„Ein Glücksfall“ (2024)

Doreen Kaltenecker

Filmkritik: „Ein Glücksfall“ (OT: „Coup de Chance“, USA/Frankreich/UK, 2024) ist der  mittlerweile 50. Woody-Allen-Film und nach eigenen Aussagen des 88-jährigen auch sein letzter Film. Nach ein paar schwächeren Filmen gelang ihm hier einer, der wieder seine für ihn typischen charmanten Züge und auch bissigen Humor erkennen lässt.

Fanny (Lou de Laâge) führt ein behütetes Leben mit ihrer Arbeit in einem Pariser Auktionshaus und mit ihrem Ehemann Jean (Melvil Poupaud), der Wohlstand und die Unbeschwertheit, aber auch eine gewisse Dominanz von Seiten ihres Mannes mit sich brachte. Als sie eines Tages ihrem Schulfreund Alain (Niels Schneider) begegnet, stürzt sie sich Hals über Kopf in die Affäre mit dem Künstler. Als dieser eines Tages verschwindet, vermutet ihre Mutter Caroline (Elsa Zylberstein) mehr dahinter, als sie selbst glauben mag. 

Melvil Poupaud und Lou de Laâge

Der 1935 geborene Regisseur, Schauspieler und Drehbuchautor Woody Allen hat sich seit den 70er Jahren einen Namen mit romantischen Komödien wie „Der Stadtneurotiker“ (1977) und „Vicky Cristina Barcelona“ (2008) gemacht. Immer wieder baute er dabei Elemente aus anderen Genres, wie Krimis („Match Point“ (2005)) und Fantasy („Midnight in Paris“ (2011)), ein. Auch hat er viele seiner aktuelleren Filme nicht in Amerika realisiert, sondern in Europa. All das spielt auch bei seinem neuesten Film eine Rolle. Der nach eigener Aussage des 88-jährigen letzte Film ist per se eine Liebesgeschichte über eine Frau zwischen zwei Männern. Doch ein Mordfall ändert die Fahrtrichtung und zu den Slapstick-Elementen kommen auch ernste und bedrohliche Töne hinzu. So erleben wir eine knackig kurze Komödie, deren Ende nicht vorhersehbar ist, aber dann als beste Pointe im ganzen Film funktioniert. 

Lou de Laâge und Niels Schneider

Auch diesen Film hat er in Europa, genauer gesagt in Frankreich, inszeniert und greift dabei auch auf einen rein französischsprachigen Cast zurück. Mit dem richtigen Gespür für die mondäne Welt der Reichen und der sommerlichen Verliebtheit, aber auch Freude an Übertreibungen schuf er die Bilder für seinen 50. Spielfilm. Dabei fallen die schönen und stets perfekten Spielorte genauso auf wie die warmen Farben und Ausleuchtungen. So schön wie die Locations sind auch die Darsteller:innen, allen voran Lou de Laâge als unstete Fanny. Leider schwingt aber durch dieses noble Leben und auch die Unentschlossenheit der Hauptdarstellerin wenig Sympathie für alle Figuren mit. So hält sich die Anteilnahme wie auch die Spannung in Grenzen. Zudem spielen alle, wie man es aus diversen Allen-Filmen kennt, etwas zu exaltiert, was aber in diesem Fall leicht als Snobismus ausgelegt werden kann. Doch rundherum passt alles gut zueinander. So entstand ein solider, wenn auch nicht mit seinen Meisterwerken vergleichbarer Spielfilm, der gut unterhalten kann.

Lou de Laâge

Fazit: „Ein Glücksfall“ ist der vermutlich letzte Film des mittlerweile 88-jährigen Regisseurs Woody Allen. Er vereint dabei viele bekannte Elemente seines Œuvres und erzählt von einer Affäre und einem Mord in schönsten Bildern und mit geschliffenen, unterhaltsamen Dialogen.

Bewertung: 7/10

Kinostart: 11. April 2024

Trailer zum Film „Ein Glücksfall“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

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