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Interview: Im Gespräch mit der niederländischen Regisseurin Marthe Peters konnten wir mehr über ihren Kurzfilm „Baldilocks“ (OT: „Kaalkapje“) erfahren, der im ‚Berlinale Shorts‘-Programm der 74. Berlinale 2024 lief, wie es war, die Filmaufnahmen ihrer Familie selbst zu entdecken und warum es ihr wichtig war, so offen über sehr persönliche Themen zu sprechen.
The original english language interview is also available.
„Kaalkapje“ ist ein sehr persönlicher Film – wie entstand die Idee, Deine aktuellen Gedanken mit den Aufnahmen Deines Vaters zusammenzubringen?
Der Ausgangspunkt für „Kaalkapje“ war eine Vielzahl von Themen, über die ich sprechen und sie weiter erforschen wollte. Als ich damit begann, wurde mir klar, dass die einzige Möglichkeit, die verschiedenen Geschichten zusammenzubringen, darin bestand, über meine Erfahrungen mit Krebs als Kind zu sprechen. Dann fand ich heraus, dass mein Vater einen großen Teil meiner Kindheit gefilmt hatte, und so kamen die Vergangenheit und die Gegenwart zusammen.
Wie war es, selbst das Material für Dich zu entdecken?
Es war wirklich schön, meine Eltern als junge Menschen kennenzulernen, die herausfinden, wie sie mit allem umgehen, was das Leben so mit sich bringt. Auch wenn die Bilder schwierige Zeiten zeigen, wird deutlich, dass ich eine glückliche Kindheit hatte, umgeben von positiven Menschen. Außerdem ist es eine schöne Sache, eine viel jüngere Version von sich selbst kennenzulernen, an die man sich nicht mehr erinnern kann.
Was bedeutet der Titel?
„Kaalkapje“ bedeutet frei übersetzt „Kahlkäppchen“, eine Märchenfigur, bei der ein Teil des Namens durch ‚kahl‘ ersetzt wird. Auf Niederländisch nennt mich mein Onkel scherzhaft Rotkäppchen und merkt dann, dass ich keine Haare habe, und nennt mich deshalb scherzhaft Kahlkäppchen. Mir gefiel der märchenhafte Aspekt des Spitznamens, also habe ich ihn übernommen.
Neben den Kindheitsbilder schaffst Du eigene Bilder – welchen visuellen und kreativen Ansatz hast Du?
Immer wenn ich mich nicht in der Lage fühle, ein Thema mit Worten zu behandeln, beginne ich, es auf visuelle Weise zu erforschen. In der Regel entstehen dabei Assoziationen und Bilder, die ich zu einem bestimmten Thema in meinem Kopf sehe. Auch wenn ich vielleicht nicht genau weiß, was ich mit Worten über ein Thema ausdrücken möchte, weiß ich, dass ich Bilder dazu machen kann, und vertraue darauf, dass die beiden irgendwie zusammenkommen werden.
War Dir immer klar, dass Du den Film mit einem Voice-Over begleiten willst, dabei u.a. so offen über Dein Sexualleben reden möchtest?
Ja, das Voice-over ist für mich der beste Weg, um geschriebenen Text und Bilder zusammenzubringen. Sehr offen über meine Gedanken und Gefühle zu sprechen, hat sich für mich nie als Herausforderung angefühlt, da ich Filme meist für mich selbst mache, ohne ein Publikum im Sinn zu haben. In dem Film spreche ich über eine Reihe von Themen, die meiner Meinung nach unterrepräsentiert sind, wie Depressionen, das Leben mit falschen Zähnen und Schwierigkeiten mit der Sexualität. Ich habe den Film gemacht, weil ich keine anderen Medien finden konnte, die diese Themen in einer Weise behandeln, die ich wiedererkenne.
Sind bereits neue Projekte geplant?
Ich bin gerade dabei, mein nächstes Projekt zu starten, aber es ist noch sehr früh.
Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Übersetzung von Michael Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Baldilocks“
Interview: In our conversation with Dutch director Marthe Peters, we learned more about her short film „Baldilocks“ (OT: „Kaalkapje“), which screened in the ‚Berlinale Shorts‚ program of the 74th Berlinale 2024, what it was like to discover the footage of her family herself and why it was important for her to speak so openly about very personal topics.
„Kaalkapje“ is a very personal movie – how did the idea of bringing your current thoughts together with your father’s footage come about?
The starting point for „Kaalkapje“ was a multitude of themes I wanted to talk about and explore further. As I started doing that, it became apparent that the only way to bring the different stories together was to talk about my experience with cancer as a child. I then found out my father had filmed a big part of my childhood, and that is how the past and the present came together.
What was it like to discover the material for yourself?
It was truly lovely to get to know my parents as young people, figuring out how to handle everything life throws at them. Even though there are difficult times captured in these images, it’s really apparent that I had a happy childhood, surrounded by positive people. Also, it’s a beautiful thing to get to know a much younger version of yourself that you don’t remember being.
What does the title mean?
„Kaalkapje“ translates loosely to „Baldilocks“, a fairytale protagonist where one part of their names is substituted by ‚bald‘. In Dutch, my uncle jokingly calls me Red Riding Hood and then realizes I don’t really have hair, and thus jokingly calls me Bald Riding Hood. I loved the fairytale aspect of the nickname, so I ran with it.
In addition to the childhood images, you create your own images – what is your visual and creative approach?
Whenever I don’t feel ready to tackle a subject or theme with words, I start exploring it in a
visual way. Usually, I derive from associations and images I see in my head regarding a certain theme. So while I may not exactly know what I would like to verbally express about a subject, I know I can make images about it and trust that the two will somehow come together.
Was it always clear to you that you wanted to accompany the film with a voice-over, including talking so openly about your sex life?
Yes, the voice-over for me is the best way to bring written text and images together. Being very open about my thoughts and feelings has never felt like a challenge for me, as I mostly create films for myself, without an audience in mind. In the film, I talk about a couple of themes that I feel have been underrepresented, like depression, living with fake teeth and difficulties around sexuality. I made the film because I couldn’t find any other media talking about these themes in a way that I recognised.
Are there any new projects planned?
I’m currently starting up my next project, but it’s still very early.
Questions asked by Doreen Kaltenecker
Read on the german review of the short film „Baldilocks„

