25. Landshuter Kurzfilmfestival 2025

Doreen Kaltenecker
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18.-24.3.2025 / Kinopolis, Kinoptikum, Salzstadel, Poschinger Villa

Festivalbericht: Das Landshuter Kurzfilmfestival (LAKFF) feierte sein 25. Jubiläum in einer kalten Woche im März in der niederbayerischen Stadt. Die beiden Festivalleiter:innen Birgit Horn und Michael Orth fuhren für diese Ausgabe ein 224 Kurzfilme aus 36 Ländern umfassendes Programm auf, blieben ihren Wettbewerben und Reihen treu und überraschten zu dem Jubiläum mit einem Retro-Programm in der Poschinger Villa, wo alles vor 25 Jahren begonnen hat und konnten mir ihr Vorab-Programm ‚A Wall is a Screen‘ bereits viele Menschen in der Stadt mit Kurzfilmen beglücken.

D-A-CH Wettbewerb

Das Herzstück des Festivals ist wie in jedem Jahr der D-A-CH-Wettbewerb. Aus diesem werden auch Sonderprogramme wie das Ü60-Programm und die Lieblingsfilme, die sonntags immer wieder den Saal füllen, zusammengestellt. Der 29-minütige „Skin On Skin“ von Simon Schneckenburger, der bereits auf dem 46. Filmfestival Max Ophüls Preis 2025 ausgezeichnet wurde, gewann hier den mit 5000€ dotierten Großer BMW-Kurzfilmpreis. Als Beste Komödie wurde „Shut Up And Suffer“ von Emma Bading ausgezeichnet, der von den Hürden einer Abtreibung erzählt, indem sie zwei Aliens auf diese Behördenforce schickt. Der österreichische Kurzfilm „Das jüngste Gerücht“ von Bernhard Wohlfahrter zeigt, wie schnell Mundpropaganda ein Dorf erfasst und wie es so zu vielen Missverständen kommen kann. Dafür gewann er den Publikumspreis (Bayernwerk Audience Award). Darüber hinaus gab es noch viele weitere, sehenswerte Kurzfilme, die sich einem breiten Themenspektrum widmeten. So gab es Kurzfilme über Alkoholismus eines Mittzwanzigers („Cats and Dogs“), Gewalt gegen queere Menschen („Feed your Head“), Zoff mit der Familie („Thaibasilikum“) und Obdachlosigkeit („Gegen das Paradise“). Die mysteriös erzählte Geschichte über Lebensweisen und -wünsche in „Strangers like Us“ von Pipi Frostl und Felix Krisai blieb ebenfalls lange im Gedächtnis. Aber auch leichtere Stoffe fanden sich im Programm u.a. die etwas alberne Geschichte über einen der unbeachteten Berufe am Filmset: „Die Absperrfrau – Traumjob Filmbranche“. 

Ebenfalls im D-A-CH-Wettbewerb

Internationaler Wettbewerb

Seit 2011 gibt es auch den Internationalen Wettbewerb auf dem Festival. Der Dräxlmaier Internationaler Kurzfilmpreis ging in diesem Jahr an „Water Hazard“ von Alexander David, der wunderbar einfängt, wie es sich anfühlt, als junger Mensch einen Sommerurlaub zu erleben. Auch in dem Kurzfilm „Almost Certainly False“, der den Publikumspreis gewann, steht eine junge Frau im Zentrum der Geschichte, die sich einer neuen Gruppe anschließt und dabei ihren familiären Hintergrund außer Acht lassen will. Die Hauptfigur in „At Joanna’s“ von Sandrine Collard versucht, für ein Einstellungsgespräch über ihre eigentliche Lebenssituation hinweg zu täuschen. Der niederländische Film „Fuck-A-Fan“ erzählt von einer Pornodarstellerin, der Begegnung mit einem Fan und wie unerwartet seine Wünsche dann doch sind. Auch befand sich im Programm der mit Noomi Rapace prominent besetzte „Heart of Stone“, der eine Liebesgeschichte zwischen einer lebendigen Statue und einem realen Marmorabbild erzählt. Dies wartete mit sehr schönen Bildern auf. Cineastisch besoners gelungen, war der Kurzfilm „Forever Yours“, der von einer alles erfüllenden Liebe erzählt. Auch hat man die Möglichkeit, den Oscargewinner „I’m not a Robot“ von Victoria Warmerdam im Internationalen Wettbewerb zu sehen.

Auch im Internationalen Wettbewerb

The Head on Him“ von Seán Gallen

Shock Block

Alec Patchin im Filmgespräch

In den neun Veranstaltungen des ‚Shock Block‘ konnte man 69 Kurzfilme entdecken. Dabei waren die Genre genauso vielfältig wie der Tonfall und die qualitative Umsetzung. Drei Preise wurden in diesem Wettbewerb vergeben. Der Hauptpreis – der Deadline_Award – ging an „Zoé“ von Rémi St-Michel, der darin eine Zombie-Geschichte mit überraschender Perspektive erzählt. Der Deadline_Audience Award ging an den wunderbaren „Meat Puppet“ von Eros V, der für große Erheiterung sorgte. Es ist immer wunderbar, wenn sich Genre mit Comedy vermischt. Das zeigten auch Kurzfilme wie der australische „Collection Only“ und die beiden britischen Beiträge „The Awakening“ und „The Internet Remains Undefeated“, die das Publikum zum Schmunzeln bringen und trotzdem auch einen wohligen Schauer verursachen können. Der britische „The Nun Slayer“ spielt mit seinem Titel mit den Erwartungen der Zuschauenden und erzählt vor allem eine Dramedy über eine Beziehung, die auf falschen Prämissen aufgebaut wurde. Auch die kurzen Kurzfilme wie „Your Delivery Girl, Rosa“, „Type A“, „Skeeter“ und „The Lure“ sorgten für Erheiterung und bildeten ein schönes Gegengewicht zu den Kurzfilmen mit schweren Themen wie Hexenverfolgung („Barlebas“) und Kriegstraumata („Hymn of the Plague“). 

Team von „The Tunnel“

Im Programm befanden sich aber auch ganz klassisch erzählte Horrorgeschichten, wie „77“, „The Visitor“ und der Vampir-Serienmörder-Kurzfilm „Brand New Cadillac“ von Stacy Haiduk und Sophia Tatum, der von einem sehr tödlichen Mutter-Tochter-Gespann erzählt. Auch der klassische Slasher „The Last Thing She Saw“ lieferte sehr gute Unterhaltung mit einer überraschenden Idee und handwerklich perfekten Umsetzungen. Seit den 90er Jahren hat sich im Horror-Genre auch das Found-Footage-Subgenre etabliert – mit „The Tunnel“ von Brendan Cleaves und „Saint Maria’s Way“ von Chris Turner gab es zwei starke Vertreter im Shock Block. Wobei der zweite Film das Genre vor allem als Vehikel für sein eigenes Thema, die Gewalt gegen Frauen, verwendet. Oft schwingen im Genre reale Sorgen und Missstände mit. Sei es die Misshandlung von Kindern („The Bargain“), Depressionen („Sarcum“) oder die Fleischindustrie und das Greenwashing von Firmen („Happy Meat“). Die beiden letztgenannten Filme lassen sich zudem auch ins Sci-Fi-Genre einordnen. Zu dem zählten auch „Bisected“, das von einer Raumverschiebung erzählte, und der mit einer echten Spinne gefilmte „Atom & Void“ von Gonçalo Almeida. Coming-of-Age- und Selbstermächtigung-Stories standen auch oft im Zentrum: Der Meerjungfrauen-Film „What the Mermaid likes“ beschäftigte sich mit einem familiären Verlust, „Agnus Day“ mit dem Akzeptiert-Werden in einer Gruppe und „Chew“ mit dem eigenen sexuellen Erwachen. Ganz wunderbar war auch der Comedy Short „Die Bully Die“ aus Australien, der sich über den Einsatz von Genre-Elementen mit dem eigenen Trauma und dem früheren Bullying seiner Hauptfigur auseinandersetzt. 

Der Animation Award ging ebenfalls an einen Shock Block Beitrag: „Drizzle in Johnson“ von Ivan Lee besaß nicht nur eine seltsame Optik, sondern auch vielschichtige und surreal anmutende, repetitive Bilder. Dass sich der Animationsfilm auch immer für Genre-Geschichten eignet, zeigten auch die Beiträge „Bye Bear“ aus Deutschland, der mit überraschenden Bildern vom Abschiednehmen erzählt, und „Les Bêtes“ von Michael Granberry, der recycelten Puppen eines neuen in einer fantastischen Story schenkt. 

DOK Wettbewerb & weitere Programme

Oft hat man beim LAKFF die Qual der Wahl, welches der oft zeitgleich stattfindenden Programme man besucht. Es gab auch in diesem Jahr ein Kinderprogramm, den Dahome-Wettbewerb, der seit 2019 Beiträge vereint, die sich in einem weitergedachten Sinne mit Heimat beschäftigen, und diverse Kompilation-Veranstaltungen. Auch gibt es schon seit 2012 eine feine Auswahl an DOK-Filmen in einem gesonderten Wettbewerb. Den Isarkies DOK Award (1000 €) erhielt der Kurzfilm „Eine einzelne Tat“ von Jonas Eisenschmidt, der sich mit einer rassistischen Tat beschäftigt und wie diese verschleiert wurde. Wie man es vom Dokumentarfilm gewohnt ist, gab es auch hier ein weites Themenspektrum Besonders in Erinnerung blieben die Auseinandersetzung der Regisseurin Stella Deborah Traub mit ihrer ehemaligen Heimat in „Heim weg“ und der Berliner Sprayer-Film „Tunnels“ von Seraina Nyikos und Simon Ostermann. 

weitere Preise

  • DaHome Award
    A Bull Calls“ (OT: „Un Toro Llama“, Deutschland/Venezuela, 2024, Regie: Nelson Algomeda)
  • Kinderfilmpreis
    The Missing Spots“ Österreich, 2024, Regie: Astrid Rothaug)
  • Landshuter Zeitung Lokalrunden Preis
    Tobi I Bella“ (Deutschland, 2024, Regie: Luka Klotz)

Auch im DOK / Kids Programm

 

Trailer des 25. Landshuter Kurzfilmfestival 2025:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

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