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Filmkritik: Der deutsche Kurzfilm „Satyr“ von Tim Klinger, der auf den 59. Hofer Filmtagen 2025 seine Weltpremiere feierte, verwendet die griechische Mythologie, um eine reale Geschichte des Sich-Anders-Fühlens zu erzählen.
Theo (Maximilian Mundt) arbeitet in einem Antiquariat und führt eher ein stilles, zurückgezogenes Leben. Als er seine Freundin Alina (Lotte Becker) besucht, trifft er auch ihren Mitbewohner Silvan (Jonathan Joèl Albrecht), der mit Stolz seine Hörner trägt. Theo ist fasziniert und angezogen, aber kann sich gleichzeitig nicht eingestehen, dass er ebenso ist, denn unter seinem Lockenschopf beginnen bereits die Hörner zu wachsen.
Der deutsche Regisseur und Drehbuchschreiber erzählt in seinem halbstündigen Kurzfilm von einem klassischen Coming-Out. Doch er verwendet für das Queersein eine Metapher aus der griechischen Mythologie. Die Satyrn, die Begleiter des Weingottes Dionysos, sind hier ein Symbol für das scheinbare Anderssein. Anfänglich lässt der Film offen, ob nur Theo sie sehen kann, oder ob es wirklich zu dieser Ausprägung in der Gesellschaft gekommen ist. Das Wachsen seiner Hörner und das sich irgendwann nicht mehr Verstecken-Können und -Wollen ist auch ein Zeichen für Veränderung und dass es notwendig und wohltuend ist, diesen Schritt zu gehen. Doch die Stadt mit vielen, auch intoleranten Menschen, scheint nicht der Ort dafür zu sein. So spielt auch die Natur eine große Rolle in dem Film. Klinger fängt die Umgebungen mit natürlichem Licht und sehr realitätsnah ein, zeigt, dass manche Veränderungen Zeit brauchen und verwendete eine sehr subjektive Kameraführung. Dabei arbeitet der Film mehr mit Blicken und weniger mit Worten und setzt sparsam elektronische Musik ein, aber erst dann, wenn eine Veränderung beginnt. Die Hauptfigur wird von Maximilian Mundt („How to Sell Drugs Online (Fast)“ (2019-2025)) verkörpert, dessen Gesicht all die unterschiedlichen Emotionen widerspiegelt. Der aber auch mit seinen unterdrückten Sehnsüchten und Wünsche etwas sperrig ist, so dass der Zugang zu seiner Figur erschwert wird. An seiner Seite spielt Jonathan Joèl Albrecht den selbstbewussten Silvan sympathisch bestechend, so dass man verstehen kann, dass er der Mann ist, der Theo helfen kann, diesen Schritt zu gehen.
Fazit: „Satyr“ ist ein Kurzfilm von Tim Klinger, der mit der Analogie zu einer mythologischen Figur eine klassische Coming-Out-Geschichte erzählt. Dabei ist die Inszenierung stark in der Realität verwurzelt, spielt aber gekonnt mit dem Bild der Hörner und setzt zudem den Kontrast von Stadt und Land gut ein. So gelang dem Regisseur Tim Klinger ein warmherziger Film, der auch gerade für junge Menschen bestärkend und wohltuend sein kann.
Bewertung: 3,5/5
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 59. Internationale Hofer Filmtage 2025 – Katalog
- Doreen Kaltenecker, ‚Sechs Fragen an Tim Klinger‘, testkammer.com, 2025
- Film und Medien Stiftung NRW, ‚Die Film- und Medienstiftung NRW fördert vier Abschlussfilme mit 80.000 Euro‘, filmstiftung.de, 2025
- Jan Weffers, ‚Netflix-Star Maximilian Mundt in Dortmund: Video vom Filmset‘, ruhrnachrichten.de, 2025
