Sieben Fragen an Ani Mrelashvili

Doreen Kaltenecker
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Interview: Im Gespräch mit der Regisseurin Ani Mrelashvili („1 Kilo – 3 Euro“ (2022)) konnten wir mehr über ihren Kurzfilm „Trains passing“, der im Programm des 24. Landshuter Kurzfilmfestivals 2024 lief, erfahren, wie sie die Rollen auf unterschiedliche Weise besetzt hat und ob die Gedichte, in dem Film, alle aus ihrer Hand stammen.

Wie ist die Idee zu dem Kurzfilm entstanden?

Von klein auf bin ich zweimal die Woche nach der Schule in eine Schreibwerkstatt gegangen, wo wir Kinder an einem großen Tisch saßen und Kurzgeschichten schrieben. In diesem Raum ist etwas Besonderes entstanden: eine intime Atmosphäre und Absurdität, die dem Schreiben folgt, wenn man komplett in eigene Gedanken versinkt. Oft offenbart man mit einem kurzen Satz oder kleinen Gedicht viel über sich selbst.

In diesem Film klingelt jemand an der falschen Tür und bringt den Großstadtlärm und den Alltag mit sich. Mich interessiert, wie die Realität und Poesie aufeinander treffen und was daraus entsteht.

Stammen alle vorgetragenen Gedichte aus Deiner Hand? 

Einige Gedichte habe ich geschrieben, aber die meisten kommen von den Schauspieler:innen selber. Während des Drehs, muss man zwischen den Takes immer viel warten. Das Licht wird aufgebaut, die Requisite richtet ein und alles muss stimmen, bis es drehbereit ist. In diesen Zwischenmomenten haben die Schauspieler:innen angefangen Gedichte zu schreiben. Als ich das am letzten Tag bemerkte, bin ich zu Pablo (Kameramann) gegangen und wir haben spontan entschieden, ihre Gedichte mit aufzunehmen. Das war so etwas wie dokumentarisches Glück im Spielfilm. Ich finde schön, dass die Gedichte wirklich von diesen Menschen kommen und ich denke, man spürt auch, dass sie zu ihnen passen.

Was lag Dir visuell am Herzen?

Uns war wichtig, die Charaktere gut spürbar zu machen und die visuelle Sprache haben wir danach ausgerichtet. 

Außerdem sollte es ein warmer und gemütlicher Ort sein, wo die Gruppe sich versammelt. Maria und Ramona (Szenografinnen) haben ein leeres Arbeitszimmer in ein gemütliches Wohnzimmer verwandelt. Der Gegensatz dazu sollte die leere Wohnung sein, wo es aber trotzdem möglich ist, sich was Schönes vorzustellen.

Der Cast ist sehr gut ausgewählt – habt ihr einen klassischen Castingprozess gemacht? Was war Dir bei der Wahl der Darsteller:innen wichtig?

Der Casting-Prozess war lang und herausfordernd, da wir so viele Rollen zu besetzen hatten. Für mich war es wichtig, unterschiedliche Menschen zu finden, wie man es aus der Großstadt kennt. Den Werkstattleiter Otto kannte ich aus einem vorigen Film, Lanna ist eine Freundin von mir, Luca hat Schauspiel an meiner Uni studiert, Stefan und Alejandro habe ich über Castingportale gefunden.

Der unerwartete Besucher fiel am Tag davor wegen Covid aus und ich habe meinen Bruder überzeugt, diese Rolle zu spielen. Ich bin sehr glücklich, dass er so gut in die Rolle hineingefunden hat.

Dein letzter Kurzfilm „1 Kilo – 3 Euro“ war dokumentarisch. Jetzt hast Du einen Spielfilm realisiert – kannst Du schon sagen, was Dir mehr liegt?

Ich fand beide Erfahrungen toll und ich hoffe, dass ich in der Zukunft die Möglichkeit haben werde, weiterhin beides zu machen. Beim dokumentarischen Film hat man mehr Freiheit und kann mit einem kleinen Team arbeiten, was beim Spielfilm nicht so gut machbar ist. Aber mit Schauspieler:innen zu arbeiten und das Drehbuch zu beleben macht mir auch viel Spaß.

Kannst Du mir noch etwas mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?

Ich wollte lange Zeit Schauspielerin werden. Dann bin ich aus Georgien zum Studieren nach Deutschland gekommen und habe in Berlin Literatur studiert. Währenddessen blieb das Interesse am Film. Meine Tante ist auch Filmemacherin und ich hatte die Möglichkeit bei ihrem Film mitzuarbeiten und Set-Erfahrung zu sammeln. In der Zeit habe ich auch bei ein paar anderen Projekten in Georgien als Script Continuity gearbeitet. Nach diesen Erfahrungen beschloss ich, mich für Regie zu bewerben und das hat dann geklappt.

Sind bereits neue Projekte geplant?

Im Rahmen eines Austauschs habe ich mit dem gleichen Team einen Kurzfilm in North Carolina, USA gedreht. Gerade sind wir im Schnittprozess und freuen uns auf die Fertigstellung. Es geht um eine Frau, die in eine fremde Stadt kommt und dort einen Tag verbringt. 

Im Sommer werde ich in Georgien einen Dokumentarfilm drehen, womit ich mein Studium abschließe.

Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Trains passing

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