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Interview: Im Gespräch mit dem Filmemacher und Schauspieler Daniel Holzberg („Triumph des Schauspielers“) konnten wir mehr über seinen neuesten Kurzfilm „Als er ein Star war“ erfahren, der auf den 57. Hofer Filmtagen 2023 lief, wie er die Idee für die Geschichte fand und was ihm sowohl bei der Um- als auch Besetzung am Herzen lag.
Wie ist die Idee zu dem Film „Als er ein Star war“ entstanden? Spielen eigene Erfahrungen in dem Metier eine Rolle?
Selbst nahm ich mal als Anspielpartner bei einem Casting für eine Kinderrolle teil. Mich hat schockiert, wie schnell die Entscheidungsträger/innen im Nachgespräch sich in der Position sahen, über die vorsprechenden Kinder zu urteilen – und das nach einer Begegnung von vielleicht 15 Minuten. Dabei fokussierte sich die Negativität oft gar nicht auf das Spiel, sondern es wurde teilweise die Intelligenz der Kinder im Allgemeinen bemängelt, mit Aussagen à la ‚eine normale Schule schafft der ja gar nicht‘.
Diese Erfahrung hat mich sehr wütend gemacht. Als Schauspieler:in muss man, denke ich, irgendwann in Kauf nehmen, dass man in der Branche auf viel Scheinheiligkeit treffen kann, hinter der sich eine Entscheidung zur allgemeinen Verurteilung verbirgt. Es ist natürlich nicht immer so! Allerdings kann ein Kind diesen kontaktgestörten Umgang vermutlich schlechter einordnen, der sowohl von hinter der Kamera als auch von Publikumsseite kommen kann. Im Falle eines prominenten Kindes umso mehr, da Hardcore-Fans in der Begegnung mit Schauspieler:innen oft mehr um sich selbst kreisen als sich wirklich auf einen echten Kontakt einzulassen. Bei großen Produktionen kann von Publikumsseite auch viel Hass in Richtung einer jungen Person schießen, die letztendlich nur ihr Bestes getan hat, um die Wünsche der Regie zu erfüllen. Mich hat interessiert, wie es jemandem geht, der sehr früh ins Rampenlicht gedrängt wurde. Recherchen über verschiedene echte Fälle haben dann zu dieser fiktiven Geschichte geführt.
Warum bleibt Dein Held namenlos?
Es haben nur die Sci-Fi-Film-Charaktere oder die anderen ‚berühmten‘ Menschen in dem Film Namen. Ein prominenter Name bringt manchmal Assoziationen mit sich, die der tatsächlichen Person möglicherweise gar nicht erst gerecht werden. So hat auch unsere Hauptfigur keinen Namen, weil es darum geht, ihn durch sein Verhalten kennenzulernen. Es war ein Versuch. Wir haben verschiedene Namen durchprobiert, aber nichts fühlte sich richtig an.
Warum hast Du Dich dafür entschieden, deinen Film in dieser Sci-Fi-Comic-Con-Welt zu verorten?
Für einen ehemaligen Kinderstar, der in einem Film aus dem Fantasy- oder Sci-Fi-Genre mitgespielt hat, bietet es sich natürlich an, sein Einkommen auf solchen Conventions aufzubessern. Allerdings ist das Potential für ein direktes Aufeinandertreffen mit Fans und Hatern erhöht. Die Hauptfigur sollte mit etwas konfrontiert werden. Er sucht Kontakt, einen Platz in der Welt, kommt aber aufgrund der Voreingenommenheit der Leute nicht weiter. Der Widerspruch war interessant und mich hat kein Film über jemanden interessiert, der sich schon komplett zurückgezogen hat.
In welchem Rahmen konntest Du Deinen Film realisieren und wie viel Zeit hattet ihr, um ihn auf die Beine zu stellen?
Der Film entstand im Rahmen unserer Ausbildung an der Filmakademie Wien. Unser Produzent Joseph Zedelmaier konnte eine Finanzierung für elf Tage aufstellen – unter anderem ein Dreh mit einem kleinen Team in Spanien für die Szenen in der Wüste. Zeitdruck hatten wir wenig, da ist die Akademie großzügig. Am herausforderndsten, aber auch spannendsten war es, nach Tabernas (Spanien) zu reisen, ohne genau zu wissen, wo wir drehen. Realisieren konnten wir den Film nur mithilfe aller Freiwilligen, die ihre unvergütete Zeit und Energie in das Projekt gesteckt haben. Denen bin ich sehr dankbar.
Was lag euch visuell am Herzen?
Wir wollten, dass die Sci-Fi-Welt in der Lichtgestaltung und im Szenenbild etwas nachhallt, diese Zeit ihn sozusagen nicht loslässt. Daher sind die Farbpaletten teilweise etwas künstlicher, kontrastreicher und bunter gewählt. Ziel war es, eine stimmungsvolle, aber kalte Welt ohne warme Kontaktpunkte zu erschaffen. In seiner Realität gibt es auch keine Außen-Tag-Szenen, was so ein bisschen zum Unwohlsein beitragen sollte.
Nach welchen Kriterien hast Du Deinen Cast zusammengestellt?
Tendenziell arbeite ich gerne mit Schauspieler:innen, die ich schon kenne. Es fällt mir dann leichter, sie ‚gut aussehen‘ zu lassen im Film, weil ich sie nach ihren Stärken besetze bzw. den Stärken, die ich subjektiv in ihnen sehe. Der Hauptdarsteller Sebastian Griegel ist mein ehemaliger Schauspielkommilitone. Hier wusste ich nicht ganz, was mich erwartet, weil er einige Farben zu spielen hat. Da war es schön, die Figur mit einem altbekannten Weggefährten zu suchen.
Mit Daniela, Jule und Murali hatte ich vorher nicht gearbeitet, die habe ich anhand ihrer Demobänder bzw. mir bekannten Auftritten besetzt. Das, was ich von ihnen für die Figuren gebraucht habe, haben sie toll geboten, und die Arbeit mit ihnen war angenehm. Für unbezahlte Studentenfilme mache ich ungern Castings, geschweige denn Recalls.
Sind bereits weitere Projekte als Regisseur oder Schauspieler am Start?
Demnächst wird eine Folge „Die Rosenheim-Cops“ mit mir ausgestrahlt. Ansonsten plane ich gerade meinen Abschlussfilm „Bad Grammar“ über einen nordenglischen Migranten, der in Wien lebt, sich vor jeder Verantwortung drückt und schließlich selbst seinen engsten Freund mit seiner unguten Art vergrault. Es wird um jemanden gehen, der mit seinem Umfeld schlecht umgeht. Allerdings möchte ich ihn nicht rechtfertigen, mehr das Zerbrechen einer Freundschaft seines Verhaltens als Konsequenz empathisch darstellen. Eine Aushaltekomödie übers Verlorensein und Scheißesein.
Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Als er ein Star war“





