„Ungewollte Verwandtschaft“ (2024)

Doreen Kaltenecker
Letzte Artikel von Doreen Kaltenecker (Alle anzeigen)

Kurzfilm / Deutschland / Dokumentation / 2024

Filmkritik: In seinem neuesten Kurzfilm „Ungewollte Verwandtschaft“, der seine Weltpremiere auf der 73. Berlinale 2024 im Rahmen der ‚Berlinale Shorts‘-Sektion feierte, beschäftigt sich Pavel Mozhar („Handbuch“ (2021)) mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine von einem persönlichen Standpunkt aus.

Ein halbes Jahr nach dem Beginn der Invasion ziehen sich die Truppen zurück und zeigen ein verheerendes Bild der Verwüstung. Menschenrechtsorganisationen und Journalist:innen führen Interviews mit den Bewohner:innen und decken so die systematische Vorgehensweise der Soldaten auf, welche nicht nur Chaos verbreiten wollten, sondern die nationale Identität der Ukrainer zu zerstören versuchen. 

Die Aussagen der Interviews werden von zwei Sprecher:innen aus dem Off vorgetragen. Die Sätze sind prägnant und zeichnen ein einheitliches, erschreckendes Bild. Gleichzeitig vernehmen wir auch die Gedanken des Regisseurs Pavel Mozhar, der in Belarus aufgewachsen ist, und sich fragt, wie es ihm ergangen wäre, wenn er selbst in seinem Heimatland geblieben wäre? Hat bereits die Schulbildung auch eine gewisse Militarisierung beinhaltet? Was ihm als Kind wie normale Spiele vorkam, erscheint ihm heute in einem anderen Licht.

Filmemacher:innen von Ungewollte Verwandtschaft auf der 73. Berlinale

Hinzu kommen Bilder, welche anhand zweier Schauspieler:innen Vorgehensweise nachspielen oder im Sandkasten Situationen der Invasion mit 3D-Modellen nachempfinden. Dabei passt der Sandkasten als Kinderspielplatz gut zu den Gedanken des Regisseurs, der auch von seiner Kindheit berichtet und das in einen Kontrast zu den Kriegsgeschehnissen stellt. Auch hat er in diesem Film, anders als in seinem Kurzfilm „Handbuch“, seine Wohnung verlassen und an diversen Schauplätzen in Berlin gedreht. Doch die Erzählweise ist dabei ähnlich. Die Schilderungen aus dem Off sind teilweise schwer zu ertragen und so bekommen die sachlich arrangierten Bilder ein anderes Gewicht. Zusätzlich baut er hier den Entstehungsprozess selbst ein, was noch einmal den individuellen Ansatz unterstützt.

Fazit: „Ungewollte Verwandtschaft“ ist der zweite Kurzfilm des Regisseurs Pavel Mozhar. In 30 Minuten Länge erzählt er aus seiner Perspektive und mit den Schilderungen von Ukrainer:innen von dem russischen Angriffskrieg, welche Spuren der Verwüstung sie hinterlassen haben und inwieweit dahinter ein System steckt und findet dafür wieder stimmige Filmaufnahmen, in dem er seine eigene Umgebung als eine Art Bühne verwendet.

Bewertung: 7,5/10

Trailer zum Kurzfilm „Ungewollte Verwandtschaft“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

Kommentar verfassen