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Filmkritik: Der amerikanische Spielfilm „Wonka“ (OT: „Wonka“, USA/UK/Kanada, 2023) war der perfekte Weihnachtsfilm im Jahr 2023. Als ein Prequel zu dem bekannten Roman „Charlie und die Schokoladenfabrik“ von Roald Dahl und dessen Verfilmungen entführt er uns in eine Zeit, in der Willy Wonka noch sehr jung war und seinen eigenen Träumen nachjagte.
Der junge Willy Wonka (Timothée Chalamet) kommt mit wenig Geld, aber vielen Ambitionen in der großen Stadt an. Er will in der Galerie Gourmet sein Schokoladengeschäft eröffnen. Doch die drei Chocolatiers Slugworth (Paterson Joseph), Prodnose (Matt Lucas) und Fickerlgruber (Mathew Baynton), die nur an der Oberfläche Konkurrenten sind, arbeiten fortan gegen den Sonderling mit seinen besonderen Schokoladen. Außerdem unterzeichnete der Analphabet Wonka einen Vertrag in einer Pension, der ihn Einiges kosten wird. Doch zusammen mit dem Waisenkind Noodle (Calah Lane) und anderen, die dort gestrandet sind, arbeitet er an einem Fluchtplan und der Umsetzung seines Traums.
Der Spielfilm „Wonka“ ist ein gelungenes Prequel zu der bekannten Geschichte (1964) von Roald Dahl, die bereits 1971 mit „Charlie und die Schokoladenfabrik“ mit Gene Wilder in der Hauptrolle und 2005 von Tim Burton mit Johnny Depp in der Hauptrolle verfilmt wurde. Der erzählerische Reiz an „Wonka“ liegt auch am Prequel-Charakter. Der Regisseur Paul King, der zusammen mit Simon Farnaby das Drehbuch schrieb, fabuliert sich die Geschichte des jungen Willy zusammen, der mit seinem Schokoladen-Talent und vielen Träumen in die große Stadt kommt und sich dort zunächst einen Karriere und später die sagenumwobene Fabrik aufbauen will. Doch im Gegensatz zu den manchmal zynischen und bitteren Wonkas der Vorgänger, ist der junge Willy hier durch und durch ein Idealist. Passend zu seinem Charakter wird die Geschichte auch sehr märchenhaft, familienfreundlich (zuweilen war Burtons Version sehr erschreckend für Kinder) und kunterbunt erzählt. Dazu passt auch, dass der Regisseur der Paddington-Filme sich für eine Umsetzung als Musical entschied, was die wohlig warme Wirkung des Films noch verstärkt.
Die Gestaltung des Films ist perfekt für die kalte Jahreszeit. Es ist ein bonbonfarbenes Musical, das in höchsten Tönen den Wert von Freundschaft und Gemeinschaft lobt. Bestückt mit ein paar schönen Einfällen rund um die ungewöhnliche Schokolade, verzaubert der Film Jung und Alt. Ein Realismusanspruch oder ein komplett logisches Gerüst sind dementsprechend nicht relevant. Was hier zählt, ist das Herz. Das wird perfekt durch die stimmigen Songs, wie auch den großartigen Cast übertragen. Nach dem Verlassen des Kinos summt man noch lange die schmissigen Kompositionen von Joby Talbot. Die deutschen Übersetzungen funktionieren ebenso gut, auch wenn der Anspruch auf Lippensynchronität nicht gewährleistet wird. Die Hauptrolle übernahm der derzeit oft zu sehende Timothée Chalamet („Call Me by Your Name“ (2018), „Little Women“ (2019)), der hier endlich mal eine äußerst lebensbejahende, leichtfüßige Figur verkörpern darf. An seiner Seite sieht man viele eher unbekannte Gesichter, die aber ihre Rolle vollends ausfüllen. Bemerkenswert böse ist die Pensionsinhaberin Mrs. Schrubbes gelungen. Die von Olivia Colman („Broadchurch“ (2013-2017), „Fleabag“ (2016-2019), „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ (2019)) mit viel Spiellust verkörpert wird. Die andere auffällige Besetzung ist Hugh Grant („Sinn und Sinnlichkeit“ (1995)) als Oompa Lumpa, der sich im Alter immer mehr selbst aufs Korn nimmt oder, wie er selbst gesagt hat, das Geld braucht. So entstand ein rundherum gelungenes Musical mit viel Charme, Herz, auch kunterbunten Übertreibungen und natürlich einem schönen Happy End.
Fazit: „Wonka“ ist das Prequel des bekannten Buchs und dessen Verfilmungen „Charlie und die Schokoladenfabrik“. Der Regisseur Paul King und der Drehbuchschreiber Simon Farnaby haben ein Wohlfühl-Musical geschaffen. Mit schönen, eingängigen Songs und einem lebhaften Cast sowie einer durch und durch bonbonbunten, artifiziellen Welt erzählen sie ihre Geschichte mit viel Charme und Herz.
Bewertung: 8,5/10
Kinostart: bereits seit dem 7. Dezember im Kino
Trailer zum Film „Wonka“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- Wikipedia-Artikel über den Film „Wonka“
- Pop Culture Happy Hour, ‚‚Wonka‘ is a candy-coated prequel‘, npr.org, 2023
- Deutschlandfunk Nova – 1 Stunde Film, Anna Wollner & Tom Westerholt, ‚Boom Boom Bruno: Ex-Freunde als Vorbilder für Filmfiguren‘, deutschlandfunknova.de, 2023
- Vollbild Podcast, Susanne Burg, ‚Die Magie der Scholkoladenfabrik: Paul Kings Dahl-Verfilmung „Wonka“‘, deutschlandfunk.de, 2023
- Maxi Braun, ‚Kritik zu Wonka‘, epd-film.de, 2023


