„Das tiefste Blau“ (2025)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Der brasilianische Spielfilm „Das tiefste Blau“ (OT: „O último azul“, ET: „The Blue Trail“, Brasilien/Mexiko/Chile/Niederlande, 2025) von Gabriel Mascaro gehörte zu den Lieblingen des Wettbewerbs der 75. Berlinale 2025 und konnte den ‚Großen Preis der Jury‘ gewinnen. Der überraschende Roadtrip einer älteren Frau spielte sich damals schnell in die Herzen des Publikums und startet nun in den deutschen Kinos.

An ihrem 77. Geburtstag kommt Teresa (Denise Weinberg) nach einer gewöhnlichen Schicht aus der Alligatoren-Schlachterei nach Hause. Dort wartet eine böse Überraschung auf sie. Sie wird zur Rentnerin abgestempelt und um ihrer Tochter Joana (Clarissa Pinheiro) als Arbeitslose und Alte nicht zu Lasten zu fallen, soll sie in eine Rentnerkolonie abgeschoben werden. Doch Teresa sieht es nicht ein, sich bereits auf diesen Lebensabschnitt einzulassen und flüchtet. Sie macht sich auf den Weg den Amazonas entlang, um sich ihre Träume zu erfüllen. Als erstes sucht sie den Bootsführer Cadu (Rodrigo Santoro) auf, der ihr das Steuern eines Bootes beibringen soll. 

Denise Weinberg

Der brasilianische Spielfilm von Gabriel Mascaro, der zusammen mit Tibério Azul das Drehbuch geschrieben hat, ist eine Mischung aus dystopischem Drama, Komödie und Roadmovie. Er skizziert hier eine Welt, die sich auf gesellschaftliche Veränderungen eingestellt hat. Die arbeitsfähigen Menschen sollten sich nicht mehr um die (pflegebedürftigen) Rentner:innen kümmern müssen, also wurden spezielle Lager errichtet. Auch gibt es Patrouillen, die flüchtige Ältere wieder einsammeln. Dass es dann auch Menschen wie Teresa trifft, die gar keine Hilfe benötigen, ist eine der Schwachstellen solcher allumfassender Systeme. Mit Freude an der Inszenierung zeigt Mascaro dem Publikum diese Welt, um kurz danach seine Heldin auf einen Boots-Roadtrip mit vielen überraschenden Begegnungen, dem Glück der späteren Liebe und sogar einem Drogentrip zu schicken. Hier geht der Film weg von der Dystopie hin zum Magischen Realismus. Die Bürde und Schwere der anfänglichen Welt fällt ab und zeigt uns eine glückliche Zeit. Diese Stimmung überträgt sich ganz maßgeblich auf die Zuschauenden und das nicht nur aufgrund seiner farbenprächtigen Inszenierung und dem Dreh an Original-Kulissen, sondern auch dem

Denise Weinberg

großartigen, brasilianischen Cast allen voran Denise Weinberg, Miriam Socarras und Rodrigo Santoro, den das internationale Publikum bereits in „Tatsächlich … Liebe“ (2003) kennengelernt hat. 

Fazit: „Das tiefste Blau“ ist ein brasilianischer Spielfilm von Gabriel Mascaro, der mit seinem schwungvollen Film – eine Mischung aus Komödie, Dystopie und Roadmovie – das Publikum gleich auf die Seite seiner Heldin zieht und mit ihr gern auf diese überraschende Reise geht. 

Bewertung: 9/10

Kinostart: 25. September 2025

Trailer zum Film „Das tiefste Blau“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

  • 75. Internationale Filmfestspiele Berlin 2025 – Katalog (Programm ‚Wettbewerb‘)
  • Wikipedia-Artikel über den Film „Das tiefste Blau
  • Jörg Taszman: Berlinale: Der heutige Wettbewerb mit Marion Cotillard, in: Podcast Deutschlandfunk Kultur – Fazit, 16.02.2025.
  • Eintrag des Films „Das tiefste Blau“ beim Verleiher Polyfilm
  • Manuel Oberhollenzer, ‚Das tiefste Blau (Filmkritik)‘, uncut.at, 2025
  • Thomas Abeltshauser: Das tiefste Blau, in EPD Film, Ausgabe 9/25, S.46-47.
  • Alexandra Seitz: Das tiefste Blau,, in: Ray – Filmmagazin, Ausgabe 09/25, S.8-15.

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