„The Blood“ (2025)

Doreen Kaltenecker

Filmkritik: Der spanische Kurzfilm „The Blood“ (OT: „La Sangre“) von Joaquín León, der im Internationalen Wettbewerb des 41. Interfilm Berlin 2025 zu sehen war, erzählt vom Erwachsenwerden in einem Dorf und wie ein mögliches Wunder das Leben eines jungen Mannes verändert.

Der Teenager Álvaro (Luka Albarrán) verbringt die Tage mit Arbeiten, Chillen und dem obligatorischen Kirchenbesuch mit seiner Mutter (Esther Luna). Nach der letzten Messe weint er auf einmal blutige Tränen, die heilen können. Wie soll man mit diesem vermeintlichen Wunder umgehen?

Der spanische Regisseur und Drehbuchautor Joaquín León erzählt in seinem 15-minütigen Kurzfilm eine ungewöhnliche Coming-of-Age-Geschichte. Ein junger Mann, der noch etwas ziellos in den Tag hinein lebt, wird durch ein beinahe klassisches, religiöses Wunder aus seinem Alltag gerissen. Wird das sein neues Leben? Kann man damit ein Geschäft machen? Ausgangspunkt für seine Geschichte war die Pflege einer kranken Katze und die Beschäftigung mit Krankheit und Tod. Im Interview mit der Testkammer erzählt der Regisseur León, dass für ihn „der religiöse Aspekt des Films nicht im Mittelpunkt“ steht. Doch trotzdem ist der Film ohne diese Aspekte nicht lesbar. Ausgehend von der Musik und Tänzen, die jedes Jahr zu Ehren der Jungfrau aufgeführt werden, die er selbst dokumentarisch gefilmt hat, behandelt die Geschichte auch die Frage, wie das Religiöse das Leben durchdringt und wie mit Wundern in heutigen Zeiten wohl umgegangen werden würde. Das alles erzählt er in schön eingefangenen Bildern und einer Inszenierung, die sich von Bachs Krebskanon „Musikalische Opfer“ (1747) inspirieren ließ. Seine 16mm-Aufnahmen sind dabei wie Gemälde komponiert, er arbeitet mit starken Symmetrie und einer gewissen Starre und Bewegungslosigkeit, welche dem Alltäglichen etwas Überhöhtes verleiht. Hinzu kommt ein gelungener Einsatz von Musik, sparsamen Dialogen und einem Cast, der seine Rollen mit viel Lebensnähe zu verkörpern weiß.

Fazit: „The Blood“ ist ein Kurzfilm von Joaquín León, der in wunderschönen Bildern, die sich im Aufbau und Visualität an Gemälde anlehnen, vom Erwachsenwerden, Religion und vermeintlichen Wundern in heutigen Zeiten erzählt. 

Bewertung: 3,5/5

Trailer zum Kurzfilm „The Blood“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

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