„People & Things“ (2024)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Der polnische Kurzfilm „People & Things“ von Damian Kosowski, der auf dem 35. Filmfestival Cottbus 2025 den Hauptpreis des Wettbewerb Kurzfilm gewann, erzählt eine Geschichte über Verlust und Aufarbeitung im Jahr 2028 in der Ukraine.

Olena (Oksana Cherkashyna) und ihre Tochter Kira (Kira Makidon) reisen nach dem Ende des Krieges zusammen mit dem neuen Freund Tymur (Stanislav Voitsekhovskyi) in die Ostukraine, wo ein Massengrab entdeckt wurde. Schon lange wartet Olena auf die Bestätigung, dass ihr Mann verstorben sei. Ein DNA-Test scheint jetzt Klarheit bringen.

Der polnische Regisseur und Drehbuchautor Damian Kosowski beschäftigt sich mit einer Zeit, nachdem der russische Angriffskrieg auf die Ukraine beendet ist. Dabei konzentriert er sich auf den Aspekt der Identifikation von Verstorbenen, die in Massengräber vergraben wurden. Beeinflusst von dem eigenen Verlust der Eltern stellt er dieses Thema ins Zentrum der Geschichte. Wie geht man auch noch Jahre danach mit dem Tod eines geliebten Menschen um? Sollte man die eigenen Kinder ebenfalls damit konfrontieren? Auf die zweite Frage findet die Figur der Olena eine einprägsame Antwort. Die Tochter muss dies sehen, damit jene Ereignisse und der Schrecken des Krieges nicht in Vergessenheit geraten. So erzählt der Film auch vom Erinnern, Aufarbeiten und macht deutlich, dass ein Krieg nach dem Ende der Kampfhandlungen nicht einfach endet. Trotz der Beschränkung des Mediums Kurzfilm und der Konzentration auf einen Aspekt, kann man die Monstrosität der Nacharbeit nach dem Krieg hier spüren. Umgesetzt hat Kosowski den Film filmisch zurückhaltend und realitätsnah. Für die exakte Darstellung hat er eng mit Anthropolog:innen zusammengearbeitet und am Anfang sogar eine rein dokumentarische Szene gefilmt. Hinzu kommt das gelungene Spiel der Darsteller:innen allen voran Oksana Cherkashyna und Kira Makidon als Mutter-Tochter-Gespann.

Fazit: „People & Things“ ist ein Kurzfilm von Damian Kosowski, der auf realitätsnahe Weise in die nahe Zukunft der Ukraine nach dem Ende des Krieges blickt. Dabei beschäftigt sich der Film mit der Aufarbeitung, dem Verlust und Erinnern und zeigt trotz der Kürze der Zeit eindringlich, dass es danach eben nicht einfach vorbei ist, sondern ein andere, intensive Zeit beginnt. 

Bewertung: 4/5

Trailer zum Kurzfilm „People & Things“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

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