„Gotteskinder“ (2024)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Der deutsche Spielfilm „Gotteskinder“ (Deutschland, 2024) von Frauke Lodders, der auf dem 45. Filmfestival Max Ophüls Preis 2024 seine Premiere feierte und mit dem Preis der Jugendjury ausgezeichnet wurde, erzählt eine aufwühlende Geschichte aus dem Herzen einer evangelikalen Freikirche und stellt zwei junge Menschen in das Zentrum der Geschichte.

Die Freikirche, alle Rituale und der starke Glaube gehören für die Teenagerin Hanah (Flora Li Thiemann) und ihren jüngeren Bruder Timotheus (Serafin Mishiev) genauso zur Familie wie ihre Eltern (Bettina Zimmermann und Mark Waschke). Gerade Hannah, die sich auch sehr in der Kirche engagiert, scheint nichts in ihrem Glauben erschüttern zu können und sie vertritt mit aller Entschiedenheit das Keuschheitsgelübde. Doch dann taucht Max (Michelangelo Fortuzzi), der Nachbarsjunge, auf und bringt sie völlig durcheinander. Will er sie vom Weg abbringen oder kann sie ihn von ihrem Glauben überzeugen? Auch Timo kämpft mit seinen Gefühlen. Er hat sich in seinen Freund Jonas (Lennox Halm) verliebt und da das nicht sein darf, schreibt er sich selbst beim Seelsorgeseminar ein, welches ihn von seinen homosexuellen Leiden befreien soll.

Serafin Mishiev

Frauke Lodders zweiter Spielfilm (nach ihrem Studienabschluss), für den sie lange recherchiert und auch das Drehbuch dafür geschrieben hat, nimmt das Publikum mit in eine fiktive, evangelikale Freikirche in Deutschland. Diese Art von Glaubensgemeinschaften und auch die Umerziehungscamps würde man als unwissender Zuschauende eher in den USA vermuten. Das erging der Regisseurin genauso, um so erstaunter war sie darüber, was ihre Recherchen an den Tag brachten. Sie selbst sagt sogar, dass sie die Anziehung dieser Gemeinden verstehen kann, da sie diese für ihre Recherche auch mehrfach besucht hat. Doch das, was sie zeigt, ist nicht anziehend. Zwar sind die Familien und die Kinder alle durch ihren Glauben verbunden, aber der Druck, der durch die vielen, äußerst konservativen Regeln und Vorstellungen vorherrscht, ist immens. An zwei fiktiven Beispielen schildert Lodders, wie sich der Glauben in etwas Schädliches umkehren und die natürliche Entwicklung von jungen Menschen so stark beeinträchtigen kann, dass sie damit nicht weiterleben können. Dabei erzählt die Regisseurin die Geschichte konsequent weiter, so dass am Ende das Publikum (zu recht) erschüttert ist. 

Bettina Zimmermann und Flora Li Thiemann

Inszeniert hat sie das dabei sehr realitätsnah. Sie zeigt die wohlhabenden Familien in ihren schönen Heimen und bei den freudigen Veranstaltungen. Das Grauen entfaltet sich hier eben nicht im Dunkeln, sondern in hellen, freundlichen Räumen. Der Film lebt auch vom großartigen Spiel seiner gesamten Darsteller:innen. Allen voran die drei Jungdarsteller Flora Li Thiemann, Serafin Mishiev und Michelangelo Fortuzzi als Nachbar. Diese spielen ihre Rollen so authentisch und überzeugend, dass man, auch wenn man ihren Glauben nicht vertritt, einfach mit ihnen mitleidet. Die Wut, die sich dabei entwickelt, richtet sich nicht auf diese Kinder, sondern auf dieses System, was sie zerstört. Durch und durch ist Frauke Lodders ein eindringlicher Film gelungen, der zum Nachdenken und Hinschauen anregt.

Serafin Mishiev

Fazit: „Gotteskinder“ ist der neueste Spielfilm von Frauke Lodders. Sie erzählt darin die Coming-of-Age-Geschichte zweier junger Menschen, deren Leben von der Evangelikalen Freikirche geprägt ist. Lodders besetzte die Rollen hervorragend, fand starke Bilder und entlässt das Publikum mit einem starken emotionalen Potpourri, der es lange nicht mehr loslässt.

Bewertung: 9/10

Kinostart: 30.01.2025

Trailer zum Film „Gotteskinder“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

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