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Kurzfilm / Frankreich / Animation / 2023
Filmkritik: Der deutsch-französische Filmemacher Lucas Malbrun beschäftigt sich in seinem Animationsfilm „Margarete 89“, der seine Deutsche Premiere auf dem 66. DOK Leipzig 2023 feierte und u.a. auch in Cannes und auf dem 39. Interfilm in Berlin 2023 zu sehen war, mit einer systemkritischen Revolutionärin und dem letzten Jahr der DDR.
Margarethe sitzt in einer Nervenheilanstalt, da sie sich stetig gegen den Staat widersetzt hat. Doch aus dieser büchst sie schnell aus, um endlich wieder zu ihrem Freund Heinrich, zum Widerstand und zur Punkmusik zurückzukehren. Doch die neu gewonnene Freiheit erhält schnell Risse. Überall lauern die Stasi-Spitzel, jeder Weg birgt eine Gefahr und Margarethe weiß auch nicht so recht, wem sie überhaupt trauen kann.
Ursprünglich wollte sich der Filmemacher Lucas Malbrun, der an der Uni France in Paris studiert und in München aufgewachsen ist, mit Gretchen aus Goethes „Faust“ beschäftigen. Doch dann kam es anders und es wurde eine Geschichte über den Widerstand am Ende der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Es geht dabei speziell um die Frauen in diesem repressiven System, die Freiheit des Denkens und Handels und was es mit der Liebe macht, wenn man ständig das Gefühl hat, beobachtet zu werden. So ist der 18-minütige Animationsfilm eine spannender Exkurs, der nicht nur Zeitgeschichte erzählt, sondern auch in die emotionale Welt der Protagonist:innen mit großangelegten Fragen eintaucht. Die Geschichte spielt im Jahr 1989 in der sächsischen Großstadt Leipzig. Malbrun, der nach eigener Aussage vor der Premiere beim 66. DOK Leipzig 2023 noch nie in dieser Stadt war, hat ein gelungenes Portrait der damaligen Stadt geschaffen. Die 2D-Animationen, welche seinen Film bebildern, sind auf ihre Weise störrisch. Sie referenzieren sie auf die Maler der Alten und Neuen Leipziger Schule. Doch sie antizipieren nicht nur den Stil, sondern deformieren ihn stellenweise auch und überspitzen ihn. Mit einem recht großen Team konnte Malbrun seinen ersten Animationsfilm realisieren, der die spannende DDR-Geschichte mit Fiktion vermischt und so ein gelungenes Portrait dieser Zeit schuf.
Fazit: „Margarethe 89“ ist ein Animationsfilm von Lucas Malbrun, der darin eine Geschichte des weiblichen Widerstands am Ende der DDR-Diktatur erzählt. Seine Bilder schmiegen sich an die Künstler der Alten und Neuen Leipziger Schule an, besitzen aber eine ganz eigene Optik. Der Film wie seine Hauptheldin sind widerborstig, vermitteln aber so mannigfaltige Themen und Sorgen und geben nochmal einen anderen Blick auf diese Zeit.
Bewertung: 7,5/10
Den Kurzfilm „Margarethe 89“ hier anschauen:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 66. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm 2023 – Katalog (Programm ‚Internationaler Wettbewerb Animationsfilm‘)
- 39. Interfilm Festival Berlin 2023 – Katalog (Programm ‚Internationaler Wettbewerb‘)
- Doreen Kaltenecker, ‚Acht Fragen an Lucas Malbrun‘, testkammer.com, 2023
- Eintrag des Kurzfilms „Margarethe 89“ auf der Website des Regisseurs Lucas Malbrun
- Eintrag des Kurzfilms „Margarethe 89“ an der Uni France
- Claire Lim, ‚Cannes 2023: Margarethe 89 | Interview of Lucas Malbrun (Directors’ Fortnight)‘, film-fest-report.com, 2023
