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Interview: Im Gespräch mit der Regisseurin und Illustratorin Gurli Bachmann konnten wir mehr über ihren Kurzfilm „Schleudergang“ erfahren, der auf dem 66. DOK Leipzig 2023 im Kinderprogramm lief, erfahren, wie die Idee dazu stand, was Corona zur Geschichte beigetragen hat und wie sie den Stil für den Film entwickelt hat.
Wie ist die Idee zu Deinem entzückenden Socken-Film entstanden?
Die Idee entstand tatsächlich, als nach einer Wäsche (in einem Waschsalon) eine Hose von mir verschwunden war. Erst war die Idee, zu erzählen, wo die Kleidungsstücke hingehen, und was mit ihnen passiert, wenn sie von der Waschmaschine verschluckt werden.
Doch mit der Zeit habe ich gemerkt, dass ich mich lieber auf die Beziehungen der Kleidungsstücke konzentrieren will und wie sie sich wohl fühlen, wenn sie in so einen Ausnahmezustand geraten und voneinander getrennt werden, ohne ein Mitspracherecht zu haben. Das war sicher auch geprägt davon, dass in der Zeit die ersten Corona-Lockdowns stattfanden.
Hattest Du bei der Realisierung Kinder als Zielgruppe im Blick?
Ja, der Film war von Anfang an als Kinderfilm geplant.
Kannst Du mir mehr zum Stil und zu den Animationen selbst erzählen?
Inspiriert wurde der Stil von anderen Filmen (wie z.B. „Roger Rabbit“), in denen eine Figur in einen Spielfilm hineinanimiert wird. Da es für mich aber einfacher war, mit statischem Bildmaterial zu arbeiten, habe ich mich entschieden, ‚nur‘ mit Fotografien zu collagieren. Auch habe ich mir sehr lange überlegt, wie sich die Socken bewegen können, was für Extremitäten sie haben, wie ihr Körper aussehen soll.
Gibt es Künstler:innen oder Filmemacher:innen, die Dich inspirieren?
Ich schaue mir immer sehr gerne die Werke von Hannah Jacobs [Anm. d. Red.: britische Illustratorin] an. Die leise Poesie ihrer Arbeiten finde ich wahnsinnig schön. Auch die Zeichnungen von Laura Carlin [Anm. d. Red.: britische Illustratorin, unter anderem von Kinderbüchern] sind immer wieder eine Inspirationsquelle.
Was lag Dir bei der Musik am Herzen?
Es gibt diese Sequenz am gegen Ende des Filmes, die sehr an die frühen Animationsfilm-Experimente des 20. Jahrhunderts erinnern. Bei diesen war die Musik immer auch ein wichtiges Thema. Und davon ausgehend wurde im Gespräch mit meiner Sounddesignerin klar, dass wir auch ein musikalisches ‚Socken-Thema‘ haben wollen. Sonst habe ich ihr aber auch sehr viel Raum gelassen, wie sie den Sound gestalten will.
Kannst Du mir noch ein bisschen von Dir erzählen und wie Du zum (Animations-)film gekommen bist?
Gestartet habe ich mit Illustration, ich habe das in Luzern in der Schweiz studiert. Nach dem Bachelor habe ich mich entschieden, noch einen Master anzuhängen und bin dafür nach Berlin gegangen. Ich konnte mich schon immer sehr für Animation begeistern, hatte aber eigentlich nicht geplant, dahin zu wechseln. Durch das Thema meiner Masterarbeit wurde es dann aber logisch, mit Animation zu arbeiten. Und seither habe ich nicht damit aufgehört. Es begeistert mich immer wieder, Zeichnungen zum Leben erwecken zu können.
Sind bereits neue Projekte geplant?
Mir schwirrt etwas im Kopf herum, aber es ist noch nicht wirklich ausgereift. Und es würde wohl auch ein etwas anderer Film werden, nicht mehr so klassisch auf Kinder ausgelegt. Es wäre etwas Dokumentarisches. Ist aber alles noch nicht spruchreif.
Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Schleudergang“