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Filmkritik: Die Dokumentation „Atomnomaden“ (OT: „Nomades du Nuclaires“, Deutschland, 2023) von Kilian Armando Friedrich und Tizian Stromp Zargari erzählt von Arbeitsnomaden in Frankreich, welche von Reaktor zu Reaktor ziehen und wie sie dazwischen von ihrer Zukunft träumen.
Frankreich besitzt 56 Kernkraftwerke. Viele davon müssen saniert werden. Die Arbeiter Marie Lore und Florian, die auch ein Paar sind, sowie Vincent und Jérôme ziehen dabei häufig von einem Standort zum Nächsten. Sie sind Arbeiter:innen, die dafür zuständig sind, dass die Kraftwerke erneuert und instand gehalten werden. Dabei lohnt sich ein häufiges Reisen besonders aufgrund der Pauschalen. Denn eins haben sie alle gemein: Sie machen den Job wegen der sehr guten Bezahlung, um sich ihre Träume zu erfüllen: Während das Paar sich eine gemeinsame Zukunft aufbauen will, will Jérôme gut für seine Familie sorgen und Vincent baut schon an seinem eigenen Haus.
Der Regisseur Kilian Armando Friedrich, der an der Grenze von Deutschland und Frankreich aufgewachsen ist, unternahm immer viele Radtouren in der Gegend. Diese führten ihn auch zu dem Atomkraftwerk in Cattenom. Eines Tages entdeckte er davor Campingwagen, empfand das als ein seltsames Bild und wollte mehr über die Menschen erfahren, die hier ihr Lager aufschlagen. Zusammen mit dem Regisseur Tizian Stromp Zargari hat er die Atomnomaden kennengelernt und sie haben sie eine zeitlang begleitet. Dabei wurden sie zusammen mit dem Kameramann Jacob Kohl selbst zu Nomaden, welche in einem Camper die Kraftwerke abklapperten und hofften auf ihre Protagonisten zu treffen. So schafft es der Film ein gutes Gefühl zu vermitteln, wie sich Arbeitsnomaden fühlen und wie einem das ständige Unterwegssein auch zusetzen kann. Die beiden gehen dabei in eine beobachtende Position, lassen den Figuren viel Freiraum und Möglichkeiten von sich und ihren Träumen zu sprechen. Ganz klar ist: Niemand macht den Job, weil es Freude bringt, sondern gutes Geld, womit man sich das Leben finanziert, was man eigentlich führen will. Das birgt eine gewisse Bitterkeit und macht die Tragik unseres heutiges Arbeitsleben spürbar. Die Filmaufnahmen sind dabei immer nah an den Protagonisten dran, schweifen aber dann doch von Zeit zu Zeit ab und zeigen die Landschaften, in denen die riesigen Anlagen stehen und immer wieder werden die Camper davor eingefangen. Was „Nomadland“ (2020) von Chloé Zhao als amerikanischer Spielfilm erzählt, passiert auch in unserem Nachbarland Frankreich – nur in einem kleineren Maßstab. Der Dokumentation verdanken wir dieses Wissen und einen gelungenen Einblick in diese besondere Arbeitswelt, die geprägt ist von Reisen, Monotonie und der stetigen Gefahr einer Verstrahlung.
Fazit: „Atomnomaden“ von Kilian Armando Friedrich und Tizian Stromp Zargari ist eine Dokumentation, mit der das Publikum das Leben und Arbeiten der Arbeitsnomaden in den französischen Kraftwerken kennenlernt. Der Film erzählt von den Arbeitsbedingungen, den Träumen der Arbeiter und ihrem Leben, bei dem sie ständig unterwegs sind. Die beiden schaffen es, in 73 Minuten einen guten Einblick zu geben, in diese Art von Leben und Arbeiten.
Die nächsten Vorstellungen des Films „Atomnomaden“:
- 25. April 2024 im Weltkulturerbe Völklinger Hütte
- 27. April 2024 im Kino 8 1/2 in Saarbrücken
Bewertung: 8/10
Kinostart: unbekannt
Trailer zum Film „Atomnomaden“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 45. Filmfestival Max Ophüls Preis 2024 – Katalog (Programm ‚MOP Watchlist‘)
- 73. Berlinale 2023 – Katalog (Programm ‚Perspektive Deutsches Kino‘)
- Doreen Kaltenecker, ‚Neun Fragen an Kilian Armando Friedrich‘, testkammer.com, 2024
- Wikipedia-Artikel über den Film „Nomades du nucléaire“
- Eintrag des Films „Atomnomaden“ bei der Kinotournee des Deutschen Kurzfilmpreises
- Lida Bach, ‚Nuclear Nomads – Kritik‘, moviebreak.de, 2023
- Sarah Koblmüller, ‚Nuclear Nomads‘, subtext.at, 2023