“El Olivo – Der Olivenbaum” (2016)

© Piffl Medien

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Filmkritik: Der spanische Film “El Olivo – Der Olivenbaum” (OT: “El Olivo”, Spanien, 2016) möchte Drama und Komödie, Familiengeschichte, Sozialkritik und Roadtrip in einem sein. Zu weiten Teilen gelingt es der Regisseurin Icíar Bollaín die Komponenten zu vereinen. Doch überspannt sie den Bogen in die eine oder andere Richtung zuweilen.

Alma (Anna Castillo) liebt niemanden mehr als ihren Großvater. Dieser hat sich im Alter stark verändert und wandert immer wieder ziellos umher. Sie ist überzeugt davon, dass der frühere Verkauf des riesigen Olivenbaums der Familie, ein Milenarios – ein Tausendjähriger den Großvater so leiden lässt. Sie begibt sich auf die Suche nach dem Baum und findet ihn bei einem Düsseldorfer Energieunternehmen. Alma beschließt kurzerhand den Baum für ihren Opa zurückzuholen und erhält Unterstützung von deutschen Aktivisten. Zusammen mit ihrem guten Freund Rafa (Pepe Ambròs) und ihrem Onkel Alcachofa (Javier Guttierrez) begibt sie sich auf die Reise nach Deutschland, ohne aber den beiden die komplette Wahrheit erzählt zu haben. Ein abenteuerlicher Trip mit einer fast unmöglichen Mission beginnt und verändert dabei die drei Reisenden.

© EOne Films Spain

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Die Regisseurin Icíar Bollaín und der Drehbuchschreiber Paul Laverty wollen in ihrem Film vieles vereinen: Er soll Familiendrama, Gesellschaftskritik, Landesportrait, Roadtrip Liebesgeschichte und Komödie sein. Diesen Ansprüchen kann er nicht vollends gerecht werden und wird vermutlich vor allem als sozialkritisches Drama wahrgenommen werden. Ein Zeitungsartikel gab den Anlass zur Entstehung der Geschichte. Es ging dabei um den Verkauf uralter Olivenbäume aus dem Bajo Maestrazgo (Grenzgebiet zwischen Valencia und Katalonien (Spanien)). Finanzielle Probleme (vor allem seit 2007 als die Immobilienblase in Spanien geplatzt ist) veranlasste die Menschen dazu die tausendjährigen Olivenbäume zu verkaufen. Für die Recherchen fuhren die Filmemacher in die Provinz und interviewten die Verkäufer. Sie sahen in einigen Personen eine gewisse Traurigkeit und so entwickelte sich die Figur des Großvaters. So fand die Regisseurin schnell den etwas schwermütigen Grundtenor und den realen Hintergrund – die finanzielle Krise des Landes – für ihren Film. Hinzu fügte sie eine konventionelle Familiengeschichte und Culture-Clash-Elemente zwischen Deutschen und Spaniern. Hierbei führt sie schmunzelnd den deutschen Aktionismus vor. Der Film möchte die unterschiedlichsten Genres abdecken und genau da liegt der Knackpunkt. Nicht jeder Zuschauer möchte Familiendrama, Sozialkritik und Komödie in einem Film sehen. Emotional ist es schwierig sich auf den Film einzulassen. So besitzt er an manchen Stellen einfach zu viele Belehrungen und dann wieder zu viel Pathos. Die Mischung macht es schwierig den Film uneingeschränkt zu genießen, obwohl er auf formaler Ebene überzeugen kann. Die Bilder und die Musik passen sich ihrem Sujet gut an. Der Film besitzt einen hohen Authentizitätsanspruch. Um besonders realitätsnah zu bleiben, begaben sich die Filmemacher selbst auf einen Roadtrip und ließen ein Baumdouble für den Olivenbaum in über sechs Wochen anfertigten, da ein echter Baum für die Aufnahmen nicht geeignet gewesen wäre.

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Der Film ist aber vor allem starkes Schauspielerkino. Anna Castillo als Alma füllt die Rolle komplett aus und überzeugt darin. Pep Ambròs, der hier zum ersten Mal vor einer Filmkamera steht, spielt Rafa mit zarter Ehrlichkeit. Die komödiantische Unterhaltung liefert Javier Guttierrez. Das ausgedachte Dreiergespann funktioniert die meiste Zeit sehr gut und gibt dem Film Sympathieträger. Im Gesamten ist der spanischen Regisseurin Icíar Bollaín eine unterhaltsame wenn auch nicht außergewöhnliche Geschichte gelungen, die es aber durch ihren Genremix schwer haben wird, ein Publikum zu finden.

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Fazit: Der spanische Film “El Olivo – Der Olivenbaum” kann den gewillten Zuschauer unterhalten. Dieser muss sich auf viele Genres gleichzeitig einlassen und sich die interessanten Aspekte selbst auswählen. Bollaín versucht leider zu viel in einem Film unter zu bekommen und kann dabei diverse pathetischen Klippen nicht umschiffen. So besitzt der Film trotz handwerklichen Geschicks und einer interessanten Geschichte weniger Gewicht, als von den Filmemachern erhofft wurde.

Bewertung: 6/10

geschrieben von Doreen Matthei

Quelle: Pressematerial von Piffl Medien

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