„The Spectacle“ (2025)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Der ungarische Kurzfilm „The Spectacle“ von Bálint Kenyeres, gesehen auf dem 35. Filmfestival Cottbus 2025, ist ein viertelstündiger Spielfilm, der gleichermaßen gesellschaftskritisch wie unterhaltsam ist. 

Vilmos (Vilmos Jónás), ein schüchterner Roma-Junge, besitzt eine einmalige Fähigkeit und um diese der Welt zu zeigen, werden er und seine Großmutter (Jolika Oláh Józsefné) von einem Filmteam besucht. Doch in der Enge des Hauses und unter dem ungläubigen Blick der Reporter:innen ist es schwierig, Wunder zu vollbringen.

Der Regisseur und Drehbuchautor Bálint Kenyeres erzählt mit seinem 15-minütigen Kurzfilm von der Unfähigkeit der Menschen, wahre Wunder (als Zeichen für das Positive) und die wirkliche Sensation zu sehen. Dabei denkt er das nicht nur gesellschaftlich, um ein Denken in Schubladen entgegenzukommen, sondern auch politisch als mögliche Kraft der Veränderung. Indem sich die Reporter:innen schlussendlich dafür entscheiden, nicht über den Jungen zu berichten, entscheiden sie sich für die Belanglosigkeit und auch für das Verheimlichen. Dies führt zu einer Art Abstumpfung bei den Menschen und lässt sich wunderbar auf die politische Sphäre übertragen. Im Interview mit der Testkammer spricht Kenyeres davon, wie schwierig die Situation in Ungarn ist, als freischaffender Filmemacher zu arbeiten. Er kritisiert offen das Land und dessen kulturellen Politik und den Eingriff auf das Kunstschaffen. Der Film wurde zwar in kürzester Zeit und mit wenig Geld umgesetzt, aber das sieht man ihm nicht an. Mit einer starken Kameraarbeit, die sich auf die Gefühlslage seines Protagonisten komplett einstellt, besitzt der Film eine cineastische Qualität. Auch das Spiel der Laiendarsteller:innen ist mitreißend und überzeugend. Besonders einprägsam ist die Mischung aus realen Settings und dem damit einhergehenden authentischen Look und der handwerklich perfekt umgesetzten Inszenierung. 

Fazit: „The Spectacle“ ist ein Kurzfilm des ungarischen Filmemachers Bálint Kenyeres. Er hat hier mit bescheidenen Mitteln und trotz widriger Umstände einen cineastischen Kurzfilm, der ein Teil einer Anthologie ist, umgesetzt, der gleichermaßen unterhaltsam wie gesellschaftskritisch ist und damit lange im Gedächtnis bleibt. 

Bewertung: 4,5/5

Trailer zum Kurzfilm „The Spectacle“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

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