„Fisherman’s Burden“ (2024)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Der georgische Kurzfilm „Fisherman’s Burden“ von Levan Tskhovrebadze, der auf dem 35. Filmfestival Cottbus 2025 lief, ist auf den ersten Blick eine kleine Gangster-Geschichte, ist aber auf den zweiten Blick ein Portrait des ländlichen Georgiens.

Eines Tages finden ein Fischer (Giorgi Mirinashvili) und sein Vater (Gela Kachkachishvili) einen Koffer voller Geld. Auch wenn ihnen sofort klar ist, dass es schmutziges Geld ist, lassen sie sich nicht entgehen, den Koffer mit nach Hause zu nehmen. Am nächsten Tag bekommen die Fischer nicht nur Besuch von der Polizei und werden so gezwungen zu handeln.

Der 18-minütige Kurzfilm aus der Hand von Levan Tskhovrebadze, der mit Grigol Janashia gemeinsam das Drehbuch schrieb, ist eine beinahe klassische Gangstergeschichte. Zwei unschuldige Männer gelangen zufällig an Geld und das ruft nicht nur die Polizei, sondern auch die eigentlichen Gangster auf den Plan. Das erzählt der Film geradlinig und konsequent. Dabei kann man als Zuschauerin auch ahnen, dass es möglicherweise nicht gut ausgehen wird. Doch darüber hinaus erzählt Tskhovrebadze auch vom ländlichen Georgien, den Verhältnissen vor Ort und von einem starken Machtverhältnis in der Vater-Sohn-Beziehung. Das alles setzt er stimmungsvoll und cineastisch um. Auffällig sind trotz realer Settings der starke Einsatz von Farben und die ausgedehnten Schwenks und Kamerafahrten. Der Film fängt das Geschehen oft dynamisch ein, sei es auf dem Motorrad oder in weiträumigen Schwenks über die Landschaft, wobei die Menschen nur ein Teil davon sind. Das betont die gesellschaftliche Stellung der beiden und ist gleichzeitig eine schöne Referenz an große Vorbilder des Genres. Auch die schwungvolle Musik passt sich gut dem ungewöhnlichen Look an, der viel Leichtigkeit besitzt. Bodenhaftung bekommt der Film durch die Auswahl der Darsteller. Er hat hier mit lokalen und ihm bekannten Laiendarstellern zusammengearbeitet, zwischen denen aber eine gelungene Chemie herrscht und die die Geschichte so wunderbar und auf unverfälschte Weise tragen können.

Fazit: „Fisherman’s Burden“ ist ein Kurzfilm von Levan Tskhovrebadze, der mit cineastischen Mitteln eine Gangstergeschichte erzählt. Das gelingt ihm mit einer Mischung aus groß angelegten Kamerafahrten und dem Einsatz von Laiendarstellern. Darüber hinaus erzählt er so auch noch etwas über Georgien, das Leben auf dem Dorf und von den gesellschaftlichen Strukturen des Landes.

Bewertung: 3,5/5

geschrieben von Doreen Kaltenecker

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