Sechs Fragen an Tim Klinger

Doreen Kaltenecker
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Interview: Im Gespräch mit dem deutschen Filmemacher Tim Klinger konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „Satyr“ erfahren, der auf den 59. Hofer Filmtagen 2025 seine Weltpremiere feierte, warum die griechische Mythologie für seine Geschichte die perfekte Analogie lieferte, warum es hier einen starken Kontrast zwischen Stadt und Natur gibt und welchen prominenten Hauptdarsteller er für seinen Film gewinnen konnte.

Wie ist die Idee zu Deinem Kurzfilm entstanden? Wie kam der mythologische Aspekt hinzu?

Maximilian Mundt

Ich wollte schon lange filmisch von internalisierter Homophobie erzählen, von dem Gefühl, anders zu sein und sich dafür zu verurteilen. Als Weg, diese Gefühlswelt des Hauptcharakters bildlich greifbar zu machen, bin ich auf den Satyr mit seinen Hörnern gekommen. Denn für die griechische Mythologie interessiere ich mich schon seit meiner Kindheit. Wenn wir uns vorstellen, uns selbst würden diese Hörner wachsen, dann finde ich, kann man die Sorge, dass Menschen einem etwas ansehen und darüber urteilen, sehr gut nachempfinden. Dieser Blick von außen, den man oft viel stärker wahrnimmt, als er wirklich ist. Und da dann eine Vorverurteilung reinlegt, die vielleicht eher aus einem selbst kommt.

Welche Rolle spielt die Natur für die Geschichte und persönlich für Dich in deinem Leben? 

Jonathan Joèl Albrecht

Ein Großteil der Handlung spielt in einer fiktiven Großstadt, wo der Protagonist Theo die meiste Zeit den Blicken anderer Menschen und ganz allgemein der Öffentlichkeit ausgesetzt ist. Hier fühlt er sich unsicher und beurteilt. Daher wollte ich die Natur als Gegenmodell zur Gesellschaft etablieren. Als einen Raum, der ohne Verurteilung funktioniert und ihm so ermöglicht, mehr er selbst zu sein. Für mich selbst ist die Natur immer auch ein Rückzugsraum gewesen, in dem viele Themen aus dem eigenen Alltag in den Hintergrund rücken und ich einmal wirklich abschalten kann.

Der Film ist Dein Abschlussfilm an der Fachhochschule Dortmund. Kannst Du mir etwas zu dem Rahmen erzählen?

Maximilian Mundt

Was ich am Studium in Dortmund herausheben möchte, ist die Möglichkeit einer engen Zusammenarbeit mit dem Sound-Studiengang. Dadurch konnte die Sounddesignerin Rebecca Tschöp schon sehr früh ins Projekt einsteigen. So konnte die Klanglichkeit des Films in der Vorproduktion und beim Dreh bereits immer mitgedacht werden.

Der Film sollte im Ruhrgebiet spielen, wo die Grenzen von Stadt, Industrie und Natur so fließend sind. Wir haben daher in Dortmund und Unna, auf alten Halden und auch am Ruhrufer in Schwerte gedreht.

Was lag Dir visuell am Herzen?

Lotte Becker und Maximilian Mundt

Den magischen Realismus der Handlung wollte ich auch auf die Handlungsorte übertragen und habe hierfür schon früh mit der Kamerafrau Mandy Heller ein visuelles Konzept erarbeitet. Wir wollten die Spielorte aufgrund ihrer Thematik farblich trennen und trotzdem den allgemeinen Look bis auf gezielte Ausnahmen sehr realistisch halten. Außerdem war Mandy mit der Kamera immer möglichst nah am Protagonisten, um seine Perspektive nicht zu verlassen und maximale Subjektivität zu erzeugen.

Mit Maximilian Mundt habt ihr ein prominentes Gesicht für euren Film gewonnen, aber auch die anderen Darsteller:innen sind gut ausgewählt. Wie verlief der Casting-Prozess und worauf hast Du dabei Wert gelegt?

Maximilian Mundt

Maximilian Mundt für die Hauptrolle zu gewinnen war ein riesiges Geschenk für den Film. Denn die Handlung kommt an vielen Stellen ohne Dialoge aus und lebt alleine von der Gestik und Mimik der Darstellenden, von kleinen Blicken und Veränderungen in der Körpersprache. Daher habe ich im Casting auch bei Lotte Becker und Jonathan Joèl Albrecht viel Wert auf diese kleinen Nuancen im Schauspiel gelegt. Auch sollten die Schauspielenden untereinander bereits Vertrautheit, Leichtigkeit und Energien mitbringen, die man später im Film sehen kann.

Sind bereits neue Projekte geplant?

Aktuell arbeite ich an einem nächsten Kurzfilm und schreibe am Konzept für meinen ersten Langfilm.

Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Satyr

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