„Fassaden“ (2025)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Die Leipziger Filmemacherin Alina Cyranek erzählt mit ihrem neuesten Dokumentarfilm „Fassaden“, der u.a. auf der 2. Doxumentale 2025 zu sehen war und jetzt auf Kinotour geht, von häuslicher Gewalt, der in Deutschland laut einer Statistik des Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend jede dritte Frau zum Opfer fällt.

Die Dokumentation erzählt auf drei Ebenen von dem Thema häuslicher Gewalt, die immer noch tabuisiert ist und so oft von allen Seiten darüber geschwiegen wird. Die Regisseurin Alina Cyranek hat sechs Jahre für den Film recherchiert und lässt vier Frauen, deren Berichte als Off-Kommentar zusammengefasst wurden, zu Wort kommen. Eingesprochen wurden ihre Worte von der Schauspielerin Sandra Hüller. Auf visueller Ebene sehen wir Häuserfassaden und die beiden Tänzer:innen Gesa Volland und Damian Gmür, welche die Stimmung der Worte in Tanz durch die Choreographie von Sebastian Weber übersetzen. Interviews mit einem Polizisten, einer Ärztin, zwei Sozialarbeiterinnen, einer Psychotherapeutin und einer Anwältin ergänzen die Dokumentation. 

In den sechs Interviews, die im Film in der Reihenfolge ihrer Zuständigkeit zu Wort kommen, werden die Gewalttaten von Außen erzählt, eingeordnet im gesellschaftlichen Rahmen und so entsteht ein größeres Bild unabhängig von den Einzelschicksalen. Schockierend ist bei dem gesamten Film die Erkenntnis, dass solche Taten nach ähnlichen Mustern ablaufen und dadurch auch verhindert werden könnten. Doch das wird zum einen vom Rechtssystem selbst verhindert, aber auch von vielen Menschen, die auf die eine oder andere Weise involviert sind. Das gesellschaftliche System bedingt und lässt zu, dass an Menschen, vor allem an Frauen Gewalt ausgeübt wird. Die Statistiken und Zahlen, die jedes Jahr veröffentlicht werden, sprechen dabei für sich. Cyranek leistet mit ihrer 99-minütigen Dokumentation einen wichtigen Beitrag für die Sichtbarmachung des Themas. Der Film kann sowohl zur Aufklärung bei einem jungen Publikum als auch zur Aufarbeitung für Betroffene verwendet werden. Er schafft es trotz einer gewissen Sachlichkeit zutiefst zu berühren. Die Worte aus dem Off gehen mit den harmlosen Bildern von fünf Hausfassaden eine niederschmetternde Symbiose ein. Die Interviews und die Tanzszenen wechseln sich ab und schaffen es dabei, Gefühl mit Fakten zu vereinen.

Fazit: „Fassaden“ ist eine Dokumentation von Alina Cyranek, die darin mit einer Tanzchoreographie, Erfahrungsberichte als Voice Over und Interviews von häuslicher Gewalt berichtet. Dabei bricht sie die Wand des Schweigens, klärt auf und zeigt, wo die Schwachstellen liegen und dass es notwendig ist, hinzuschauen. Dieser Film ist dabei gleichermaßen sachlich faktenbasiert wie auch emotional berührend und lässt das Publikum erst einmal sprachlos zurück. 

Bewertung: 4,5/5

Trailer zum Film „Fassaden“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

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