„Sorda – Der Klang der Welt“ (2025)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Der spanische Spielfilm „Sorda – Der Klang der Welt“ (OT: „Sorda“, Spanien, 2025) von Eva Libertad wurde zurecht auf der 75. Berlinale 2025 mit dem Panorama Publikums-Preis ausgezeichnet. Der Film, der nun in den Kinos startet, ist vorrangig ein gelungener Beziehungsfilm, aber auch ein Appell, dass sich das Kino und auch das gesellschaftliche Denken mehr öffnen müssen.

Die gehörlose Ángela (Miriam Garlo) und ihr hörender Partner Héctor (Álvaro Cervantes) sind schon lange ein Paar und haben beschlossen, ein Kind zu bekommen. Bereits in der Schwangerschaft tauchen Fragen auf: Wird das Kind ebenfalls gehörlos sein? Wie sieht das Leben mit einem hörenden oder eben nicht hörenden Kind aus? Nach der Geburt der Tochter verändert sich ihr Leben komplett. Ángela fühlt sich aufgrund der vielen sprechenden Menschen mit ihrem Kind um sich herum ausgegrenzt. Das führt auch dazu, dass sie und ihr Partner immer wieder in Streit geraten. Außerdem bleibt noch eine Weile unklar, ob ihre Kleine ebenfalls gehörlos ist. 

Distinto Films

Álvaro Cervantes und Miriam Garlo

Einer der Favoriten des ‚Panorama‘-Programms der 75. Berlinale 2025 war der spanische Spielfilm „Sorda – Der Klang der Welt“ von Eva Libertad, die ebenfalls das Drehbuch dazu geschrieben hat. Bereits in ihrem Kurzfilm „Sorda“ (2021) hat sie sich aufgrund der in ihrem engen Umfeld erlebten Erfahrungen mit diesem Thema beschäftigt. Sie zeigt die Themen Schwangerschaft und Elternschaft in diesem speziellen Kontext mit der gesamten emotionalen Bandbreite. Wir sehen das Glück und die Liebe und viele schöne Momente, aber sie spart auch nicht aus, zu zeigen, was zu Problemen führen kann oder dass auch der gutgemeinte Einfluss des Umfelds schädlich sein kann. Wunderbar ist, dass sie es schafft, sich nie auf eine Seite der Partner:innen zu schlagen. Das Publikum kann sich wunderbar in beide Gefühlslagen reinversetzen. In einer Szene werden die Zuschauenden auch auditiv in Ángelas Lage versetzt. Darüber hinaus bringt uns Libertad die gehörlose Freundes-Clique Ángelas näher. Darunter befindet sich auch das hörende Kind eines Paares, das das Thema weitläufiger öffnet, als nur auf der Paares-Ebene. 

Distinto Films

Doch trotz der vielen möglichen Probleme besitzt der Film durchgehend eine leichtfüßigen Ansatz. Wir erleben die Zeit wie einen schönen, warmen Sommer voller Liebe und Freundschaft. Auch wenn Probleme auftauchen, merkt man, dass hier Menschen sich lieben. Dabei gibt es keine künstliche Auseinandersetzung-Übersteigerung, sondern Libertad erzählt aus dem realen Leben. Nie verliert der Film seine Bodenhaftung und das liegt nicht nur an der authentischen Inszenierung des Films, sondern an der durchweg guten Besetzung. Allen voran mit Miriam Garlo, die auch im wahren Leben gehörlos ist, und Álvaro Cervantes als Paar, welches das Publikum sofort ins Herz schließt. Neben der Geschichte, welche der Film erzählt, ist der Film so auch gleichzeitig ein Appell an Veränderung, was die Stoffe betrifft, die wir im Kino zu sehen bekommen. Noch immer befinden sich Filme über behinderte oder beeinträchtigte Personen nicht im Standardprogramm. Positiv ist hier das amerikanische Slamdance-Festival hervorzuheben, das sich mit der Reihe ‚Unstoppable‘ bereits seit fünf Jahren diesen Filmen gewidmet hat. 

Distinto Films

Miriam Garlo

Fazit: „Sorda – Der Klang der Welt“ ist ein Spielfilm von Eva Libertad, in dem sie von einem Paar erzählt, das beschließt ein Kind zu bekommen. Nach einem eigenen Drehbuch und fest in der Realität verankert, erzählt es mit Gefühl, aber ohne Kitsch die Geschichte des Paares, das durch die Gehörlosigkeit der Partnerin öfter vor Herausforderungen gestellt wird. Der Film ist dabei nicht nur eine sommerliche, warme und berührende Geschichte, sondern auch ein kleiner Appell an das Kino, Filmen mit solchen Stoffen mehr Raum zu geben. 

Bewertung: 8/10

Kinostart: 30. Oktober 2025

Trailer zum Film „Deaf“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

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