiden Regisseuren mit viel respektvoller Nähe und Einfühlungsvermögen gefilmt wurde, besticht mit einem gelungenen Blick auf die Welt und entschleunigt das Publikum allein schon beim Sehen.
Fazit: „Suzanne from Day to Day“ ist eine warmherzige Dokumentation der beiden Filmemacher Stéphane Manchematin und Serge Steyer, die darin die Rentnerin bei ihrem alltäglichen Leben begleiten. Die Abgeschiedenheit in den Bergen und ihre Bescheidenheit sowie das Leben im Einklang mit der Natur bestimmen ihre Tage. Als Zuschauer:innen hegt man sofort Sympathie für sie, begleitet sie gern in ihrem Alltag und stellt sich nebenbei die Frage nach dem richtigen und guten Leben.
Bewertung: 8/10
Kinostart: bisher kein Kinostart in Deutschland
Trailer zum Film „Suzanne from Day to Day“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 66. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm 2023 – Katalog (Programm ‚Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm‘)
- Doreen Kaltenecker, ‚Zehn Fragen an Stéphane Manchematin und Serge Steyer‘, testkammer.com, 2023
- Mark Adams, ‚DOK Leipzig review – Suzanne From Day to Day by Stéphane Manchematin and Serge Steyer‘, businessdoceurope.com, 2023
- Gunda Bartels, ‚Starke Dokumentarfilme beim Festival Dok Leipzig 2023: Wer Bilder schafft, hat Macht‘, tagesspiegel.de, 2023