„Valentina and the MUOSters“ (2024)

Doreen Kaltenecker
Letzte Artikel von Doreen Kaltenecker (Alle anzeigen)

Filmkritik: Die italienische Dokumentation „Valentina and the MUOSters“ (OT: „Valentina e i MUOStri“, Schweiz/Italien, 2024) von Francesca Scalisi, die ihre Premiere auf dem 67. DOK Leipzig 2024 feierte, erzählt die Geschichte von Menschen, deren Stimmen im Angesicht der großen Weltlage nicht gehört werden. 

Die 26-jährige Valentina wohnt mit ihren Vater Salvatore und ihrer Mutter Fida im sizilianischen Niscemi. Dieses nur 25.000 Einwohner:innen zählende Städtchen gelangte zu einer gewissen Berühmtheit, als die amerikanische Armee dort 2016 riesige Parabolantennen für ihr Satellitenkommunikationssystem MUOS aufstellte. Die Bewohner:innen des Ortes wurden nicht gefragt und protestieren seit diesem Tag dagegen, denn die elektromagnetischen Wellen scheinen gesundheitliche Schäden zu verursachen. Salvatore leidet bereits darunter, so dass er auf die Hilfe seiner erwachsenen Tochter angewiesen ist.

Die aus Italien stammende Filmemacherin Francesca Scalisi erfuhr von den Antennen auf Sizilien und begab sich vor Ort, um von den Menschen, welche unter diesen leiden, mehr zu erfahren. Gleich die erste Familie, die sie traf, war die Familie von Valentina. Die Drei wohnen zusammen im Haus der Eltern, während die ältere Schwester Elena bereits ein eigenes Leben aufgebaut hat. Das Publikum begleitet zusammen mit der Regisseurin Scalisi die Familie bei ihrem alltäglichen Zusammensein. Wir sind dabei, wenn Valentina Fahrdienste für den Vater erledigt, wie sie sich für ein Bewerbungsgespräch übt – da Valentina bisher noch keinen Beruf ausübt – und wie sie ihrem Hobby dem Häkeln von Blumen nachgeht. Der Regisseurin lag es am Herzen, den Kontrast dieses einfachen Lebens im Gegensatz zu den weltpolitischen Geschehnisse nebenan zu verknüpfen und zu zeigen, dass der normale Mensch dabei keine Beachtung bekommt und auch nichts ausrichten kann. Aber der Film erzählt noch ein wenig mehr. Er berichtet von der Lethargie, die sich einschleichen kann, wenn man zu lange im Elternhaus bleibt und er zeigt, wie auch ein liebender familiärer Rahmen die eigene Entwicklung begrenzen kann. Ganz unweigerlich möchte man Valentina als Zuschauer:in anstupsen, damit sie ein unabhängiges Leben beginnt. So zeigt der Film auch gut, wie man diesen Schritt in die Selbstständigkeit verpassen kann und dann ein großes Verantwortungsgefühl für die Eltern alles überlagert. Am Ende des Films gibt es keinen Ausblick auf die Zukunft, aber ein bedrückendes Gefühl, denn Valentina wird vielleicht nicht nur den Protest gegen die MUOS verlieren. Inszenatorisch arbeitet der Film dabei mit reinen Beobachtungen und ohne Interviews. Man merkt, dass die Regisseurin Scalisi sich der Familie vorher gut angenähert hat, da ihre Kamera scheinbar unbemerkt bleibt. Auch erzählt sie in Zwischenszenen von dem Ort selbst und der Naturverbundenheit der Familie, in dem sie den alten Baum, der in der Nähe des Hauses der Familie steht und von Valentina mit Blumen geschmückt wird, immer wieder auch visuell einfängt. 

Fazit: „Valentina and the MUOSters“ ist eine Dokumentation von Francesca Scalisi, die von dem Ort Niscemi in Sizilien berichtet, der von einem ruhigen, beschaulichen Ort zu einem Standpunkt von geopolitischer Bedeutung wurde. Anhand einer Familie erzählt sie vom Leben vor Ort und porträtiert dabei vor allem Valentina und wie diese bisher verpasst hat, ihr eigenes Leben aufzubauen. So ist der Film, der auf reine Beobachtungen setzt, auf viele Arten zu lesen, ein vielschichtiges Porträt eines Ortes und einer jungen Frau. 

Bewertung: 7/10

Kinostart: unbekannt

Trailer zum Film „Valentina and the MUOSters“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

Kommentar verfassen