- Jetzt in der Mediathek! – Der Film „Marina“ - 15. März 2026
- Sieben Fragen an Florian Moses Bayer - 12. März 2026
- „Die gemeinen Kleinigkeiten“ (2026) - 12. März 2026
Filmkritik: Der Spielfilm „I.S.S.“ ( OT: „I.S.S.“, USA, 2023) von Gabriela Cowperthwaite, dessen Drehbuch lange als unverfilmbar galt, besitzt ein spannendes Ausgangsszenario, das aber sein volles Potential nicht auszuschöpfen weiß.
Zusammen mit ihrem erfahrenen Kollegen Christian Campbell (John Gallagher Jr.) reist die Biologin Dr. Kira Foster (Ariana DeBose) auf die Internationale Raumfahrtstation (I.S.S.). Vor Ort sind bereits der amerikanische Kollege Gordon Barrett (Chris Messina) und die drei russischen Wissenschaftler:innen Weronika (Masha Mashkova), Alexey (Pilou Asbæk) und Nicholai (Costa Ronin). Noch bevor sich Kira richtig einleben kann, werden sie alle Zeugen davon, dass es auf der Erde zu Vorfällen kommt. Bald trudeln Befehle der jeweiligen Regierungen ein, dass die Landsmänner und -frauen die Kontrolle über die Raumstation übernehmen sollen. Doch wie soll man auf so engem Raum ohne Ahnung, was genau auf dem Heimatplaneten passiert ist, diese Situation lösen und zu welchen Mitteln sollte man greifen?
Das Drehbuch von Nick Shafir entstand weit vor dem russischen Angriffskrieg, galt lange als unverfilmbar und landete sogar auf der Black List der besten unverfilmten Ideen Hollywoods. Jetzt hat sich Gabriela Cowperthwaite dieses Stoffes angenommen und scheint nach so kurzer Zeit schon nicht mehr nur wie Science-Fiction. Als Nick Shafir das Drehbuch schrieb, schien ein Krieg dieser beiden Nationen unwahrscheinlich, aber jetzt wirkt es irgendwie zu nah dafür, dass es dann doch nicht erklärt oder ausformuliert wird. Denn eigentlich erfährt man nicht viel von der Erde, alle Ereignisse werden nur mit wenigen Informationen in Gang gesetzt. Da scheinen sich auch gleich die ersten Fehler in das Skript einzuschleichen. Würde Vaterlandsliebe wirklich so schnell eskalieren? Würde eine eingeschworene Gemeinschaft so schnell zu drastischen Mitteln greifen? Würde man ohne weitere Informationen zur Erde zurückkehren? So sind einfach zu viele Fragen über das Handeln der Personen im Kopf, als dann man sich vollständig auf die an sich spannende Geschichte einlassen kann, denn oft erahnt man, wer wie handelt und fragt sich, wenn das Publikum das sehen kann, wieso sehen sie es nicht?
Optisch ist der Film sehr gut gelungen und benutzt die I.S.S. wunderbar als Kulisse für ihr mörderisches Kammerspiel, bei dem es kein einfaches Entkommen geben kann. Dabei wurde die internationale Raumstation sehr getreu wiedergeben und besticht mit einem Inside-Look, der gerade Freunde der Raumfahrt begeistern könnte. Dabei braucht es auch nur wenige Aufnahmen der Erde im Krieg und Außenaufnahmen, denn alles soll sich in der klaustrophobischen Enge der Station abspielen. Die Spezialeffekte sind gut gemacht und runden den Gesamteindruck ab. Kameraführung und Musik schmiegen sich an die Location an. Der Film ist auch toll besetzt, allen voran Ariana DeBose ( „The Prom“ (2020), „West Side Story“ (2021)) als Identifikationsfigur und Sympathieträgerin. Der restliche Cast ist international aufgestellt, so übernimmt unter anderem der dänische Schauspieler Pilou Asbæk („A War“ (2015), „Ghost in the Shell“ (2017), „Operation Overlord“ (2018)) die Rolle von Alexey Pulov. Chris Messina („Devil – Fahrstuhl zur Hölle“ (2010), „Argo“ (2012), „The Boogeyman“ (2023)) und John Gallagher Jr. („10 Cloverfield Lane“ (2016)) sind ebenfalls bekannte Gesichter und spielen ihre Rolle genauso gut wie der restliche Cast. Doch leider sind alle im starren Korsett des Drehbuchs und auch der Stereotypisierung gefangen, so dass wenig Sympathie und auch wenig Spannung aufkommt. Das Potential, was die Location und die Konstellation mit sich bringt, wurde leider nicht ausgeschöpft, so dass der Film auch sehr sang- und klanglos aus den deutschen Kinos verschwand.
Fazit: „I.S.S.“ ist ein Spielfilm von Gabriela Cowperthwaite, der ein spannende Ausgangssituation, ein tolles Setting und einen gut ausgewählten Cast besitzt, aber es leider nicht schafft, ein souveränes, auch nachvollziehbares Kammerspiel zu sein, der sich mit (moralischen) Fragen genauso beschäftigt wie mit dem Miteinander in Extremsituationen und auf engstem Raum.
Bewertung: 5,5/10
Kinostart war am 18. Juli 2024
Trailer zum Film „I.S.S.“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- Wikipedia-Artikel über den Film „I.S.S.“
- Oliver Armknecht, ‚I.S.S.‘, film-rezensionen.de, 2024
- Lida Bach, ‚I.S.S. – Kritik‘, moviebreak.de, 2024