„Champions und Wir“ (2026)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Der Kurzfilm „Champions und Wir“ von Paul Hordych, der seine Weltpremiere auf dem 47. Filmfestival Max Ophüls Preis 2026 feierte und dort mit dem Preis ‚Bester Schauspielnachwuchs‘ ausgezeichnet wurde, erzählt eine zarte, queere Geschichte in einem klassischen, toxisch männlich aufgeladenen Raum.

Josh (Tommes Diallo) verbringt seine Tage mit Fußballtraining, seiner Familie und seinem besten Freund Chicco (Rafael Luis Klein-Heßling). Dieser ist für ihn seit längerem schon mehr als nur ein Freund. Doch diese frische Liebe halten sie vor ihren Familien und Freunden noch geheim, bis es zu einem Eklat in der Fußball-Umkleidekabine kommt. 

Deborah Bode

Der Regisseur und Drehbuchautor Paul Hordych erzählt in seinem Abschlussfilm (Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF) von einer ersten queeren Liebe und schafft es mühelos dieses Gefühl von Verliebtsein, der Aufregung bei der Annäherung und wie man damit umgeht, wunderbar einzufangen. Aber der Film erzählt auch von toxischer Männlichkeit, Stereotypen und wie diese gerade beim Fußball oft zu finden sind. Hordych, der selbst diesen Sport betreibt, verdichtet dabei die Erzählung auf die Umkleide des Sportvereins. Dort, wo Menschen miteinander sprechen und auch ungezwungen zusammen duschen, entstehen hier im Film die Konflikte. Dieser Ort, der nach Schweiß und Männlichkeit riecht und auch von einem gewissen Posertum lebt, ist der ideale Handlungsort für den Gegenwind, der sich der jungen Liebe entgegenstellt. Diese wird dagegen an schönen, hellen Orten ausgelebt und lebt von ihrer Natürlichkeit und Offenheit. Die beiden Darsteller Tommes Diallo und Rafael Luis Klein-Heßling verkörpern die beiden mit ungekünstelter Leichtigkeit und schaffen es, zart und gleichermaßen selbstbewusst zu sein. Ihr authentisches Spiel passt sich gut an die realitätsnahe Erzählweise des Regisseurs an und eine Kameraarbeit, welche den Figuren – auch in der Enge der Kabine – Raum für freie Handlungen gibt. Zurecht erhielt Tommes Diallo den Preis als ‚Bester Schauspielnachwuchs‘, denn Paul Hodrychs Film lebt von dem starken Schauspiel aller Beteiligten und bietet mit diesem Film einen Anknüpfungspunkt für junge (vielleicht auch noch nicht geoutete) Menschen, welche hier Identifikationsfiguren und Ebenbilder finden können.

Deborah Bode

Tommes Diallo

Fazit: „Champions und Wir“ ist ein Kurzfilm von Paul Hordych, der auf einfühlsame Weise von einer ersten Liebe erzählt und wie sie aufgrund von Klischees, Stereotypen und toxischer Männlichkeit Gegenwind erhält. In einem authentischen Gewand und mit einem spielfreudigen Cast schafft der Regisseur einen nahbaren und schönen Film, der auch für junge (queere) Menschen Identifikationsfiguren bietet und so seinen Beitrag leistet in einem Bereich, wo es noch zu wenig Filme gibt.

Bewertung: 3,5/5

geschrieben von Doreen Kaltenecker

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