Sechs Fragen an Paul Hordych

Doreen Kaltenecker
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Harald Hordych

Interview: Im Gespräch mit dem Regisseur Paul Hordych konnten wir mehr über seinen Abschlussfilm „Champions und Wir“ erfahren, der auf der 47. Filmfestival Max Ophüls 2026 den Preis für den Besten Schauspielnachwuchs gewonnen hat. Er erzählt, wie die Idee zu dem 37-minütigen Film entstand, welche Rolle Fußball dafür spielte und auf was er bei der Besetzung wert gelegt hat. 

Wie ist die Idee zu Deiner Geschichte entstanden?

Das Thema Männlichkeit fasziniert und beschäftigt mich schon seit langem. Die Fußballkabine schien mir ein aussagekräftiger Stellvertreter für einen Ort zu sein, wo Männlichkeit in vielen Facetten aufeinander prallt und verschiedene Formen der Körperlichkeit existieren. Zwischen Intimität und Abgrenzung. Da ich selber lange Fußball gespielt habe, mag ich diesen Sport unfassbar gerne, der Menschen wunderbar zusammenbringen kann, aber andererseits auch so viel Hass, Sexismus und Homophobie hervorbringt. 

Wir wollten eine sanfte Geschichte zu diesem Thema machen und in Bildern von dem Gefühl erzählen, zwei Welten, die man lebt, miteinander zu verbinden, die auf den ersten Endruck nicht so gut zusammenpassen. 

In welchem Rahmen konntest Du Deinen Film realisieren?

Deborah Bode

Tommes Diallo

Der Film ist als Abschlussfilm der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF entstanden. Gemeinsam mit Len Reddemann (Produktion) und Deborah Bode (Bildgestaltung), die beide auch mit diesem Film ihren Abschluss an der Filmuniversität gemacht haben. 

Was lag Dir auf visueller Ebene am Herzen?

Wir haben uns im Team früh dazu entschieden, auf 16mm zu drehen. Eine ziemlich coole Erfahrung! Mit Deborah Bode habe ich mich schon Monate vor Dreh zusammen hingesetzt, um am visuellen Konzept zu arbeiten. Wir wollten den Figuren Raum geben, um sich zu entfalten und sie nicht durch zu enge Bildausschnitte in Situationen drängen, die inhaltlich direkt in Schubladen denken. Die Kamera arbeitet sehr beobachtend und die Idee war, lange Einstellungen zu kreieren, in denen die Figuren sich der Kamera nähern, wenn sie es wollen und nicht andersrum. 

Dein Cast ist sehr gut ausgewählt – Tommes Diallo gewann auch den Schauspielnachwuchs-Preis. Worauf hast Du bei der Besetzung Wert gelegt?

Deborah Bode

Tommes Diallo

Als Tommes Diallo zum Casting kam, hat es direkt Klick gemacht! Er versprühte so eine Natürlichkeit, die uns alle sofort begeistert hat. Da er auch vom Fußball kommt, konnten wir auch toll über die Sportebene des Films reden. Er hat genau das mitgebracht, was ich mir so doll gewünscht habe bei der Rolle: Eine Leichtigkeit und Lautheit, gepaart mit Sanftheit und Zerbrechlichkeit. Danach haben wir Konstellationscastings gemacht mit Tommy und Rafael Luis Klein-Hessling und den Schauspieler:innen, die die Eltern spielen sollten. Es musste menschlich einfach passen! Da wir auf 16mm gedreht haben, haben wir auch noch mehr Zeit und Mühe in den Probenprozess gesteckt. Ein ganzes Wochenende vor Dreh haben wir mit dem ganzen Cast die Szenen durchgespielt und besprochen. Durch diese Zeit, die wir in die Szenenentwicklung gesteckt haben, hat sich der Cast auch schon toll aufeinander eingestimmt und am ersten Drehtag kam es mir vor, als würden wir uns alle schon ewig kennen. Außerdem haben Knut Berger, Sascha Göpel und Gabriela Eva Lindl so eine Ruhe und Erfahrung mit ans Set gebracht, von der wir sehr viel mitnehmen durften! 

Kannst Du mir noch ein bisschen mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?

Deborah Bode

Rafael Luis Klein-Heßling und Tommes Diallo

2018 war ich Mitgründer des Filmkollektivs „Drehmetrie“ in München. Wir waren alle super jung und wollten unbedingt Filme machen. Das haben wir dann auch einfach gemacht. Mit dem, was wir halt irgendwie konnten. So haben alle mal alles gemacht! Vom Schauspiel über Kamera bis hin zur Montage. Mit 20 habe ich dann eine Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton begonnen, zwei Jahre später erfolgreich abgeschlossen, um dann im Herbst 2022 für das Regiestudium an der Filmuniversität Babelsberg nach Berlin zu ziehen.  

Sind bereits neue Projekte geplant?

Deborah Bode

Len Reddemann und ich waren 2025 Teil des Stipendiat:innenprogramms des Mediengründerzentrums NRW. Die darin geförderte Firmengründung geschieht mit der Zeitsprung Pictures und den MMC Studios in Köln. Unsere Firma Peak Point Pictures ist seit  Anfang Februar offiziell am Start mit Fokus auf europäisches und deutsches Debütkino und internationale Koproduktionen. 

Momentan schreibe ich an meinem Debütfilm. 

Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Champions und Wir

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