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Filmkritik: Die Romanadaption „Hot Milk“ (Australien/Griechenland/UK) ist das Regiedebüt der britischen Drehbuchautorin Rebecca Lenkiewicz und schaffte es damit gleich in den Wettbewerb der 75. Berlinale 2025, wo es seine Weltpremiere feierte. Jetzt startet die ungewöhnliche Mutter-Tochter-Geschichte in den Kinos.
Durch ein unergründliches Leiden einhergehend mit schlimmen Schmerzen ist Rose (Fiona Shaw) an den Rollstuhl gefesselte. Sie begibt sich in die Hitze des sommerlichen Spaniens, um den Arzt Dr. Gomez (Vincent Perez) aufzusuchen, der vielleicht ihre einziger Ausweg ist. Mit dabei ist ihre erwachsene Tochter Sofia (Emma Mackey), auf deren Hilfe sie immer wieder angewiesen ist. Diese ist sichtlich genervt davon, überall mit ihrer Mutter hin reisen zu müssen, aber sie versucht sich immer wieder Zeit für sich zu nehmen. So streift sie durch die Gegend und trifft dabei eines Tages auf Ingrid (Vicky Krieps). Die geheimnisvolle junge Frau, für die Sofia bald mehr empfindet, scheint ebenfalls ein Päckchen mit sich rumzutragen.
Der britische Spielfilm ist das Regiedebüt der Drehbuchautorin Rebecca Lenkiewicz, basiert auf dem gleichnamigen Roman von Deborah Levy (2016) und ist eine Mutter-Tochter-Geschichte, bei der nicht alles ausbuchstabiert wird. Es ist auch ein Drama über eine Frau, deren Leben durch eine chronische Krankheit zum Stillstand gebracht wurde und die mit ihren Gefühlen und ihrer Einsamkeit schwer umgehen kann. Auch reißt es das Thema Sterbehilfe an, was zurzeit in Großbritannien und auch anderen Ländern rege diskutiert wird. Es ist auch die Geschichte einer Co-Abhängigkeit von einer Tochter, die an ihre Mutter gebunden ist. Wir erleben, wie sie in der spanischen Küstenstadt Almería ihre Freiheit und andere Gesellschaft sucht. Ihre Abhängigkeit voneinander
und auch ihre Vergangenheit bleibt dabei unklar. Trotzdem funktioniert der Film, sodass man sich mit spannenden zwischenmenschlichen Fragen beschäftigt: Wie sehr sollte man für die Familie das eigene Leben hintenan stellen? Wann darf man sich selbst wichtiger nehmen? Mit der Nebenfigur Ingrid wird das Thema der Schuld, die einige Protagonistinnen auf sich geladen haben, weiter vertieft. Auch baut der Film eine queere Liebesgeschichte ein, was ihm eine Nominierung für den Teddy Award der 75. Berlinale 2025 einbrachte.
Ungewöhnlich an dem Drama ist die dichte Inszenierung, die eine ungewisse Atmosphäre mit sich bringt. Was ist Realität? Wie entwickelt sich die Geschichte fort – die Figuren scheinen ständig an einem Kipppunkt zu stehen. Diese werden hervorragend von einem internationalen
Cast u.a. Emma Mackey (bekannt aus „Sex Education“), Fiona Shaw (Tante Petunia aus den „Harry Potter“-Filmen), Vincent Perez und Vicky Krieps verkörpert. Gedreht wurde der Film überraschenderweise in Griechenland und fängt perfekt diese sommerliche Hitze ein, die zugleich lähmend sein kann, aber auch mit Neuem und Unerwarteten aufwarten kann.
Fazit: „Hot Milk“ ist ein Spielfilm, der mit einer ungewissen Stimmung und einer sommerlichen Schwere von einer störrischen Mutter-Tochter-Beziehung erzählt. Die Regisseurin Rebecca Lenkiewicz arbeitet dafür auch mit viel Ungesagtem sowie Spannungsmomenten und schafft es auf diese Weise viele Themen anzusprechen.
Bewertung: 7/10
Kinostart war am 3. Juli 2025
Trailer zum Film „Hot Milk“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 75. Internationale Filmfestspiele Berlin 2025 – Katalog (Programm ‚Wettbewerb‘)
- Wikipedia-Artikel über den Film „Hot Milk“
- Susanne Burg, Patrick Wellinski und Anke Leweke: Hot Milk – Kritik in: Podcast Deutschlandfunk Kultur Vollbild, Folge: Live von der 75. Berlinale., 15.02.2025.
- Anna Wollner & Tom Westerholt: Film „Wunderschöner“: Karoline Herfurths Motto für 2025: Mal gucken!, in: Podcast Deutschlandfunk Nova – 1 Stunde Film, 12.2.2025.
- Anke Sterneborg: Berlinale-Wettbewerb: „Hot Milk“, in Podcast: Radio 3 – RBB – Film aktuell, 17.02.2025.
- Andreas Busche, ‚„Hot Milk“ auf der Berlinale: Gefühle flirren in der Wüstenhitze‘, tagesspiegel.de, 2025


